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Paranoide Schizophrenie

Englisch: paranoid schizophrenia

1 Definition

Bei der paranoiden Schizophrenie handelt es sich um die häufigste und bekannteste Erkrankung aus dem Formkreis der Schizophrenien. Im Mittelpunkt stehen hier Wahnvorstellungen, Störungen des Ich-Bewusstseins und Halluzinationen. Akustische Halluzinationen kommen in über 80% der Krankheitsfälle vor. Die Patienten hören meist nicht vorhandene Stimmen und halten diese für real.

2 Epidemiologie

In Deutschland liegt die Jahresinzidenz der Schizophrenie bei etwa 0,02%. Pro 100.000 Einwohner werden also rund 20 Neuerkrankungen diagnostiziert. Auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands gerechnet, ergibt das eine Zahl von etwa 15.600 neu diagnostizierten Schizophrenieerkrankungen pro Jahr. Die Lebenszeitprävalenz, also das Risiko, mindestens einmal im Leben an Schizophrenie zu erkranken, liegt in der Altersgruppe der 15- bis 60-Jährigen bei durchschnittlich 1%. Das bedeutet, dass etwa eine von hundert Personen irgendwann in ihrem Leben an einer schizophrenen Episode erkrankt.[1] Etwa 10% der Erkrankten begehen einen Suizid.[1]

3 Ursachen

Die genauen Ursachen der paranoiden Schizophrenie sind unbekannt. Die Erkrankung hat eine multikausale Pathogenese, bei der u.a. genetische, biochemische, psychosoziale und somatische Faktoren eine Rolle spielen.

siehe Hauptartikel: Schizophrenie

4 Warnzeichen

Frühes Warnzeichen einer paranoiden Schizophrenie ist die allgemeine Wahnstimmung als bedrohlich erlebte Vorahnung. Sie ist sozusagen die "Vorstufe" eines spezifizierten Wahns. Der Patient hat das allgemeine Gefühl, dass alles seltsam bedrohlich verändert ist bzw. "etwas in der Luft liegt". Es ist jedoch noch keine konkrete Überzeugung vorhanden, warum diese Bedrohlichkeit existiert oder wer daran Schuld ist.

5 Symptome

Bei der paranoiden Schizophrenie kommen Positivsymptome weit häufiger vor als Negativsymptome. Weiterhin ist auffallend, dass die Positivsymptome meist sehr plötzlich auftreten, während der Patient kurz vorher noch vollkommen unauffällig war. Eine rasch eintretende Symptomatik wirkt sich häufig günstig auf die Heilungsprognose aus.

Die klassischen drei Symptome der paranoiden Schizophrenie sind Ich-Störungen, Wahn und Halluzinationen. Diese drei Hauptsymptome umfassen viele Unterkategorien von Symptomen, welche in Positiv-und Negativsymptome unterteilt werden können, aber auch in die Kategorien inhaltliche und formale Denkstörungen.

5.1 Ich-Störungen

Ich-Störungen beinhalten Abgrenzungsprobleme zwischen dem Ich-Erleben und der Umwelt. Hierzu zählen u.a. Gedankeneingebung, Gedankenlautwerden, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Derealisation und Depersonalisation.

5.2 Wahn

Der Wahn führt zu einer unabänderlichen, sehr starken Überzeugung des Patienten, z.B. verfolgt oder überwacht zu werden und dass alles irgendwie - meist mit Paranoia begleitet - in einem engen Zusammenhang mit ihm steht. Ein rauchender Kamin kann zum Beispiel folgendermaßen (aus der Sicht des Patienten) wahnhaft verarbeitet werden:

Der Kamin raucht, da dort die Leichen verbrannt werden, die die CIA bereits verhaftet und anschließend umgebracht hat. Das Haus ist zwar getarnt, wie ein Mehrfamilienhaus mit Kamin, aber in Wirklichkeit ist es ein geheimes Haus der CIA und ich werde auch schon die ganze Zeit von der CIA verfolgt, da ich geheimes Wissen habe, welches per Computer-Chip in mein Gehirn implantiert wurde. Ich muss aufpassen, dass mich die CIA nicht fasst, sonst werde ich ebenfalls umgebracht und verbrannt. Abgehört hat mich die CIA bereits, aber sie darf mich nicht fassen.

Es gelingt in dieser Phase nicht, den Patienten von der Irrationalität seiner Gedanken zu überzeugen.

5.3 Halluzinationen

Bei über 80% aller an paranoider Schizophrenie Erkrankten treten akustische Halluzinationen auf. Der Erkrankte hört Stimmen, die ihm z.B. Befehle geben oder ihn demütigen und beleidigen. Weiterhin können optische, olfaktorische, taktile und thermische Halluzinationen auftreten.

5.4 Positivsymptome

5.5 Negativsymptome

6 Diagnose

Die Diagnostik richtet sich neben der psychiatrischen Untersuchung vor allem auf den Ausschluss von Hirntumoren, Stoffwechselerkrankungen oder anderen somatischen Ursachen. Sie umfasst u.a.:

7 Therapie

7.1 Therapiedauer

  • Nach dem ersten Krankheitsschub wird eine mindestens 5-jährige, kontinuierliche Therapie mit hochpotenten Neuroleptika empfohlen.
  • Nach einem zweiten schizophrenen Schub, wird eine kontinuierliche Einnahmezeit von mindestens weiteren 10 Jahren empfohlen.
  • Sind bereits drei Krankheitsschübe erfolgt, wird meist eine lebenslange Neuroleptikaeinnahme befürwortet, da es andernfalls zu einer Chronifizierung kommen kann.

8 Prognose

Eine rasch eintretende Symptomatik ist ein Hinweis aus eine günstige Heilungsprognose. Je länger eine Neuroleptika-Einnahme erfolgt, desto geringer ist das Risiko für einen erneuten schizophrenen Krankheitsschub.

9 Quellen

  1. 1,0 1,1 Schizophrenie Heft 50 Robert-Koch-Institut, Statistisches Bundesamt

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