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Schilddrüse (Veterinärmedizin)

Synonyme: Glandula thyreoidea, Glandula thyroidea

1 Definition

Die Schilddrüse ist eine hormonproduzierende Drüse am Hals aller Haussäugetiere, die für die Produktion und die Abgabe von Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sowie Calcitonin verantwortlich ist.

2 Anatomie

2.1 Morphologie

Die Schilddrüse ist kaudal vom Kehlkopf an der Luftröhre lokalisiert. Sie zeigt einen dreiteiligen Aufbau auf, bestehend aus zwei Schilddrüsenlappen und einem Verbindungsstück. Die Ausprägung der einzelnen Bestandteile ist tierartlich verschieden:

  • Lobus sinister glandulae thyreoideae: liegt links der Seitenfläche der Luftröhre an
  • Lobus dexter glandulae thyreoideae: liegt rechts der Seitenfläche der Luftröhre an
  • Isthmus glandulae thyreoideae: umgreift die Luftröhre von ventral
  • Lobus pyramidalis glandulae thyreoideae: selten ausgebildeter unpaarer Lappen des Isthmus nach kranial

2.1.1 Verbindungsstück

Wie beim Menschen liegt die Schilddrüse beim Schwein infolge des kurzen Halses unmittelbar am Brusteingang. Die beiden Schilddrüsenseitenlappen sind durch einen deutlich ausgebildeten Isthmus so miteinander verbunden, dass die Schülddrüse ein einheitliches, mehr oder weniger schildförmiges Organ darstellt.

Die restlichen Haussäugetiere weisen einen in der Regel aus dem kaudalen Pol des Lobus sinister und dexter hervorgehenden, schwach ausgebildeten Isthmus auf. In manchen Fällen kann er auch gänzlich fehlen.

  • Rind: Das Rind besitzt in den meisten Fällen einen Isthmus, der als 0,3 - 1,5 cm breites, meist aus Drüsengewebe bestehendes, Band ausgebildet ist. Dieses Verbindungsstück umfasst die Luftröhre auf Höhe der 1. bis 2. Trachealspange von ventral.
  • Fleischfresser: Fleischfresser haben einen aus Drüsengewebe bestehenden Isthmus, der bei kleinen Hunderassen meist fehlt, bei großen Hunden aber bis zu 1 cm breit werden kann.
  • Pferd: Pferde besitzen einen Isthmus, der aus einem dünnen Bindegewebsstrang besteht und folglich keine Drüsenaktivität hat.
  • Kleine Wiederkäuer: Bei den kleinen Wiederkäuern ist, ähnlich dem Pferd, ebenfalls ein bindegewebiger Isthmus ausgebildet. Beim Schaf kann der Isthmus oft auch zurückgebildet sein.

2.1.2 Schilddrüsenlappen

Beide Seitenlappen fühlen sich derb an und zeigen, mit Ausnahme von Rind und Schwein, bei denen eine deutliche Läppchenzeichnung erkennbar ist, eine glatte Oberfläche. Der linke Lappen ist in den meisten Fällen kräftiger ausgebildet als der rechte - nur beim Pferd scheint es umgekehrt zu sein. Die Lappen besitzen eine rotbraune bis fleischrote Farbe und sind deutlich vom umgebenden Gewebe abgrenzbar.

2.2 Größe und Gewicht

Sowohl Größe als auch Gewicht der Schilddrüse variieren nicht nur tierartlich, sondern auch individuell. Beeinflussende Faktoren sind hierbei die Rasse, das Alter und das Geschlecht, die klimatischen Verhältnisse und die Jahreszeit. Demzufolge werden beim Hund, Rind, Schaf und Pferd für schwerere Rassen niedrigere Schilddrüsengewichte angegeben als für leichte Tiere dieser Arten. Hinzu kommt, dass Höhenrinder ein höheres Gewicht der Schilddrüse aufweisen als Niederungsvieh.

Gleichzeitig zeigen weibliche Tiere, v.a. wenn sie mehrere Trächtigkeiten hinter sich haben, schwerere Schilddrüsen als männliche Tiere. Kastraten zeigen ebenso höhere Schilddrüsengewichte auf.

Das Gewicht der Drüse scheint bis zu einem mittleren Alter zuzunehmen, um dann bei älteren Tieren allmählich wieder abzubauen. Letztendlich müssen auch jahreszeitliche Schwankungen der Schilddrüsengewichte berücksichtigt werden, wobei sie im Herbst und Winter in der Regel schwerer sind als zu den restlichen Jahreszeiten.

