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Siamesische Speikobra

Synonyme: Siamkobra, Indonesische Speikobra, Indochinesische Speikobra, Schwarzweiße Kobra
Zoologische Bezeichnung: Naja siamensis
Englisch: Indochinese Spitting Cobra, Black and white (Spitting) Cobra

1 Definition

Die Siamesische Speikobra ist eine Giftschlange aus der Familie der Giftnattern (Elapidae) und zählt zur Gattung der Echten Kobras (Naja).

2 Merkmale

Es handelt sich um eine schlank gebaute und dabei dennoch kräftige Schlange von 120 bis 150 cm Gesamtlänge. Der Körper ist schwarz und weiß gefärbt, wobei das Muster individuell sehr variabel ist. Es existieren sowohl fast weiße als auch fast schwarze Exemplare. Die Körperschuppen sind glatt. Der Kopf ist relativ kurz und setzt sich nur geringfügig vom Hals ab. Die Siamesische Speikobra pflanzt sich durch Oviparie fort, legt also Eier. Das Gelege umfasst bis zu 19 Eier. Als Beute kommen Kleinsäuger (v.a. Nagetiere), Froschlurche und andere Schlangen in Betracht.

2.1 Giftapparat

Der Giftapparat im Allgemeinen ist typisch für alle Vertreter der Giftnattern, die Ausrichtung der Endigung des Giftkanals in den Fangzähnen ist jedoch ein Charakteristikum der Speikobras:

  • Giftdrüse: evolutionsbiologisch betrachtet eine umgebildete Speicheldrüse, seitlich beiderseits des Schädels, von Muskeln umgeben.
  • Giftkanal, welcher Giftdrüse und Giftzähne verbindet.
  • Giftzähne (Fangzähne): beiderseits im vorderen Oberkiefer befindlich. Sie sitzen fest und sind nicht beweglich. Sie besitzen einen Giftkanal, über welchen das Gift im Falle eines Bisses injiziert wird. Bei Speikobras ist die Austrittsöffnung dieses Kanals, welche sich vorne mittig am Zahn befindet, kleiner und rundlicher als bei anderen Kobras, und fungiert so als eine Art Düse. Durch eine Krümmung nach vorn im letzten Teil des Kanals wird das gezielte horizontale Speien des Giftes ermöglicht.

3 Abwehrverhalten

Fühlt sich die Schlange bedroht, versucht sie zunächst zu fliehen. Ist dies nicht möglich, richtet sie ihren Vorderkörper auf und spreizt einen Nackenschild.

Die Siamesische Speikobra verursacht durch ihren Giftbiss ernsthafte, potentiell lebensbedrohliche Intoxikationen und ist zudem in der Lage das Gift ihrem Angreifer entgegen zu sprühen (Spucken, Speien; daher der Name Speikobra/ Spitting Cobra) und somit in Augen und auf Schleimhäuten schwere Schäden zu bewirken. Auf eine Entfernung von 2 bis 3 Metern kann die Schlange einem Angreifer oder Menschen zielsicher und nahezu beliebig häufig ins Gesicht spucken.

4 Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Südostasien über Thailand, Kambodscha und Südvietnam sowie Teile von Laos. Es werden offene und geschlossene Waldgebiete und Kulturland (z.B. Reisfelder) bewohnt, wobei die Spezies sowohl im Tiefland, als auch in Teilen des Hochlandes angetroffen werden kann.

5 Bestand

Die Siamesische Speikobra gilt als mäßig bedrohte Art, der Bestand in freier Natur ist rückläufig. Zurückzuführen ist dies auf die Verwendung der Schlange für die traditionelle Medizin, die Ausbeutung der Herpetofauna zwecks Herstellung von Schlangenleder (wobei die Siamesische Speikobra hier eher eine untergeordnete Rolle spielt) und die Tatsache, dass Giftschlangen aus Furcht häufig verfolgt und getötet werden.

Die Siamesische Speikobra ist im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet, ihre Haltung in Gefangenschaft bedarf daher einer amtlichen Meldung.

