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Formale Denkstörung

1 Definition

Formale Denkstörungen sind Störungen des Denkablaufes. Sie stehen im Gegensatz zu den inhaltlichen Denkstörungen, bei denen ein irreales Abweichen des Denkinhalts vorliegt, d.h. Fehlinterpretationen realer Sinneseindrücke vorhanden sind.

2 Hintergrund

Formale Denkstörungen zeigen sich meist in der Sprache, hier können Kohärenz, Stringenz oder Geschwindigkeit verändert sein. Oftmals zeigen sich formale Denkstörungen im Verlauf langer Gespräche oder bei emotionaler Belastung deutlicher.

3 Vorkommen

Formale Denkstörungen können in unterschiedlicher Weise bei Depressionen, Manien, Schizophrenie, Zwangsstörungen, Demenz, aber auch beim Konsum psychoaktiver Substanzen vorkommen.

4 Formen

  • Denkhemmung: Verlangsamter Denkablauf, der Patient fühlt sich blockiert und gebremst. Die Worte kommen ihm nur noch langsam von den Lippen. Die Denkhemmung kann trotz deutlicher Bemühung des Patienten nicht willentlich aufgehoben werden.
  • Denkverlangsamung: Das Denken scheint verlangsamt und schleppend. Das zeigt sich durch einen trägen oder "zähflüssigen" Gesprächsverlauf.
  • Eingeengtes Denken: Begrenzung des inhaltlichen Denkumfangs. Die Gedanken reduzieren sich maßgeblich auf einen bestimmten Inhalt. Ein Themenwechsel fällt dem Betroffenen schwer - trotz Angeboten des Interviewers, er haftet an "seinen" Themen. Hierbei kann es sich aber auch beim Gesunden um ein wichtiges Ereignis wie das Staatsexamen handeln.
  • Grübeln: Beim Grübeln kreisen die Gedanken immer wieder um die gleichen, vorwiegend unangenehmen Themen, ohne dabei eine Lösung zu finden.
  • Umständliches Denken: Wichtiges und Unwesentliches können nicht getrennt werden. Der Betroffene berichtet weitschweifig und verliert bei den vielen Details das Hauptthema aus den Augen.
  • Perseveration: Wiederholung gleicher Denkinhalte und Haftenbleiben an vorherigen Worten oder Angaben. Man zeigt dem Patienten z.B. einen Gegenstand, den er korrekt benennt, danach werden alle anderen Gegenstände ebenso bezeichnet.
  • Ideenflucht: Außerordentlich ideenreicher und sprunghafter Gedankengang, bei dem das Denken von Assoziationen unterbrochen bzw. weitergeführt wird. Der Betroffene kommt im Gespräch "vom Hundertste ins Tausendste" und wechselt ständig die Themen. Eine stringentes Gespräch ist unmöglich.
  • Gedankendrängen: Multiple Gedanken drängen auf den Patienten ein, der Inhalt kann sinnhaft oder -los sein. DIe Gedanken können sich überstürzen oder "wie automatisch" ablaufen. Das Denken kann, aber muss nicht, beschleunigt sein.
  • Sperrung des Denkens bzw. Gedankenabreißen: Es kommt ohne nachvollziehbare Gründe zu einer Sperrung des Denkens bei ansonsten flüssigem Gedankengang.
  • inkohärentes bzw. zerfahrenes Denken: Hierbei handelt es sich um einen sprunghaften, unzusammenhängenden Gedankengang. Die Inkohärenz kann dabei als die leichte Form betrachtet werden, die schwere Form ist die Zerfahrenheit.
  • Neologismen: Wortneuschöpfungen, bei denen Worte komplett neu erfunden werden, so dass der Betroffene mitunter eine künstliche Sprache spricht. Es werden aber auch ähnliche oder gegensätzliche Begriffe zu einem neuen Wort kombiniert, was als Kontamination bezeichnet wird. Aber auch in der Alltagssprache, insbesondere Jugendsprache, findet man Neologismen, die keinen "Krankheitswert" haben wie z.B. Abmahnwelle, Flexitarier oder Alkopop.
  • Vorbeireden: Der Patient antwortet nicht adäquat auf eine Frage, sondern redet inhaltlich daran vorbei. Dies geschieht, obgleich ersichtlich ist, dass der Patient die Frage verstanden hat und die Antwort auch nicht vorenthalten will.

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Fachgebiete: Psychiatrie, Psychologie

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