2.3 Tierartliche Besonderheiten

2.3.1 Hund

Der Hund zeigt an den oberflächlich glatten, braunrot gefärbten Seitenlappen eine leicht abgeplattete, länglich-ovale Gestalt, die der Luftröhre im Bereich der 5 bis 8 ersten Trachealspangen dorsolateral aufliegen. Der die Lappen verbindende Isthmus besteht aus Drüsengewebe, wobei das Gewicht der normalen Schilddrüse zwischen 0,56 und 25,3 g bzw. 40 - 400 mg/kg Körpergewicht schwankt.

2.3.2 Katze

Die Katze besitzt abgeplattete, spindelförmig und fein lobulierte Seitenlappen, die der Luftröhre im Bereich der ersten 7 bis 10 Trachealspangen dorsolateral aufliegen und untereinander durch einen 1 bis 2 mm breiten Isthmus aus Drüsengewebe miteinander verbunden sind. Das absolute Organgewicht schwankt hierbei zwischen 0,19 und 1,45 g.

2.3.3 Schwein

Die Schilddrüse des Schweins ist als einheitlich schildförmiges Organ mit dunkelroter Farbe und höckriger Oberfläche ausgebildet. Sie zeigt eine mehr oder weniger deutliche Lappung und liegt der Luftröhre ventral auf. Der vordere Rand der Drüse berührt in den meisten Fällen den Schildknorpel, kann aber auch auf Höhe der 2. bzw. 4. Trachealspange liegen. Hier reicht ihr zugespitzes hinteres Ende bis zum Brusteingang, sodass gelegentlich ein Lobus pyramidalis ausgebildet ist. Das Schilddrüsengewicht variiert zwischen 12 und 50 g.

2.3.4 Rind

Rinder besitzen unregelmäßige, drei- oder viereckig abgeplattete und deutlich lobulierte Seitenlappen, die ventrolateral dem Schlundkopf und der Speiseröhre anliegen und sich rostral über die Mm. cricopharyngeus und cricothyreoideus hinweg schieben. Beide Lappen sind durch einen 1 - 1,5 cm breiten und parenchymatösen Isthmus miteinander verbunden. Alte Ochsen zeigen oftmals einen bindegewebigen Isthmus, der auch gänzlich fehlen kann. Kälber zeigen eine graubraune bis dunkelbraune Dürse, die bei adulten Tieren hell rötlich-braun eingefärbt ist. Das Gewicht der Schilddrüse schwankt bei Rindern zwischen 15 und 42 g.

2.3.5 Pferd

Pferde besitzen eine etwa 20 bis 35 g schwere Schilddrüse, die mit etwa pflaumengroßen, oberflächlich glatten Seitenlappen ausgestattet ist. Diese sind rotbraun gefärbt und liegen der Luftröhre im Bereich der 2. und 3. Trachealspange dorsolateral auf, aus denen aus ihrem kaudalen Pol ein bindegewebiger Isthmus hervorgeht, der auch gänzlich zurückgebildet sein kann.

2.3.6 Kleine Wiederkäuer

Kleine Wiederkäuer besitzen abgeplattete, plump-spindelförmige (Schaf) bzw. walzenförmige (Ziege) Seitenlappen, die eine glatte Oberfläche und braunrote Farbe aufweisen. Beide Lappen liegen der Luftröhre im Bereich der vorderen Trachealspange dorsolateral auf. Schafe zeigen oftmals einen schwach ausgebildeten Isthmus auf, der auch fehlen kann. Ziegen besitzen nur in den seltensten Fällen einen aus Drüsengewebe bestehender Isthmus, sodass er auch bei ihnen meistens fehlt. Das Gewicht der Schilddrüse liegt beim Schaf zwischen 4 und 7 g, bei der Ziege zwischen 8 und 11 g.

2.4 Gefäßversorgung

2.4.1 Arterien

Die Schilddrüse wird aus Ästen der Arteria carotis communis mit sauerstoffreichem Blut versorgt:

  • Arteria thyreoidea cranialis: meist stärker ausgebildet und zieht an den vorderen Pol der Seitenlappen in einem kranial konvexen Bogen; gibt beim Hund einen Ramus ventralis und dorsalis ab, die dann in die Schilddrüse eintreten
  • Arteria thyreoidea caudalis: deutlich schwächer ausgebildet und fehlt oftmals, v.a. beim Rind und bei der Ziege; stellt beim Schwein das Hauptgefäß dar

2.4.2 Venen

Das venöse Blut der Schilddrüse mündet in den meisten Fällen in die Vena jugularis interna. Folgende variabel ausgebildeten Zuflüsse entsorgen das sauerstoffarme Blut:

2.4.3 Lymphabfluss

Die Lymphe der Schilddrüse fließt über Lymphgefäße in die Lymphonodi cervicales profundi oder in den Ductus trachealis ab.

2.5 Innervation

Die Schilddrüse wird einerseits über das Ganglion cervicale craniale sympathisch und über den Nervus laryngeus cranialis und caudalis parasympathisch versorgt.

