Maus
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LoslegenSynonym: Hausmaus (im engeren Sinn)
Englisch: mouse, mice
Definition
Als Mäuse werden umgangssprachlich verschiedene kleine Säugetiere aus der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) bezeichnet. Der Begriff ist keine taxonomische Einheit. Die meisten Mäuse gehören zur Überfamilie der Mäuseartigen (Muroidea). Im engeren Sinn ist meist die Hausmaus (Mus musculus) gemeint, die zu den sogenannten Altweltmäusen (Murinae) zählt.
Anatomie
Körperbau
Die Hausmaus erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 7–10 cm. Der nahezu unbehaarte, geschuppte Schwanz ist etwa genauso lang. Das Körpergewicht adulter Tiere liegt meist zwischen 20 und 40 g. Mäuse besitzen kaum Schweißdrüsen. Sie kommen nur an den Pfotenballen vor. Die Wärmeabgabe erfolgt vor allem über den gut durchbluteten Schwanz.
Gebiss
Mäuse besitzen ein typisches Nagetiergebiss mit insgesamt 16 Zähnen. Die Zahnformel lautet in jeder Kieferhälfte 1-0-0-3. Zwischen Schneide- und Backenzähnen liegt eine breite Zahnlücke (Diastema). Die Schneidezähne sind wurzellos und wachsen lebenslang nach. Da nur ihre Vorderseite mit Zahnschmelz überzogen ist, schärfen sie sich beim Nagen selbst.
Organsysteme
Die Anatomie der Maus weicht in mehreren Punkten von der des Menschen ab. Diese Unterschiede sind für die Interpretation tierexperimenteller Befunde relevant:
| Organ | Besonderheit der Maus |
|---|---|
| Magen | Zweigeteilt in einen drüsenlosen Vormagen mit verhornendem Plattenepithel und einen Drüsenmagen. Beide Anteile sind durch eine Grenzfalte (Margo plicatus) getrennt. Mäuse können nicht erbrechen. |
| Caecum | Groß ausgebildet. Mäuse nehmen einen Teil ihres Kots wieder auf (Koprophagie). |
| Lunge | Rechte Lunge mit vier Lappen, linke Lunge mit nur einem Lappen. |
| Leber | Mehrlappig, mit Gallenblase (im Gegensatz zur Ratte). |
| Milz | Lebenslang Ort der extramedullären Hämatopoese. |
| Uterus | Zweihörnig (Uterus bicornis). |
| Milchdrüsen | Weibchen besitzen fünf Zitzenpaare (drei thorakal, zwei inguinal). Männchen haben keine Zitzen. |
Das Geschlecht lässt sich anhand des Anogenitalabstands bestimmen, der bei Männchen deutlich größer ist als bei Weibchen.
Sinnesorgane
Mäuse sind überwiegend nachtaktiv und orientieren sich vor allem über Geruchssinn, Gehör und die Tasthaare (Vibrissen) an der Schnauze. Die Vibrissen sind im somatosensorischen Cortex in Form der sogenannten Barrel-Felder repräsentiert. Mäuse sind obligate Nasenatmer. Hinter dem Augapfel liegt ein venöser Plexus, der in der Versuchstierkunde zur retrobulbären Blutentnahme genutzt werden kann.
Medizinische Bedeutung
Reservoir für Krankheitserreger
Mäuse und andere Kleinnager sind Reservoirwirte zahlreicher Zoonose-Erreger. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist indirekt über Ausscheidungen der Tiere, seltener durch Bisse.
| Erreger | Erkrankung | Wichtige Reservoirtiere |
|---|---|---|
| Hantaviren | Hantavirus-Infektion | Rötelmaus (Puumalavirus), Brandmaus (Dobrava-Virus) |
| Lymphozytäres Choriomeningitis-Virus | Lymphozytäre Choriomeningitis | Hausmaus |
| Leptospira | Leptospirose | Mäuse, Ratten |
| Salmonella | Salmonellose | Hausmaus |
| Streptobacillus moniliformis | Rattenbissfieber | Ratten, Mäuse |
| Borrelia burgdorferi s. l. | Lyme-Borreliose | Wald- und Gelbhalsmaus, Rötelmaus (Übertragung durch Zecken) |
In Deutschland wird das Puumalavirus von der Rötelmaus übertragen. Die Infektion erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen von Staub, der mit virushaltigem Kot, Urin oder Speichel kontaminiert ist.[1]
Labortierallergie
Proteine aus Urin, Speichel und Hautschuppen von Mäusen können eine allergische Sensibilisierung auslösen. Die Labortierallergie ist eine relevante Berufserkrankung bei Beschäftigten in der tierexperimentellen Forschung.
Labormaus
Mäuse sind die am häufigsten verwendeten Versuchstiere. Als Modellorganismus werden sie für pharmakologische, physiologische, genetische und immunologische Studien eingesetzt. Gründe dafür sind die kurze Generationszeit, die einfache Haltung und die Möglichkeit gezielter genetischer Veränderungen, z.B. bei Knockout-Mäusen. Weitere Informationen finden sich im Artikel Labormaus.
Literatur
- Treuting PM, Dintzis SM, Montine KS. Comparative Anatomy and Histology: A Mouse, Rat, and Human Atlas. 2nd ed. Academic Press; 2018.
Quelle
- ↑ Stark K, Faber M. Surveillance und Epidemiologie der Hantavirus-Erkrankungen 2001–2012. Robert Koch-Institut. 2013.