Meningeom
Synonym: Meningiom
Englisch: meningioma
Definition
Meningeome sind Tumoren, die ihren Ursprung von den Meningealzellen der weichen Hirnhäute nehmen und überwiegend bei Erwachsenen vorkommen.
Einteilung
Die WHO teilt Meningeome in 3 Klassen ein:
- Grad I: Benigne ("pleomorphe") Meningeome; 80–90 % aller Meningeome
- Grad II: Atypische Meningeome; mehr als 4 Mitosen in 10 Hauptgesichtsfeldern, Hirninvasion oder bestimmte histologische Subtypen; 5–15 % aller Meningeome
- Grad III: Anaplastische Meningeome; mehr als 20 Mitosen in 10 Hauptgesichtsfeldern; 1–3 % aller Meningeome
Epidemiologie
Etwa 20 % aller Hirntumoren sind Meningeome. Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Es sind vermehrt Frauen betroffen. Jüngere Patienten neigen neigen eher zu höhergradigen malignen Meningeomen.
Ätiologie
Meningeome sind pathologische Proliferate veränderter Zellen der Arachnoidea. Die zur Transformation führende Ursache ist zurzeit (2026) noch nicht genau bekannt. Nach Radiatio und bei Patienten mit Neurofibromatose Typ II kommen Meningeome vermehrt vor. Häufig finden sich chromosomale Aberrationen des Chromosoms 22q mit Inaktivierung des NF2-Gens.
Lokalisation
90 % der Meningeome wachsen intrakraniell, 9 % spinal und 1 % ektop in der Orbita, am Nacken, im Thorax, in der Haut, den Nasennebenhöhlen oder der Parotis. Intrakraniell kommen Meningeome vor allem in der Nähe der arachnoidalen Granulationen vor, am häufigsten parasagittal im mittleren Drittel des Sinus sagittalis superior und an der Konvexität in Nachbarschaft zur Koronarnaht (zusammen 50 %). Weitere Lokalisationen sind Planum sphenoidale, Keilbeinflügel, Bulbus olfactorius, Foramen magnum, Nervus opticus und Tentorium, oder seltener intraventrikulär im linken Seitenventrikel an der Tela choroidea.
Etwa 9 % aller Patienten haben multiple Meningeome. In der Literatur finden sich sporadische Berichte über Metastasen von Fremdtumoren im Inneren von Meningeomen.
Morphologie und Histologie
Makroskopisch handelt es sich um glatt begrenzte, gut demarkierte und feste Raumforderungen. Sie können plan oder kugelig sein. Histologisch lassen sich in der üblichen HE-Färbung basophile Psammomkörperchen (Kalkablagerungen) sowie charakteristische Wirbelbildungen (zwiebelschalenartige Zellformationen) nachweisen. Zellkernatypien sind nicht untypisch, aber selten. Die Zellen sind blass, spindelförmig und monomorph. Immunhistochemisch zeigen sich mesenchymale Zellen mit Vimentin und epitheliale Anteile mit epithelialem Membranantigen.
Im Detail unterscheidet man u.a. folgende histologische Subtypen:
- WHO-Grad I
- meningothelial oder synzytial mit Wirbelbildung aber nur wenigen Psammonkörperchen
- fibroblastisch mit einem Zellrasen
- transitional mit synzytialen und fibroblastischen Bestandteilen
- psammomatös
- angiomatös
- mikrozystisch
- WHO-Grad II
- WHO-Grad III
- anaplastisch (rasch progrediente maligne Form mit schlechter Prognose)
Die atypischen Meningeome zeichnen sich durch eine vermehrte Zelldichte, kleine Zellen mit relativ großem Zellkern, auffällige Nucleoli, eine erhöhte Mitoserate und nekrotische Anteile aus. Eine Infiltration des angrenzenden Hirnparenchyms kann bereits bei WHO-Grad-II-Meningeomen auftreten.
Anaplastische Meningeome sind v.a. in jüngeren Patienten papillär, wachsen schnell, haben eine hohe Mitoserate und zahlreiche nekrotische Anteile.