6 Epidemiologie

Im Verbreitungsgebiet kommt es häufig zu Begegnungen zwischen dieser Schlange und dem Menschen. Zumeist kommt es dabei zum Einsatz des Giftspeiens, demnach sind Augenschäden die häufigsten Schäden, die durch die Siamesische Speikobra verursacht werden. Bissunfälle mit Todesfolge kommen weitaus seltener vor.

7 Toxikologie

Die Siamesische Speikobra produziert ein sehr potentes Toxingemisch. Symptome eines Giftbisses sind Schmerzen, Schwellung und Nekrose am betroffenen Gliedmaß sowie Ptosis, Parästhesien, Übelkeit und Emesis. EKG-Veränderungen treten nur selten auf. Der Tod kann durch Atemlähmung eintreten. Das Gift weist zwei (Haupt-) Wirkkomponenten auf:

Neben den genannten Toxinen sind auch Substanzen mit einem Einfluss auf die Blutgerinnung vorhanden. Im Falle einer Intoxikation durch Giftbiss treten deren Auswirkungen jedoch für gewöhnlich in den Hintergrund.

7.1 Komplikationen

7.2 Hautkontakt/Schleimhautkontakt

Die zytotoxische Komponente ist als Kontaktgift wirksam. Gelangt es durch das Speien der Kobra auf die Haut, kann es zu Schmerzen, Schwellungen und entzündlichen Beschwerden kommen. Auf Schleimhäuten ist mit entsprechend stärkerer Reizwirkung zu rechnen. Gelangt das Gift in die Augen, kann es zu starken Schädigungen bis hin zu dauerhafter Erblindung kommen, wenn es nicht unverzüglich ausgewaschen wird. Nach Kontakt mit Schleimhäuten oder Augen muss mit einer geeigneten Flüssigkeit (Wasser, notfalls z.B. auch Milch, Urin) gespült werden (mind. 10-15 Minuten). Ein Augenarzt sollte hinzugezogen werden. Je nach Zustand des Betroffenen sollte ein Notarzt gerufen werden.

7.3 Therapie des Giftbisses

  • Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. Zwecks Nierenschutz ist eine Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung angezeigt. Weitere Maßnahmen dienen der symptomatischen Therapie.
  • Die Möglichkeit der künstlichen Beatmung ist sicherzustellen.
  • Keine Kompressionsmethode, da hierdurch die zytotoxische Lokalwirkung ungleich verstärkt wird.
  • Maßnahmen zur Vermeidung einer Sepsis treffen (ggf. Antibiotika).
  • Wundtoilette bei Nekrose. Unter Umständen sind Amputationen nötig.
  • Bei Auftreten von neurotoxischen Erscheinungen kann auf Neostigmin zurückgegriffen werden, um die (durch das Gift gehemmte) cholinerge Wirkung zu verstärken.
  • Antivenine: Der Einsatz von Antiveninen sollte nur in Rücksprache mit einer Giftnotruf-Zentrale und nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

8 Medizinische Nutzung

Das Toxingemisch der Siamesischen Speikobra, wie auch das anderer asiatischer Kobras, könnte die Grundlage für neue Medikamente in der Krebstherapie bieten. In Tiervesuchen wurde festgestellt, dass bestimmte Toxine der Kobras Einfluss auf das Wachstum von Tumorzellen nehmen können. Darüber hinaus wird derzeit an der Entwicklung neuer Antikoagulantien auf Basis zweier Substanzen (Protein A mit der Molekularmasse 6738.21 ±1.83 Dalton und Protein B mit 6709.52 ±1.13 Dalton) aus dem Gift von Naja siamensis geforscht; bei Protein B handelt es sich um ein Drei-Finger-Toxin und einen Hemmstoff des Tenasekomplexes. Beide bewirken eine Unterbrechung der Gerinnungskaskade.

9 Literatur

  • O'Shea: Giftschlangen - Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Kosmos Verlag, 2006.
  • Nazir et al.: Anticoagulant three finger toxin from Naja siamensis (Indo Chinese Spitting Cobra); Department of Biological Sciences, The National University of Singapore, Blk S2, 14 Science Dr 4, Singapore. PDF

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