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Prostataabszess (Hund)

Englisch: prostate abscess

1 Definition

Als Prostataabszess bezeichnet man eine Eiteransammlung in der Prostata infolge einer akuten Prostatitis beim Hund.

2 Ätiologie

Aufgrund obstruktiver Erkrankungen der Urethra, bedingt durch unterschiedliche Auslöser (z.B. Urolithiasis, Neoplasien, benigner Prostatahyperplasie u.ä.), kommt es zu einem retrograden Aufstieg der in der distalen Harnröhre befindlichen Bakterien in die Prostata.

In 70 % der Fälle können im Abszessinhalt Escherichia coli nachgewiesen werden.

3 Pathogenese

Durch die Infektion der normalerweise sterilen Prostata über infizierten Harn oder Sperma entwickelt sich eine klinisch manifeste Prostatitis. Je nach Erreger und Verlaufsform kommt es zur Ausbildung multipler Abszesse in der Prostata, die unterschiedliche Größen annehmen können.

4 Klinik

Prostataabszesse treten meist gleichzeitig mit einer akuten Prostatitis auf, sodass ähnliche Symptome vorhanden sind. Betroffene Tiere leiden an Fieber, Apathie, Strangurie und Tenesmus.

Rupturieren zentral gelegene Abszesse, kommt es zum Abgang von blutig-purulentem Sekret aus der Urethra. Eine Ruptur von peripher gelegenen Abszessen in die Bauchhöhle führt zu einer lokalisierten oder generalisierten Peritonitis. Dementsprechend entwickeln diese Tiere das klinische Bild eines akuten Abdomens: Apathie, Erbrechen, septischer Schock u.ä.

Bei der rektalen Palpation ist die Prostata meist unregelmäßig vergrößert, je nach Lokalisation mit großen Abszessen übersät und somit als fluktuierendes Gebilde tastbar. Kleine Abszesse hingegen lassen sich palpatorisch nicht erfassen und werden daher oft übersehen.

Bei der Ultraschalluntersuchung zeigen sich die Abszesshöhlen als hyperechogene Zonen, die mit trübem Inhalt gefüllt sind.

5 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen verschiedene hyperplastische Erkrankungen der Prostata ausgeschlossen werden:

6 Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Allgemeinsymptome, des Palpationsbefundes und der gezielten Punktion (unter Ultraschallkontrolle) mit Untersuchung der aspirierten Flüssigkeit gestellt. Anhand der makroskopischen und zytologischen Untersuchung des Aspirats können die Abszesse mit Sicherheit von Zysten einer benigen Prostatahyperplasie unterschieden werden.

7 Therapie

Prostataabszesse müssen chirurgisch behandelt oder unter Ultraschallkontrolle aspiriert werden. In der Literatur sind verschiedene Operationstechniken beschrieben, wovon sich v.a. die Omentalisierung, die Aspiration oder die Drainage etabliert haben. Bei jeder Methode ist jedoch mit Komplikationen wie Sepsis, Fistelbildungen, aszendierenden Infektionen entlang des Drains, rezidivierender Abszessbildung und Harnwegsinfektionen zu rechnen.

Entscheidend für den unmittelbaren Erfolge der Therapie ist die intensive postoperative Betreuung.

8 Prognose

Prostataabszesse sind mit einer hohen Rezidiv- und Komplikationsrate assoziiert. Im Verlauf kommt es häufig zu urethrokutaner Fistelbildung oder Harninkontinenz auf. Bei rupturierten Abszessen ist die Prognose eher ungünstig.

9 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

Diese Seite wurde zuletzt am 11. November 2019 um 15:57 Uhr bearbeitet.

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