Interstitium
von lateinisch: inter - zwischen; sistere - stellen, hinstellen
Synonyme: Stroma, Zwischenraum, Zwischengewebe
Englisch: stroma, interstitium, interstice
Definition
Als Interstitium bezeichnet man im weitesten Sinn den Zwischenraum zwischen Geweben oder Zellen, den interstitiellen Raum. Der Begriff wird aber meist benutzt, um das faserarme, aber zell- und blutgefäßreiche Bindegewebe eines Organs zu benennen, das interstitielle Bindegewebe - in diesem Fall spricht man auch vom Stroma.
Histologie
Das interstitielle Bindegewebe ist ein schwammartiger Zell- und Faserverband, in dem die Versorgungsbahnen (Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven) eines Organs verlaufen. Das Interstitium ist - im Gegensatz zum Parenchym - nicht an den organspezifischen Funktion beteiligt. Es sorgt für ein Stützgerüst aus komplexen Faserzügen, die Extrazellulärmatrix. Sie besteht u.a. aus Kollagen, Elastin und Retikulin.
Dieses Stützgerüst ist die Basis der Histoarchitektur eines Organs und bestimmt dessen segmentale Gliederung in Lappen (Lobi) und Läppchen (Lobuli). Darüber hinaus stabilisiert es die Organe gegenüber mechanischen Belastungen wie Dehnung, Scherung oder Kompression.
Die Zwischenräume des interstitiellen Bindegewebes werden von der Grundsubstanz ausgefüllt, die wiederum zum größten Teil aus eiweißreicher Flüssigkeit, der interstitiellen Flüssigkeit, besteht.
Funktion
Das Interstitium wurde traditionell in der pathologischen Forschung wenig beachtet. Da bei den meisten Fixierungsverfahren wässrige Bestandteile in der Regel ausgespült werden, wurde das Interstitium in pathologischen Präparaten traditionell als Artefakt oder kollabierter Hohlraum beschrieben.
Aktuell (Stand 2026) wird das Interstitium als strukturiertes Netzwerk flüssigkeitsgefüllter Kompartimente verstanden. Es werden verschiedene pathophysiologisch bedeutende Charakteristika des Interstitiums erforscht:
- Rolle als para- und extrazellulärer Transportraum und Flüssigkeitstransportweg
- Rolle beim Abfedern mechanischer Kräfte bei sich rhythmisch bewegenden Organen (Herz, GI-Trakt, Lunge)
- Rolle des interstitiellen Flüssigkeitsdrucks auf die Wanderung von Krebszellen (Metastasierung) von Tumoren in periphere Lymphbahnen