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Magen (Veterinärmedizin)

Synonyme: Gaster, Ventriculus
Englisch: stomach

1 Definition

Der Magen der Haussäugetiere ist ein erweiterter Abschnitt des Darmrohrs und erfüllt die ersten Schritte der Verdauung, die tierartlich unterschiedlich ausfällt.

2 Allgemein

Der Magen speichert vorübergehend das über den Oesophagus zugeführte Futter und arbeitet es mechanisch und chemisch auf. Aufgrund seiner Motilität sorgt er dafür, dass der Mageninhalt schubweise in den Zwölffingerdarm gelangt.

3 Einteilung

Sowohl die äußere Gestalt als auch der Wandbau des Magens weisen große tierartliche Unterschiede auf. Welche Form der Magen letztendlich einnimmt, entscheidet vor allem die Art der Ernährung der jeweiligen Spezies.

3.1 ..nach Art der Ernährung

3.2 ...nach Magenarchitektur

Da sich bei einigen Tieren mehrere Vormagenabteilungen ausbilden, andere wiederum nur einen einheitlichen Magen besitzen, unterscheidet man zwischen:

3.3 ...nach Schleimhautauskleidung

Neben der Magenarchitektur, besitzen die Tiere untereinander eine unterschiedliche Auskleidung der inneren Oberfläche des Magens. Hier wird v.a. die Schleimhautausstattung betrachtet, woraus sich folgende Unterteilungen ergeben:

4 Anatomie

Am Magen können folgende morphologische Strukturen unterschieden werden:

  • Facies parietalis: ventrokranial gerichtet und liegt dem Zwerchfell und der Leber an
  • Facies visceralis: kaudodorsal gerichtet und ist dem Darmkonvolut zugewandt
  • Curvatura ventriculi major: konvexe, große Magenkrümmung die nach links und kaudoventral gerichtet ist, besitzt eine Anheftungsstelle der Paries superficialis des Omentum majus
  • Curvatura ventriculi minor: kleine Magenkrümmung, zeigt nach rechts und kraniodorsal und dient als Ansatz des Omentum minus, besitzt an der Innenseite die Magenstraße (Sulcus ventriculi) vom Ostium cardiacum bis zum Pylorus
  • Incisura angularis: tiefer Einschnitt an der Curvatura ventriculi minor
  • Magenknie: tiefste Stelle an der Curvatura ventriculi minor, liegt der Incisura angularis gegenüber
  • Pars cardiaca: Region um die Oesophaguseinmündung durch das Ostium cardiacum
  • Corpus ventriculi: Hauptteil des Magens, liegt hauptsächlich links der Medianebene
  • Fundus ventricul: Ausstülpung des Corpus ventriculi links der Kardia, enthält in der Regel eine Gasblase
  • Incisura cardiaca: Einkerbung am Übergang zwischen Oesophagus und Fundus ventriculi
  • Pars pylorica: rechte Erweiterung am Corpus ventriculi ab der Incisura angularis
    • Antrum pyloricum: weitlumiger Erstabschnitt der Pars pylorica
    • Canalis pyloricus: enger, abschließender Teil der Pars pylorica
    • Pylorus: mit Ostium pyloricum, enthält den Musculus sphincter pylori

4.1 Gefäßversorgung

Die Gefäßversorgung des Magens erfolgt grundsätzlich aus den Stammgefäßen, sie kann jedoch tierartlich variieren.

4.1.1 Arterien

In den meisten Fällen entstammen die einzelnen Gefäße aus der Arteria coeliaca, wobei sie jedoch für jede Tierart einzeln betrachtet werden sollten.

4.1.2 Venen

Die Venen verlaufen gleich den Arterien und tragen dementsprechend die selben Namen. Sie fließen großteils in die Vena portae ab. Auch hier gilt die tierartliche Variabilität zu beachten.

4.1.3 Lymphe

Die dem Magen entstammenden Lymphgefäße leiten die angesammelte Lymphe aus einem mukösen und submukösen Gefäßplexus, die tierartlich in unterschiedliche Lymphknoten abfließen. Da sich v.a. der Wiederkäuermagen von den den übrigen Haussäugetiermägen unterscheidet, gelten hier andere Verhältnisse.

