Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Blitzeinleitung

Synonyme: Ileus-Einleitung, Crush-Intubation, Nicht-Nüchtern-Einleitung
Englisch: RSI, rapid sequence induction

1 Definition

Die Blitzeinleitung ("rapid sequence induction") oder Ileus-Einleitung ist eine anästhesiologische Einleitungsmethode zum Schutz vor Regurgitation und Aspiration während der Narkoseeinleitung.

2 Klinik

Bei der Blitzeinleitung wird der Patient - wenn möglich - zunächst suffizient über mindestens fünf Minuten mit dichtsitzender Gesichtsmaske präoxygeniert. Manche Autoren schlagen auch bei bekanntem Ileus vor weiteren Maßnahmen die Anlage einer Magensonde bei wachen Patienten vor. So soll erreicht werden, dass der intragastrale Druck durch Reflux aus dem Darm in den Magen reduziert wird und vorhandenes Sekret vor Einleitung nach außen abgeleitet werden kann. Danach wird die Magensonde unter Absaugung des Sekretes wieder entfernt - sie könnte sonst als Leitschiene von aufsteigenden Mageninhalt dienen - und bei Oberkörperhochlagerung mit der Präoxygenierung begonnen.

Ist der Patient nun suffizient präoxygeniert, erfolgt die Einleitung der Narkose. Nach suffizienter Relaxation ohne Zwischenbeatmung, mit oder ohne Krikoid-Druck wird der Patient zügig intubiert. Eine Zwischenbeatmung wird wegen einer möglichen Luftinsufflationsgefahr in den Magen weggelassen.

Alternativ wird bei Kindern mittlerweile eine vorsichtige Zwischenbeatmung mit niedrigen Tidalvolumina und Spitzendrücken propagiert, da diese schnell unter Apnoe desaturieren und das Risiko einer Hypoxie höher als das Risiko einer Aspiration eingestuft wird.

3 Anwendung

Die Blitzeinleitung ist bei allen Patienten indiziert, die nicht nüchtern sind bzw. deren Nahrungskarenz unklar ist und für die ein erhöhtes Aspirationsrisiko besteht. Dazu gehören u.a.

Auch Patienten mit Diabetes mellitus oder ausgeprägter Adipositas weisen ein erhöhtes Aspirationsrisiko auf, welches jedoch nicht zwingend eine RSI vorsieht.

Patienten, die in den letzten 6 Stunden vor Narkoseeinleitung feste Speisen zu sich genommen haben, sind als nicht nüchtern einzustufen. Die Karenz für klare Getränke beträgt 2 Stunden.

4 Ablauf

Mit Ausprägung der Relaxation (fehlender Cornealreflex und Apnoe) wird der Endotrachealtubus mit Führungsstab in der Luftröhre platziert und der Cuff sofort und sicher geblockt. Auf den Krikoiddruck (Sellick-Handgriff) verzichten wegen nicht nachgewiesener Wirksamkeit viele Anästhesisten.

Bei nicht traumatischer Atemwegsverlegung oder Atemwegsverlegungen durch Erbrochenes oder Nahrungsreste sollte eine Intubation mit einem Videolaryngoskop durchgeführt werden.

5 Risiken

6 Medikamente

Für die Blitzeinleitung werden Medikamente bevorzugt, die einen schnellen Wirkungseintritt aufweisen. Unter den Opioiden sind Fentanyl und dessen Analoga Remifentanil und Sufentanil Mittel der Wahl.

Bei den Hypnotika wird dem Barbiturat Thiopental wegen eines sehr schnellen Wirkungseintritts (Patienten schlafen noch während der Injektion ein) Vorzug gegeben. Alternativ wird zunehmend Propofol verwendet. Etomidat ist wegen des langsamen Wirkungseintritts ebenso ungeeignet wie Benzodiazepine (paradoxe Reaktion möglich).

Die Relaxation mit Succinylcholin wird auf Grund der unerwünschten Wirkungen zunehmend verlassen, ist für manche Anästhesisten jedoch noch der Goldstandard. Bei Kontraindikation kann auf Rocuronium ausgewichen werden, das sich in Studien unter dem Gesichtspunkt Anschlagszeit und Intubationsbedingungen als ebenbürtig dargestellt hat. Außerdem steht mit Sugammadex ein wirksames Antidot bereit.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

15 Wertungen (3.93 ø)

57.038 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
Sprache:
DocCheck folgen: