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Ovar (Veterinärmedizin)

Synonyme: Ovarium, Eierstock

1 Definition

Die Ovarien bzw. Eierstöcke sind die paarig angelegten Keimorgane der weiblichen Haussäugetiere.

2 Funktion

Die Ovarien dienen einerseits der Aufbewahrung und zyklischen Freisetzung der weiblichen Keimzellen, andererseits der Bildung der Sexualhormone.

3 Embryologie

Die Ovarien entstehen beiderseits aus den Urkeimleisten in der Lendengegend medial der Urniere. Im Anschluss wandern aus dem Dottersack Urgeschlechtszellen ein, die nachfolgend sogenannte Eiballen bilden. Aus diesen wiederum entwickeln sich unterschiedliche Stadien der Eizellreifung und deren Begleitzellen (Follikelzellen) bis hin zum sprungreifen Graaf-Follikel.

4 Anatomie

4.1 Größe und Gewicht

Die Ovarien sind oval bis kugelig geformt und von derber Konsistenz. Bei den Fleischfressern zeigen sie eine kleinhöckerige Oberfläche und haben eine länglich-ovale Gestalt. Bei mittelgroßen Hündinnen sind sie etwa 20 mm lang und 15 mm dick. Bei der Katze sind sie ähnlich geformt, jedoch nur 8 bis 9 mm lang.

Beim Schwein sind die Ovarien grobhöckerig, walzenförmig und ca. 50 mm lang, sodass sie bei einem etwa 150 kg schweren Mutterschwein im Durchschnitt 8 bis 14 g wiegen. Beim Rind sind die Eierstöcke im direktem Vergleich mit der Größe des Tieres relativ klein. Der Eierstock wiegt hier nur etwa 15 bis 19 g und ist durchschnittlich 30 mm lang und 20 mm breit.

Die kugeligen und etwas abgeplatteten Ovarien der Ziege sowie des Schafes wiegen im Schnitt nur 1 bis 2 g und sind 15 mm lang. Die Stute besitzt die größten Ovarien. Diese sind bohnenförmig und etwa 50 bis 80 mm lang, 20 bis 40 mm dick und 40 bis 80 g schwer. Die Ovarien der Stute zeigen gegenüber den Eierstöcken anderer Haussäugetiere deutliche Unterschiede, weshalb sie gesondert betrachtet werden sollten.

Da die Ovarien geschlechtsreifer Tiere in bestimmten arttypischen Zeitabständen tiefgreifenden und zyklusbedingten Funktionswechseln unterworfen sind, dürfen die angegebenen Zahlen nur als Durchschnittswerte angesehen werden. Strenge hormonelle Einflüsse verändern sowohl die Form als auch die Größe und das Gewicht des Organs.

4.2 Morphologie

Am Ovar können Flächen, Pole sowie Ränder anhand ihrer Lage im Körper bzw. Beziehungen zu den umliegenden Strukturen beschrieben werden:

Beim Wiederkäuer ist das Ovar aufgrund des aufgerollten Uterushorns um ca. 270° gedreht. Aufgrund dessen zeigt die Extremitas tubaria nach dorsal und der Margo liber nach kranial.

4.3 Gefäßversorgung

Die Ovarien werden über direkte Äste der Aorta abdominalis versorgt. Die Arteria ovarica tritt als großes Gefäß an das Organ heran und versorgt es mit sauerstoffreichem Blut. Gleichzeitig können sich zusätzlich noch Zweige der Arteria uterina an der Blutversorgung beteiligen.

Die venöse Drainage erfolgt über die gleichnamige Vene (Vena ovarica), die zur Vena cava caudalis bzw. zur gleichseitigen Vena renalis zieht.

Unmittelbar vor dem Eintritt in den Hilus ovarii bzw. im Eierstock selbst verästeln sich die genannten Gefäße stark. Der Gefäßbaum unterliegt einem zysklusabhängigen Umbau, um eine optimale Versorgung der Funktionsgebilde (Follikel und Gelbkörper) zu gewährleisten.

Die Lymphe der Eierstöcke wird über efferente Bahnen den Lymphonodi iliaci mediales sowie den Lymphonodi lumbales aortici zugeführt.

4.3.1 Innervation

Die Ovarien werden über den Plexus ovaricus des Truncus symphaticus und des Nervus vagus innerviert.

4.4 Befestigung

Die Eierstöcke sind über das Ligamentum latum uteri in der Bauchhöhle aufgehängt. Der entsprechende Abschnitt des breiten Gebärmutterbandes zieht als Mesovarium an den Eierstock heran und inseriert am Margo mesovaricus. Im Mesovarium eingebettet ziehen die Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven an das Organ heran, um am Hilus ovarii einzutreten.

Im Mesovarium können Reste des sogenannten Sexualteils der Urniere (Ductus mesonephricus und Urnierenkanälchen) eingebettet sein. Diese sind als kleine bläschenförmige Anhängsel erkennbar und werden als Epoophoron bezeichnet. Rudimente des kaudalen Abschniitts der Urniere heißen Paroophoron.

5 Topographie

Entsprechend der Orte ihrer Entstehung bleiben die Eierstöcke bei den Fleischfressern zeitlebens in der Lendengegend kaudal der Niere. Beim Pferd senken sich die Ovarien ca. eine Handbreite und am langen Gekröse befestigt in die Bauchhöhle ab. Einzig beim Wiederkäuer und beim Schwein vollzieht sich embryonal eine Lageveränderung der Eierstöcke, die mit dem Hodenabstieg (Descensus testis) beim männlichen Tier verglichen werden kann. Hier wandern die Ovarien bis auf halbe Höhe des Beckeneingangs nach kaudal (Descensus ovarii).

6 Histologie

Mit Ausnahme des Eierstocks des Pferdes können am Ovar eine äußere und eine innere Schicht beschrieben werden. Die außen liegende und dichter gefügte Rindensubstanz (Zona parenchymatosa) ist deutlich von der zentral und locker gebauten gefäßreichen Marksubstanz (Zona vasculosa) zu unterscheiden. Die äußere Hülle entstammt dabei dem Coelomepithel und besteht bei jungen Tieren aus einer einschichtigen Lage kubischen Epithels, das als Keimdrüsenepithel (Epithelium superficiale) bezeichnet wird. Dieses flacht bei älteren Tieren deutlich ab. Unter dem Epithel befindet sich eine derbe Bindegewebsschicht (Tunica albuginea).

Die Grundlage der Rindensubstanz bildet das Rindenstroma, das wiederum aus Stromafibrozyten gebildet wird. Im Stroma der Rindensubstanz sind letztendlich die Eizellen (Oozyten) eingebettet, die schon vor (zum Teil auch nach) der Geburt durch mitotische Teilung aus den Oogonien entstanden sind. Der größte Anteil der Oozyten verfällt der Degeneration, sodass dieser Vorgang als Follikelatresie bezeichnet wird.

Die Oozyten sind außen von einer einschichten Lage epithelartiger Zellen umgeben. Beide Anteile, Eizelle und Epithelhülle, bilden zusammen den Primärfollikel (Folliculus ovaricus primarius). Die weiteren Schritte werden als Follikelreifung bezeichnet und sind streng hormonell geregelt.

7 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Breit, Sabine, Künzel, Wolfgang. Grundlagen der Reproduktion und Endokrinologie (weiblicher Geschlechtsapparat), WS 2016/17.
  • König, Horst Erich, Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014.
  • Salomon, Franz-Viktor, Geyer, Hans, Uwe Gille. Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, 2005.

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