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Vagina (Veterinärmedizin)

Synonyme: Scheide, Colpos
Englisch: vagina

1 Definition

Als Vagina bezeichnet man beim Haussäugetier den Abschnitt des weiblichen Begattungsorgans, der vom äußeren Muttermund (Ostium uteri externum) bis zum Scheideneingang (Ostium vaginae) reicht.

2 Embryologie

Die Vagina entsteht aus der Vereinigung des distalen Endes der beiden Müller'schen Gänge.

Da bei primitiven Säugetieren (Monotremen und Marsupialiern) die paarig angelegten Müller'schen Gänge nicht bzw. unvollständig miteinander verschmelzen, bleibt bei diesen Tieren eine sogenannte Vagina duplex bestehen.

3 Funktion

Die Vagina bildet - zusammen mit dem ihr anschließenden Vestibulum vaginae - das weibliche Begattungsorgan. Sie dient in erster Linie der Aufnahme des männlichen Gliedes während des Deckaktes sowie der Deponierung der Samenflüssigkeit bei den Wiederkäuern (Scheidenbesamung). Bei den restlichen Haussäugetieren erfolgt eine sogenannte Uterusbesamung, da hier das Ejakulat direkt in die Zervix oder gar in den Corpus uteri eingespritzt wird (Fleischfresser, Schwein und Pferd).

Die Scheide bildet gleichzeitig einen wichtigen Abschnitt des Geburtsweges.

4 Anatomie

Die Vagina schiebt sich als relativ dünnwandiger Kanal in der Beckenhöhle zwischen den dorsal gelegenen Mastdarm und die ventral von ihr befindliche Harnblase und Harnröhre ein.

In ihrer Gesamtausdehnung reicht sie kranial noch in den peritonealen Teil der Beckenhöhle hinein, weshalb sie in diesem Abschnitt von Bauchfell bedeckt ist. Ihr größter Teil hingegen ist in den retroperitonealen Raum eingefügt und trägt an der Außenseite eine Adventitia.

Die Länge der Vagina unterliegt großen tierartlichen Unterschieden, kann aber bei großen Haustieren (Pferd und Wiederkäuer) im Schnitt mit 20 cm angegeben werden. Bei kleinen Haustieren (Schwein und Hund) ist sie in etwa 10 cm, bei der Katze nur ca. 2 cm lang.

4.1 Morphologie

Der kraniale Abschnitt der Vagina wird als Scheidengewölbe (Fornix vaginae) bezeichnet. Dieser Teil umgreift die Portio vaginalis cervicis bzw. den äußeren Muttermund von allen Seiten.

Die Wand der Vagina besteht aus glatter Muskulatur, wobei ihr Lumen im Querschnitt spaltförmig (scheidenförmig) erscheint. Aufgrund der Form unterscheidet man eine Paries dorsalis (oberes Wandsegment) von einer Paries ventralis (unteres Wandsegment).

4.2 Hymen

Die Grenze zwischen Vagina und Vestibulum vaginae wird beim Menschen durch das gut entwickelte Jungfernhäutchen (Hymen) gekennzeichnet. Dieses befindet sich über der Einmündung der Harnröhre, ist hingegen beim Fohlen und juvenilen Schwein nur durch eine ringförmige Falte ersichtlich. Bei den restlichen Haussäugetieren ist das Hymen allenfalls nur durch kleine Querfältchen bzw. Spangen angedeutet.

4.3 Gefäßversorgung

Die Vagina wird - wie der gesamte weibliche Geschlechtstrakt - über ein querverbindendes Arteriennetz versorgt. Hierbei sind v.a. direkte sowie indirekte Abgänge der Aorta abdominalis verantwortlich, insbesondere die Arteria ovarica und Arteria pudenda interna mitsamt tierartlich verschiedenen Ästen. Der venöse Abfluss erfolgt über gleichnamige Venen.

5 Histologie

Die Innenfläche der Vagina ist von einer faltigen, leicht verschieblichen, drüsenlosen und kutanen Schleimhaut ausgekleidet. Das geschichtete Epithel unterliegt starken hormonellen Einflüssen, sodass dieses an die zyklusabhängigen Funktionszustände angepasst werden kann.

Im histologischen Schnitt können grundsätzlich folgende drei Schichten unterschieden werden:

6 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • König, Horst Erich, Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014.
  • Breit, Sabine, Künzel, Wolfgang. Grundlagen der Reproduktion und Endokrinologie (weiblicher Geschlechtsapparat), WS 2016/17.

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