4.2 Innervation

Der Magen wird sowohl sympathisch als auch parasympathisch innerviert.

4.2.1 Sympathikus

Die sympathischen Nervenfasern entstammen dem Plexus coeliacus und gleichen im Verlauf den Blutgefäßen des Magens. Die Perikaryen der präganglionären Fasern entspringen dem Cornu laterale der Brustsegmente des Rückenmarks, wobei die Fasern ohne Unterbrechung die Grenzstrangganglion durchziehen, sodass sie letztendlich über die Nervi splanchnici den Plexus coeliacus erreichen. Die Umschaltung zwischen prä- und postganglionäre Fasern erfolgt im Ganglion coeliacum, das nahe des Plexus aufzufinden ist. Efferenzen führen zur Hemmung peristolischer und peristaltischer Bewegung und gleichzeitiger Gefäßverengung. Afferenzen die über die Perikaryen in den Spinalganglien der Brustsegmente verlaufen, sind v.a. für die Schmerzempfindung verantwortlich.

4.2.2 Parasympathikus

Parasympathische Fasern für den Magen entstammen aus den beiden Trunci nervi vagi. Auch hier verlaufen die Fasern gemeinsam mit den Blutgefäßen zum Magen. Gleich dem Symphatikus besitzt auch der Parasympathikus viszeroefferente und viszeroafferente Fasern. Hierbei laufen die viszeroefferenten Nervenfasern an die intramuralen Plexus, wo sie zur Innervation der glatten Muskelzellen und Drüsen umgeschaltet werden, sodass sie zu einer Anregung der Magenbewegung und der Sekretion des Magensaftes sowie Verstärkung der Durchblutung der Magenwand dienen. Die viszeroafferenten Nervenfasern leiten im Allgemeinen Sensationen, wie z.B. das Völlegefühl.

5 Topographie

Die Lage des Magens ist von vielen Faktoren abhängig. Hierbei führen Füllungszustand und Tierart zu unterschiedlichen topographischen Verhältnisse. Eine detaillierte Beschreibung der Magenlage sollte daher tierspezifisch nachgelesen werden.

6 Histologie

Die Magenwand kann im Allgemeinen mit dem Wandaufbau des Rumpfdarmes verglichen werden. Folgende Schichten sind von innen nach außen vorhanden:

Da Fleischfresser einen einfachen Magen besitzen, ist dieser vollständig mit Drüsenschleimhaut (Pars glandularis) ausgekleidet, sodass keine Pars nonglandularis auffindbar ist.

6.1 Oberflächenarchitektur

Die Drüsenschleimhaut weist hohe Schleimhautfalten, Plicae gastricae, auf. Sie orientieren sich in Längsrichtung des Magens, wobei in diese Magenfalten die Lamina muscularis mucosae und die Tela submucosa einbezogen sind. Betrachtet man die Innenfläche genauer, so kann man eine beetartige Felderung der Schleimhaut erkennen, die als Areae gastricae bezeichnet werden. Diese Felder weisen einen Durchmesser von 1-5 mm auf und sind von den anderen durch sogenannte Sulci gastrici abgegrenzt. Die Areae gastricae bilden Felder, auf denen die Foveolae gastricae münden. Am Grund dieser Grübchen verlaufen die schlauchförmigen Drüsen in die Lamina propria mucosae.

Das Mukosaepithel (Epithelium mucosae) ist als einschichtig hochprismatisches Epithel ausgebildet. Hier sind die Zellen über tight junctions und Nexus fest miteinander verbunden, wobei die apikale Hälfte der Epithelzellen zahlreiche muzinhaltige Schleimgranula enthält. Mittels Exozytose dieser Granula entsteht ein Schleimfilm in tiefer Lage, der eine Schutzschicht der Magenschleimhaut gegen den stark sauren Magensaft und die proteolytischen Enzyme der Fundusdrüsen ist. Die darauf folgende oberflächliche Schleimschicht hat eine eher dünnflüssige Konsistenz. Diese Lage wird von den Neben- und Isthmuszellen der Fundusdrüsen gebildet. Gleichzeitig sezernieren die Epithelzellen Bikarbonationen, die dafür sorgen, dass die Epitheloberfläche einen annähernd pH-neutralen Wert aufweist.

