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Colon (Pferd)

Synonym: Grimmdarm, Kolon
Englisch: colon

1 Definition

Das Colon des Pferdes ist der längste Abschnitt des Dickdarms und hebt sich in der Morphologie deutlich von den restlichen Haussäugetieren ab.

2 Allgemein

Ähnlich der Humananatomie, wird auch das Colon der Haussäuger in drei Abschnitte gegliedert:

  • Colon ascendens
  • Colon transversum
  • Colon descendens

Der erste Abschnitt trägt seinen Namen aufgrund des aufsteigenden Verlaufs, weshalb er als Colon ascendens betitelt wird. Er zieht rechts in der Bauchhöhle nach kranial und findet seinen Ursprung am Caecum. Nach einer Abbiegung verläuft das Colon aufgrund seines schräg verlaufenden Abschnittes vor der Arteria mesenteria cranialis als Colon transversum von der rechten zur linken Bauchhöhle. Im Anschluss biegt das Colon erneut ab und nimmt als absteigender Teil die Bezeichnung Colon descendens ein, sodass dieser Abschnitt in Richtung Beckenhöhle verläuft.

Diese einfachen Lagebeziehungen sind vor allem beim Fleischfresser aufzufinden, wobei die übrigen Haussäugetiere deutliche Unterschiede in der Ausprägung der einzelnen Kolonabschnitte aufweisen. Hierbei ist das Colon ascendens am meisten betroffen und kann aufgrund seiner Form den unterschiedlichen Tierarten eindeutig zugeteilt werden.

3 Anatomie

Die einzelnen Kolonabschnitte bedürfen aufgrund ihrer besonderen Ausprägung beim Pferd genauere Betrachtung.

3.1 Colon ascendens

Beim Pferd findet man ein mächtig ausgebildetes Colon ascendens. Es weist ein Fassungsvermögen von bis zu 100 Liter auf und wird aufgrund seiner Größe auch als großes Kolon (Colon crassum) bezeichnet. Das bis zu 4 Meter lange Colon ascendens befindet sich in der Bauchhöhle und verschafft sich Platz, indem es sich zu zwei hufeisenförmigen Schleifen übereinander legt. Dabei weisen die Hufeisenscheitel nach kranial und schließen in der Mitte das Caecum ein. Beide linken Schenkel sind durch eine aufsteigende Schleife (Flexura pelvina) miteinander verbunden, sodass sich folgende Verhältnisse am Colon ascendens des Pferdes ergeben:

  • rechte ventrale Längslage: Colon ventrale dextrum
  • Brustbeinkrümmung: Flexura sternalis (s. diaphragmatica ventralis)
  • linke ventrale Längslage: Colon ventrale sinistrum
  • Beckenflexur: Flexura pelvina
  • linke dorsale Längslage: Colon dorsale sinistrum
  • Zwerchfellkrümmung: Flexura diaphragmatica (s. diaphragmatica dorsalis)
  • rechte dorsale Längslage: Colon dorsale dextrum

3.1.1 Abschnitte

Die rechte ventrale Längslage findet seinen Ursprung am Ostium caecocolicum und somit am Caecum. Hier beginnt das Kolon mit einem kurz verlaufenden engen Stück, wobei eine blasenförmige Erweiterung folgt, die Platz in der kleinen Kurvatur des Blinddarmkopfes (Basis caeci) findet. An die Erweiterung folgt eine erneute Engstelle, die als Collum coli bezeichnet wird, woran der eigentliche Hauptabschnitt des Colon ventrale dextrum anschließt. Hier beträgt der Durchmesser in etwa 20 Zentimeter. Diese Kolonlängslage weist eine Taenia libera lateralis auf, die eine Verbindungsstelle mit dem Blinddarm darstellt. Die rechte ventrale Kolonlängslage verläuft auf der kleinen Kurvatur des Corpus caeci nach kranial und grenzt dabei lateral an die Bauchwand. Das Kolon biegt in der Regio xiphoidea, kaudal der Cartilago xiphoidea auf die linke Körperhälfte um und umrahmt während ihres Verlaufs die Spitze des Blinddarms (Apex caeci) von kranial.

Im Anschluss an die Flexura sternalis (s. diaphragmatica ventralis) verläuft das Kolon als Colon ventrale sinistrum auf der ventralen Bauchwand nach kaudal verlaufend. Es liegt dabei der seitlichen Bauchwand an und weist einen ähnlichen Durchmesser wie die rechte ventrale Längslage auf (ca. 20 cm).

