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Kryptorchismus (Hund)

Synonyme: Hodendystopie, Hodenhochstand
Englisch: cryptorchism, testicular retention

1 Definition

Als Kryptorchismus bezeichnet man einen ein- oder beidseitigen Fehlstand des Hodens beim Hund. Betroffene Hunde werden als Kryptorchiden bezeichnet.

2 Epidemiologie

Die Häufigkeit des Kryptorchismus liegt je nach Literaturangabe zwischen 7 und 13 %, wobei kleinere Rassen (Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Chihuahua, Malteser u.ä.) deutlich häufiger betroffen sind als große Rassen. Deutsche Schäferhunde und Boxer scheinen ebenso prädisponiert zu sein.[1] Innerhalb dieser Rassen variiert jedoch die Häufigkeit zwischen verschiedenen Linien.

3 Physiologie

Während der Embryonalphase befinden sich die Hoden kaudal der Nieren. Im Laufe der Entwicklung schrumpft das zwischen Hoden und Skrotum befindliche Gubernaculum testis, sodass sich die Hoden durch die Leistenkanäle in das Skrotum verlagern. Dieser Descensus testis (Hodenabstieg) ist normalerweise 10 bis 14 Tage post partum abgeschlossen. Sind die Hoden etwa 8 Wochen nach der Geburt nicht im Skrotum palpierbar, spricht man von einem Kryptorchismus.

Da sich die Inguinalringe bei den meisten Rüden im Alter von 6 Monaten vollständig schließen, ist ein späterer Hodenabstieg i.d.R. nicht mehr möglich.[2]

4 Ätiologie

Da der Einsatz von kryptorchiden Rüden in der Zucht die Inzidenz erhöht, nimmt man eine hereditäre Genese an. Der Vererbungsmodus ist zwar noch nicht (2019) geklärt, empirisch wird jedoch ein autosomal-rezessiver Erbgang vermutet.

5 Klinik

Bei der Palpation der Skrotums ist entweder nur ein Hoden oder gar keiner palpierbar. Betroffene Hunde zeigen in der Regel keine Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens.

6 Komplikation

Kryptorchide Hoden sind ständig der Körpertemperatur ausgesetzt, sodass sie in Abhängigkeit von der genauen Lokalisation ein bis zu 14 mal größeres Risiko für maligne Entartungen aufweisen als deszendierte Hoden.[3]

In manchen Fällen entwickeln sich in den retinierten Hoden hormonell aktive Tumoren. Als besonders gefürchtet gelten östrogenproduzierende Hodentumoren (z.B. Sertoli-Zell-Tumoren oder Seminome). Der durch die Tumoren verursachte, konstant erhöhte Östrogenspiegel führt zu schwerwiegenden Komplikationen, z.B. zu einer eitrigen Prostatitis mit Zystenbildung, einer Perianaldrüsenhyperplasie und/oder einer Knochenmarksdepression.

Ein zusätzliches Risiko retinierter - insbesondere bereits tumorös entarteter - Hoden ist die Hodentorsion. Durch die akute Drehung der zu- und abführenden Blutgefäße kommt es zu Symptomen eines akuten Abdomens, die als Notfall angesehen werden müssen.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen eine echte Anorchie, Monorchie und Hodenhypoplasie berücksichtigt werden.

8 Diagnose

Das Fehlen eines oder beider Hoden ist in den meisten Fällen hinweisend für einen ein- oder beidseitigen Kryptorchismus. Durch eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung können hypoplastische Hoden ausgeschlossen werden.

9 Therapie

Retinierte Hoden sind chirurgisch zu entfernen. Bei inguinalen Kryptorchiden kann der Hoden nach dem Eröffnen der Haut über dem Schenkelspalt entfernt werden. Abdominal liegende Hoden sind entweder per Laparotomie oder endoskopiegestützt (Laparoskopie) zu entfernen.

Häufig können die retinierten Hoden nicht genau lokalisiert werden (inguinal oder abdominal), da die Durchmesser oft nur wenige Millimeter betragen. Bei fraglichen Kryptorchiden im Schenkelspalt kann mittels intraoperativer Ultraschalluntersuchung klar zwischen Fettpolster, Lymphknoten oder Hoden unterschieden werden.

10 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

11 Quellen

  1. Yates D. et al. Incidence of cryptorchidism in dogs and cats, Vet Rec. 2003 Apr 19;152(16):502-4, abgerufen am 26.10.2019
  2. Memon M, Tibary A. Canine and Feline Cryptorchidism, Department of Veterinary Clinical Sciences, College of Veterinary Medicine, Washington State University, USA, abgerufen am 26.10.2019
  3. Hayes HM Jr., Pendergrass TW. Canine testicular tumors: epidemiologic features of 410 dogs, Int J Cancer. 1976 Oct 15;18(4):482-7, abgerufen am 26.10.2019

Diese Seite wurde zuletzt am 5. November 2019 um 18:51 Uhr bearbeitet.

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