6.2 Drüsenarten

In der Lamina propria mucosae sind die Magendrüsen enthalten. Diese verlaufen vom Grund der Foveolae gastricae bis in die Tiefe. Es handelt sich hierbei um tubuläre Drüsen, die je nach Magenregion unterschiedlich gebaut sind. Im Magen kann man folgende drei Drüsen unterscheiden:

  • Kardiadrüsen (Glandulae cardiacae): meist verzweigte und stark geknäuelte tubuläre Drüsen mit apullären Endabschnitten, die ein alkalisches, schleimiges Sekret mit Lysozym produzieren
  • Eigen-, Fundus- oder Hauptdrüsen (Glandulae gastricae propriae): mäßig verzweigte tubuläre Drüsen, die sich bis zur Muscularis mucosae erstrecken und Schleim, Pepsinogen und Salzsäure produzieren, wobei am Drüsenschlauch drei Abschnitte unterteilt werden (Isthmus mit Isthmuszellen, Cervix mit Nebenzellen und Belegzellen und Pars principalis mit Hauptzellen)
  • Pylorusdrüsen (Glandulae pyloricae): den Kardiadrüsen ähnlich und somit stark verästelte tubuläre Drüsen, tief eingesenkt in die Schleimhaut, wobei sie einen alkalischen Schleim produzieren und beim Hund zusätzlich noch geringe Mengen an Pepsinogen

Die genaue Verteilung der einzelnen Drüsen ist tierartlich unterschiedlich und sollte daher bei den jeweiligen Tieren betrachtet werden. Gleichzeitig sollten Informationen zu den einen Zellarten und ihre genaue physiologische Funktion in Histologie- und Physiologielehrbüchern entnommen werden.

6.3 Muskelschicht

Die Tunica muscularis des Magens weist einen komplexen Aufbau auf und bedarf daher einer genaueren Betrachtung. Aufgrund der entwicklungsbedingten Ausbuchtung der ursprünglichen schlauchförmigen Magenanlage, die letztendlich zur Ausbildung von Fundus und Corpus führt, sind die anatomischen Gegebenheiten für die Abweichung vom allgemeinen Anordnungsprinzip der Tunica muscularis im häutig-muskulösen Schlauch verantwortlich. Folglich besteht die Tunica muscularis des Magens aus drei Muskelschichten, die alle zur glatten Muskulatur gezählt werden. Von außen nach innen liegen folgende Schichten vor:

  • Längsmuskelschicht (Stratum longitudinale): inkomplette, außenliegende Schichte, die als direkte Fortsetzung der Längsmuskelschicht des Oesophagus gilt und an den Magenkurvaturen besonders kräftig ausgebildet ist, wobei ihre Fasern im Bereich von Fundus und Corpus schräg über die parietale und viszerale Fläche verlaufen und daher als Fibrae obliquae externae benannt werden
  • Ringmuskelschicht (Stratum circulare): stellt die mittlere Lage dar, wobei im Magenfundusbereich keine ringsverlaufende Muskelfasern vorhanden sind, jedoch im Magenausgangsbereich die Fasern zu einem Schließmuskel (M. sphincter pylori) verstärkt vorliegen
  • Fibrae obliquae internae: schräg verlaufende, innere Schicht der Tunica muscularis. Sie strahlt von der Incisura cardiacae fächerförmig auf Fundus und Corpus ventriculi, wobei sie am Scheitel des Fundus kreisförmig verläuft und entlang der Curvatura ventriculi minor schräg und am stärksten ausgebildet vorliegt. Dort umfasst sie in Form zweier lippenförmiger Wülste als Kardiamuskelschleife (Ansa cardiaca) von dorsal das Ostium cardiacum.

Die entlang der kleinen Kurvatur verlaufende Magenrinne (Sulcus ventriculi) wird von den Lippenwülsten begrenzt, wobei die Ansa cardiaca und das Stratum circulare gemeinsam um das Ostium cardiacum einen Musculus sphincter cardiae formen.

