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Pyometra (Hund)

von altgriechisch: pyon - Eiter und metra - Gebärmutter
Synonym: Zystischer Endometriumhyperplasie-Pyometra-Komplex
Englisch: pyometra

1. Definition

Als Pyometra, im klinischen Sprachgebrauch auch vereinfacht "Pyo" genannt, bezeichnet man eine pathologische Ansammlung von eitrigem Material im Uterus (Gebärmutter) einer Hündin.

Von der Pyometra muss eine Hydrometra (wässriges Sekret), Mukometra (muköses Sekret) oder Hämatometra (blutiges Sekret) unterschieden werden.

2. Physiologie

Der Sexualzyklus der Hündin umfasst vier Phasen, die wiederum (abhängig vom Autor) einzelne Zwischenstadien aufweisen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen folgenden Abschnitten:

3. Epidemiologie

Das Risiko einer intakten Hündin eine Pyometra vor dem 10. Lebensjahr zu entwickeln, liegt bei 23 bis 24 %. Hunde leiden dabei deutlich häufiger an einer Pyometra als Katzen.

4. Ätiologie

Eine Pyometra entsteht häufig infolge eines unphysiologischen Einflusses von Progesteron auf den Uterus. Zusätzlich können Uterustumoren den Abfluss von Uterussekreten behindern und zur Entwicklung einer Pyometra beitragen.

In den meisten Fällen sind opportunistische Keime beteiligt, wie z.B. Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Streptococcus spp. oder Pseudomonas spp.. Selten kommt es zu aszendierenden Infektionen aus der Vagina oder zu Infektionen des Uterus infolge einer vorübergehenden Bakteriämie.

5. Pathogenese

Die bei einer Pyometra einhergehende zystische Hyperplasie des Endometriums entwickelt sich während des Diöstrus. Durch die verminderte uterine Clearance sammelt sich Eiter an, sodass ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand für die Hündin entsteht.

Die Phase des Diöstrus dauert bei einer nicht-graviden und gesunden Hündin durchschnittlich 70 Tage. In dieser Zeit steht der Uterus unter dem Einfluss von Progesteron, das von den ovariellen Corpora lutea gebildet wird. Progesteron stimuliert dabei das Wachstum und die sekretorische Aktivität der Drüsen des Endometriums und reduziert gleichzeitig die Aktivität des Myometriums. Während des Diöstrus kann es jedoch zu einer abnormalen Reaktion des Uterus kommen, sodass sich eine zystische Hyperplasie des Endometriums bildet. Solche zystischen Veränderungen entstehen insbesondere dann, wenn eine hohe oder verlägerte Progesteronproduktion der Ovarien vorliegt oder Progesteron von außen (exogen) zugeführt wird.

Sowohl ein exzessiver Progesteroneinfluss als auch eine übersteigende Antwort auf das Hormon führen letztendlich dazu, dass das Drüsengewebe des Uterus zystisch und ödematös verdickt und von Lymphozyten und Plasmazellen infiltriert wird. In weiterer Folge sammelt sich Flüssigkeit in den Drüsen des Endometriums und dem Uteruslumen an und es kommt zu einer zystischen endometrialen Hyperplasie. Durch den Progesteroneinfluss ist die Kontraktilität des Myometriums zusätzlich vermindert, sodass die Drainage des Uterus behindert wird. Durch die verminderte uterine Clearance wird das Bakteriumwachstum und somit die Entstehung einer Pyometra begünstigt.

6. Formen

Anhand des klinischen Bildes und der Zyklusphase der Hündin unterscheidet man folgende zwei Pyometra-Formen:

  • Geschlossene Pyometra: Die Zervix ist geschlossen und der Uterusinhalt wird zurückgehalten.
  • Offene Pyometra: Die Zervix ist geöffnet, sodass das purulente Sekret über die Vagina abfließt.

7. Klinik

Hündinnen mit einer offenen Pyometra zeigen häufig nur eitrigen Vaginalausfluss. Durch den Einfluss verschiedener Bakterientoxine leiden diese Tiere oftmals auch an Polyurie und Polydipsie.

Bei einer geschlossenen Pyometra entwickeln die Hündinnen unspezifische klinische Symptome wie Polyurie und Polydipsie, Leistungsintoleranz, Fieber, Erbrechen, Anorexie und nervale Ausfallserscheinungen (z.B. Nachhandschwäche). Bleibt die Erkrankung unerkannt, entwickeln sich rasch eine Sepsis und ein multiples Organversagen. Zusätzlich sind oftmals Hypoglykämie, Anämie, kardiale Dysfunktion und eine prärenale Azotämie ausgebildet.

8. Komplikationen

Unbehandelt kommt es aufgrund der massiven Ansammlung von Eiter zu einer schwerwiegenden systemischen Erkrankung. Die Tiere können dehydrieren und entwickeln eine Septikämie oder eine Endotoxämie. Durch eine Kompression bzw. der Überdehung des Uterus kann der Uterusinhalt auch über die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen und eine Peritonitis verursachen.

Bei einem massiv gefüllten Uterus ist auch eine Torsion (Torsio uteri) möglich.

9. Differenzialdiagnosen

Zu den Differenzialdiagnosen gehören u.a.:

10. Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich häufig schon bereits während der Anamnese (unkastrierte Hündin, die 4 bis 8 Wochen zuvor läufig war). Der Verdacht wird durch die typische Klinik (systemische Krankheitszeichen, aufgetriebenes Abdomen, Schocksymptome u.ä.) erhärtet.

Die Diagnose wird mittels Vaginoskopie, vorsichtiger Palpation sowie Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen des Abdomens gesichert.

11. Therapie

Eine Pyometra ist grundsätzlich chirurgisch zu versorgen. Eine konservative Therapie ist nur in Ausnahmefällen indiziert. Diese Therapieooption kommt nur bei wertvollen Zuchthündinnen, deren Allgemeinbefinden sowie Säure-Basen-Haushalt ungestört ist und eine offene Pyometra aufweisen, in Frage. Bei diesen Hündinnen kann eine medikamentöse Entleerung des Uterus durch Progesteronantagonisten (z.B. Aglepriston) versucht werden. Zusätzlich sind Antibiotika über 2 bis 3 Wochen, PGF und Cloprostenol indiziert.

Alle anderen Hündinnen sind unverzüglich mittels Ovariohysterektomie zu versorgen.

12. Literatur

  • Fossum TW. 2007. Chirurgie der Kleintiere. 2. Auflage. München: Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag. ISBN: 978-3-437-57091-9
  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3

13. Quellen

Stichworte: Eiter, Hund, Uterus

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