Das Colon ventrale sinistrum biegt vor dem Beckeneingang als Beckenflexur (Flexura pelvina) um 180° nach dorsal um und zieht anschließend wieder kranial. Ab diesem Verlaufsstück bezeichnet man das Kolon als Colon dorsale sinistrum. Da die Beckenflexur keine zusätzliche Fixierung durch ein Gekröse erfährt, ist ihre Lage inkonstant.

Die linke dorsale Längslage nimmt ihren Verlauf unterhalb der Jejunumschlingen und dem Colon descendens. Dabei liegt sie auf der linken ventralen Längslage und zieht nach kranial in Richtung Regio xiphoidea. Während ihres Verlaufs durch den intrathorakalen Bauchraum berührt sie die Leber, den Magen und das Diaphragma. Anfangs weist das Colon dorsale sinistrum einen engen Querschnitt auf, nimmt jedoch kontinuierlich zu.

Die Flexura diaphragmatica (sive diaphragmatica dorsalis) bildet die Umbiegestelle zwischen der linken dorsalen Längslange und der rechten dorsalen Längslage. Das Colon dorsale dextrum stellt dabei den letzte Abschnitt des Colon ascendens dar. Es läuft an der Facies visceralis des rechten Leberlappens entlang und endet auf Höhe des kranialen Rand der Basis caeci. Der letzte Teil des Colon ascendens stellt sowohl den kürzesten als auch den lumenstärksten (ca. 30 cm) Abschnitt dar, weshalb er auch als "magenähnliche Erweiterung" oder Ampulla coli bezeichnet wird.

3.1.2 Mesocolon ascendens

Das Gekröse des Colon ascendens wird folglich als Mesocolon ascendens bezeichnet und findet seinen Ursprung an der Radix mesenterii, wobei es an den einander zugekehrten Flächen der dorsalen und ventralen Lagen anheftet. Eine solche Anheftung findet man zwischen Anfangs- und Endabschnitt des Colon ascendens und setzt sich bis zur Flexura pelvina fort. Hier bildet das Gekröse einen schmalen Streifen, der auch als Ligamentum intercolicum bezeichnet wird. Der Anfangs- und Endabschnitt des Colon ascendens findet noch zusätzliche Befestigungen, in dem sie mit dem Blinddarmkopf bzw. dem Colon transversum verbunden sind. Beide Strukturen sind in einem retroperitonealen Verklebungsbezirk mit dem Bauchhöhlendach einbezogen und dementsprechend gut lagestabilisiert. Aufgrund dieser Verhältnisse geht hervor, dass nur die rechten Längslagen an der Gekrösewurzel verankert sind, wobei die linken Längslagen inkl. Beckenflexur frei beweglich sind.

3.1.3 Tänien

Man kann an den einzelnen Abschnitten des Colon ascendens unterschiedlich viele Tänien unterscheiden:

Abschnitt: Lage: Tänien:
Colon ventrale dextrum dorsolateral
dorsomedial
ventrolateral
ventromedial
Taenia mesocolica lateralis
Taenia mesocolica medialis
Taenia libera lateralis
Taenia libera medialis
Colon ventrale sinistrum dorsolateral
dorsomedial
ventrolateral
ventromedial
Taenia mesocolica lateralis
Taenia mesocolica medialis
Taenia libera lateralis
Taenia libera medialis
Flexura pelvina dorsal Taenia mesocolica
Colon dorsale sinistrum dorsal Taenia mesocolica
Flexura diaphragmatica dorsal Taenia mesocolica
Colon dorsale dextrum dorsal
ventrolateral
ventromedial
Taenia mesocolica
Taenia libera lateralis
Taenia libera medialis

3.2 Colon transversum

Das querverlaufende Kolon nimmt seinen Verlauf intrathorakal auf Höhe der letzten beiden Brustwirbel vor der Gekrösewurzel und zieht hierbei von rechts nach links. Über ein kurzes Mesocolon transversum erfährt es einerseits Verbindung mit der Gekrösewurzel, wobei ein weiterer Verlötungsbezirk mit dem Dach der Bauchhöhle ebenfalls Stabilität gewährt. Über die Plica duodenocolica wird eine Verbindung zwischen Colon transversum, Anfangsabschnitt des Colon descendens und der Pars ascendens duodeni hergestellt.