3 Hormone

Die Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin sind an ein Thyreoglobulin gebunden, sodass sie in dieser Form im Kolloid der Follikel gespeichert werden. Unter Bedarf wird das Kolloid vom Drüsenepithel wieder augenommen, wobei Thyroxin und Trijodthyronin vom Globulin getrennt werden und letztendlich über die Basalmembran in das Interstitum ausgeschleust werden.

Damit die Schilddrüsenhormone gebildet werden können, ist die mit der Nahrung aufgenommene Jodmenge von wesentlicher Bedeutung. Demzufolge speichert die Schilddrüse etwa 20 % des im Körper vorhandenen Jods.

Die Hormonproduktion der Schilddrüse wird durch das Hormon Thyreotropin reguliert, das aus dem Hypophysenvorderlappen stammt.

3.1 Funktion

Die Schilddrüse steuert mithilfe ihrer Hormone v.a. die Stoffwechselvorgänge des Körpers und der Zellen. Gleichzeitig regelt sie die Oxidationsprozesse und den Energieumsatz und trägt damit wesentlich zur Wärmeregulation des Organismus bei. Darüber hinaus regelt sie auch den Wasser- und Salzhaushalt der Gewebe und beeinflusst das Wachstum und die Gehirnentwicklung sowie die Funktion der Geschlechtsdrüsen.

4 Embryologie

Die Schilddrüse wird embryonal als exokrine Drüse angelegt, deren Ausführungsgang (Ductus thyreoglossus) am Zungengrund in die Mundhöhle mündet. In den meisten Fällen bildet sich der Ausführungsgang zurück, kann jedoch als Hemmungsmissbildung auch erhalten bleiben.

Die C-Zellen wandern während der Entwicklung aus der Neuralleiste über die letzte Schlundtasche in die Schilddrüsenanlage ein.

5 Histologie

Die Schilddrüse besitzt als ehemalige exokrine Drüse endstückartige, von einem einschichtigen, funktionsabhängigen kubischen oder hochprismatischen Epithel ausgekleidete Drüsengänge. Sie ist aus mehr oder weniger kugeligen Follikeln aufgebaut und durch schmale Septen aus lockerem Bindegewebe in Läppchen gegliedert. Die Follikel sind mit homogenem Kolloid (Thyroxin und Trijodthyronin als Bestandteil von Thyreoglobulin) gefüllt, welches das Inkret der Schilddrüse darstellt.

Das interstitielle Bindegewebe ist reichlich von Blutkapillaren durchsetzt, welche die einzelnen Drüsenfollikel netzartig umspinnen. Außerdem liegen parafollikuläre Zellen (C-Zelle) dem Follikelepithel außen an oder schieben sich gar zwischen die Follikelzellen ein. Mikroskopisch sind sie durch ein helles Zytoplasma und einem etwas größeren und blasseren Kern von den Follikelepithelzellen unterscheidbar. Die C-Zellen produzieren Calcitonin als Gegenspieler des Parathormons, wobei sie das Hormon direkt in das Interstitium abgeben.

6 Klinik

6.1 Hypothyreose

Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) führt zu Wasser- und Salzanreicherungen im Gewebe, sodass das klinische Bild des Myxödems entsteht. Häufig damit verbunden sind auch Bradykardie, Untertemperatur, Fettsucht und verminderte nervöse Reaktionsfähigkeit.

Tritt schon während der Fetal- und Jugendentwicklung eine Unterfunktion der Schilddrüse auf, kommt es zu Störungen des Knochenwachstums, der Zahnbildung und der Gehirnentwicklung und folglich zum Bild des Kretinismus.

6.2 Hyperthyreose

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) verursacht grundsätzlich eine entgegengesetzte Wirkung. Aufgrund gesteigerter Dissimilationsprozesse wird das Wachstum in der Jugend gestört, sodass beim erwachsenen Tier trotz erhöhter Nahrungsaufnahme Gewichtsverluste auftreten. Gleichzeitig steigt die Körpertemperatur an, es werden Tachykardie und Herzarrythmien festgestellt. Hinzu kommt eine allgemeine nervöse Übererregbarkeit, die verbunden mit Exophthalmus ein Krankheitsbild ergibt, das als Morbus Basedow bezeichnet wird.

6.3 Jodmangel

Ein Mangel an Jod führt, in Kombination mit anderen Faktoren - wie beim Mensch, auch beim Tier zu verschiedenen Kropfbildungen, die mit Erscheinungen von Hypo- wie von Hyperthyreose verbunden sind, jedoch auch symptomlos verlaufen können.

7 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, and Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Egerbacher, Monika, Gabner, Simone et al., Gewebelehre und mikroskopische Anatomie. Skriptum für Übungen und Konversatorien der Histologie. Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand: 01.10.2015

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