7 Magenmotilität

Füllt sich der Magen, führt dies zu einer leichten Längsdehnung und gleichzeitigen Erweiterung des Querschnittlumens. Bei dieser Erweiterung passen sich die Fasern der Ringmuskelschicht und die innerste Muskularisschicht (Fibrae obliquae internae) in ihrer Länge dem entsprechenden Füllungszustand des Magens an. Man nennt diese tonische Umschließung des Mageninhalts auch Peristole. Je höher der vorliegende Tonus der Muskelfasern ist, desto früher kontrahieren die querverlaufenden Fasern auf den Dehnungsreiz. Bei geringem Tonus ist die Dehnungsreizschwelle deshalb hoch und der Magen erweitert sich bei Füllung stark. Dabei erfolgt die Kontraktion verzögert oder gar nicht.

Die eben beschriebene peristolische Bewegung beschränkt sich nur auf den mit Fibrae obliquae inernae bestückten Bereich der Magenwand und somit nur auf Fundus und Corpus ventriculi. Dementsprechend ergibt sich die funktionelle Bezeichnung "Verdauungssack". Die Fibrae obliquae beginnen ihre Kontraktionen an den distal gelegenen Faserzügen in Höhe des Magenknies, worauf in Abständen von 15-30 Sekunden weiter proximal gelegene Einschnürungen den Mageninhalt kneten.

Die Magenentleerung erfolgt durch peristaltische Bewegungen der Ringsmuskelschicht. Diese Schicht bildet tief einschneidende Ringe, die pyloruswärts wandern und den Mageninhalt vor sich herschieben. Diese peristaltischen Bewegungen sind jedoch auf den distalen Abschnitt des Magens beschränkt, weshalb dieser funktionell auch als "Austreibungskanal" betitelt wird. Damit eine solche Peristaltik stattfinden kann, müssen vom enterischen Nervensystem erregende und hemmende Impulse auf die glatte Muskulatur einwirken (Peristaltikreflex).

Der Musculus sphincter pylori unterliegt ebenso einer reflektorischen Steuerung, sodass er nach der Passage einer Portion Speisebrei aus dem Magen in das Duodenum solange fest verschlossen bleibt, bis der im Zwölffingerdarm angekommene, saure Mageninhalt neutralisiert wurde. Folglich bleibt der Pylorus auch bei praller Duodenumfüllung verschlossen.

Der Verschluss der Kardia ist im Gegensatz zum Pylorus weniger konstant. Hier kann saurer Mageninhalt über das Ostium cardiacum in den Oesophagus übertreten. Zum Erbrechen kommt es dann, wenn das Zwerchfell und die Bauchmuskulatur kontrahiert und gleichzeitig die Pars pylorica ebenso einer Kontraktion nachgeht.

8 Klinik

Die Magenschleimhaut kann durch das Einwirken verschiedener Stoffe zerstört werden. Folgen solcher konzentrierten Einwirkungen sind lokale Erosionen des Schleimhautepitels, die als erosive Gastritis bezeichnet werden. Werden die Noxen beseitigt, kommt es zu einer raschen Regeneration der Schleimhaut. Diese spontante Reperatur des Epithels erfolgt durch spezielle Epithelzellen, die aus den Foveolae gastricae stammen. Diese sind in der Lage, sich amöboid über die Erosionsfläche hinweg zu bewegen und diese dabei innerhalb von etwa einer Stunde zu verschließen. Hinzu kommt, dass sich das Oberflächenepithel ohnehin kontinuierlich abstoßt. Dabei wird die abgestoßene Schicht im Verlaufe von 3-6 Tagen aus pluripotenten Stammzellen aus dem Isthmusbereich der Magendrüsen nachbesetzt.

Liegt eine Hypotonie der Muskularis des Magens vor, so führt dies in den meisten Fällen zu einer chronischen Magendilatation.

Liegt eine Hypertrophie der Pylorusmuskulatur vor, kann ein Pylorusspasmus die Folge sein. Dies führt zu einer Einengung der Pylorusöffnung, die als Pylorusstenose bezeichnet wird. Diese Form der Stenose kann angeboren (v.a. bei Boxerhunden und Siamkatzen) oder erworben sein. Verenungen in der Pylorusgegend führen zum Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme. Greift eine konservative Therapie nicht, kann eine Pylorusstenose durch Längsspaltung der Ringmuskulatur operativ beseitigt werden.

9 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.

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