3.3 Colon descendens

Beim Pferd bezeichnet man das Colon descendens auch als kleines Kolon (Colon tenue). Es weist eine Länge von bis zu 4 Meter auf und ist deutlich lumenschwächer als die anderen Dickdarmabschnitte. Aufgrund dessen, dass das Mesocolon descendens lang ausgebildet ist, verleiht es dem Colon descendens eine beachtliche Beweglichkeit. Man findet die groß ausgebildeten Schlingen, gemeinsam mit Jejunumschlingen im linken dorsalen Quadranten der Bauchhöhle. Auch hier gilt wieder: aufgrund der starken Beweglichkeit ist die Lage inkonstant, weshalb die Schlingen bis in die Beckenhöhle hineinragen können. Man kann das Gekröse des Colon descendens eindeutig von dem des Jejunums unterscheiden, da es durch seinen subserösen Fettreichtum eindeutig zugeordnet werden kann. Am Colon descendens findet man zwei Tänien und zwei deutliche Poschenreihen. Ein Bandstreifen dient dabei dem Ansatz des Gekröses und wird dementsprechend als Taenia mesocolica betitelt. Außerdem werden in den kleinen halbkugelförmigen Haustren die charakteristischen Kotballen ("Pferdeäpfel") geformt.

4 Klinik

Aufgrund dessen, dass das Kolon beim Pferd so mächtig ausgebildet ist, gibt es kaum einen Abschnitt, der keine klinische Relevanz aufweist.

4.1 Colon ascendens

An der linken ventralen Längslage findet man die häufigsten Obstipationen des großen Kolons. Man kann sie im Rektalbefund als Umfangsvermehrung darstellen.

Aufgrund der flexiblen Fixierung der Beckenflexur (Flexura pelvina) kann sie sich im ungünstigsten Fall quer vor den Beckeneingang legen oder gar nach kranial abknicken (Flexio coli ascendentis), was wiederum zu einer Einengung des Darmrohres (Subileus) führt. Außerdem können sich Kolonteile über das Milz-Nieren-Band (Ligamentum lienorenale) hinweg in das Spatium lienorenal einstülpen, sodass sie dort eingeklemmt und minderversorgt werden (Hernia spatii lienorenalis). Außerdem führt die Verengung an der Flexura pelvina oftmals zu Obstipationen, die sich bei der rektalen Untersuchung als horizontal, vor dem Beckeneingang liegende, kranial offene Schleife darstellt. Da die linke dorsale Längslage hierbei leer ist, ist sie meistens kaum tastbar.

Aufgrund der deutlichen Lumenerweiterung der Ampulla coli sind hier Obstipationen eher selten. Sie wären rektal nur bei maximaler Exploration gerade noch mit der Fingerspitze erreichbar. Chronische Überfüllungen können jedoch zu atrophischen Vorgängen am rechten Leberlappen führen.

Da die linken Längslagen des Kolons inkl. Beckenflexur nicht mit der Gekrösewurzel verankert und somit frei beweglich sind, können sie sich um ihre Längsachse verdrehen (Torsio coli ascendentis). Auslöser solcher Verdrehungen können z.B. Obstipationen der dorsalen Längslage sein, wobei diese deutlich an Gewicht zugenommene Kolonlage absinkt, während die prästenotische ventrale Lage durch Anfüllung mit Gas aufsteigt. Hierbei können Verdrehungen entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn erfolgen, wobei sich Drehungen bis zu 180° nach Auflösung der Obstipation noch selbst entwinden können. Erfolgte eine Verdrehung über 180° hinaus, bedarf es einen chirurgischen Eingriff.

4.2 Colon transversum

Aufgrund des geringen Lumens des querverlaufenden Kolons sind Obstipationen in diesem Darmabschnitt begünstigt.

4.3 Colon descendens

Das Colon descendens ist anfällig für Anschoppungen von trockenem Darminhalt (Obstipatio coli descendentis). Solche Obstipationen können von rektal ausgespült werden. Außerdem kann es während der Geburt bei der Stute zum Einreißen oder zur Quetschung des Gekröses des Colon descendens kommen. Werden dabei Blutgefäße verletzt, können Nekrosen des zu versorgenden Darmabschnittes die Folge sein.

4.3.1 Mesocolon descendens

Das Gekröse des Colon descendens (Mesocolon descendens) enthält größere Mengen subserösen Fettgewebes. Es geht links aus der kranialen Gekrösewurzel hervor, heftet sich geradlinig an der dorsalen Bauchwand an und geht kaudal in das Mesorectum über.

5 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.

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