Pathophysiologie
Rezeptoren
Meningeome verfügen gehäuft über Rezeptoren für Östrogen, Progesteron, Peptide, Amine, Androgene, Kortison, Somatostatin oder Cholezystokinin. So können sie vermehrt z.B. während der Schwangerschaft wachsen.
Blutversorgung
Die Blutversorgung ist über meningeale Äste der Arteria carotis externa gewährleistet. Zusätzlich können sie parasitär über Pia-Äste der Arteria carotis interna gespeist werden.
Wachstum
Meningeome wachsen verdrängend, können jedoch Dura und Schädelknochen hyperostotisch arrodieren. Lytische Kalottenveränderungen durch Meningeome kommen praktisch nicht vor.
Symptomatik
Menigeome erreichen oft eine beträchtliche Größe ohne symptomatisch zu werden, da sie in der Regel nur langsam wachsen. Viele Meningeome machen sich erst durch das perifokale Ödem bemerkbar. Die genaue Symptomatik ist von der Lokalisation des Tumors abhängig. Häufige Erstsymptome sind Visusminderung bzw. Gesichtsfeldausfälle, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle oder Gangunsicherheit bei intrakranieller Lage.
Eine besondere Symptomkonstellation bietet das Foster-Kennedy-Syndrom: Eine Optikusatrophie am ipsilateralen Auge und ein Papillenödem am kontralateralen Auge bei Olfaktoriusmeningeomen.
Spinal verursachen Menigeome lokale Kompressionssymptome mit Schmerzen im entsprechenden Dermatom und ggf. Sensibilitätsstörungen und Wurzelparesen. Bei beträchtlicher spinaler Raumforderung kommt es zu einer Spinalkanalstenose mit Myelopathie.
Diagnostik
Die Magnetresonanztomografie ist das diagnostische Verfahren der Wahl. Typisch sind eine isointense Signalgebung in T1- und T2-gewichteten Sequenzen sowie eine homogene Kontrastmittelaufnahme.
Wegen ihrer Kalkanteile haben Meningeome auch in der Computertomografie ein charakteristisches Aussehen. Sie reichern zu 90 % Kontrastmittel an, 75 % erscheinen hyperdens, 25 % isodens, 25 % sind verkalkt und 10 % haben zystische Anteile. Fast beweisend für das Vorliegen eines Meningeoms sind sonnenstrahlartige Duraausläufer.
CT-Fallbeispiel
DICOM-Modelle können auf Mobilgeräten leider nicht angezeigt werden.
Therapie
Die Therapie der Meningeome ist unter anderem abhängig von ihrer Ausdehnung, ihrer Lokalisation und vom Malignitätsgrad. Bei kleinen, asymptomatischen Zufallsbefunden kann eine bildgebende Verlaufskontrolle („watchful waiting“) ausreichend sein. Wenn keine Kontraindikationen vorliegen, wird meist eine operative Entfernung angestrebt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die fraktionierte oder stereotaktische Radiotherapie oder das Gamma-Knife.
Prognose
Die Prognose ist von der Histologie abhängig. Atypische und maligne Meningeome vom WHO-Grad II und III weisen eine höhere Rezidivrate auf und haben eine geringere 5-Jahres-Überlebensrate.
Die Prognose der Meningeome vom WHO-Grad I ist relativ gut. Jedoch kann es auch hier in 7–20 % der Fälle zu einem Rezidiv kommen.
Das Outcome der Meningeome vom WHO-Grad II ist schlechter. Hier kommt es in rund 40 % der Fälle innerhalb von 5 Jahren zu einem Rezidiv.
Am schlechtesten ist das Outcome der anaplastischen Meningeome vom WHO-Grad III. Sie wachsen infiltrativ und metastasieren in 30 % der Fälle. Innerhalb von 5 Jahren erleiden etwa 78 % der behandelten Patienten mindestens ein Rezidiv.
Bildquelle
- Bildquelle DICOM-Viewer: Datensatz freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch die Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, St. Vinzenz Hospital Köln
Quellen
- Santosh et al. Update on Meningiomas; Oncologist. 2011 Nov; 16(11): 1604–1613. Published online 2011 Oct 25. PMCID: PMC3233296
- Kebir et al.: Tumoren der Meningen. Klinische Neurologie, e.medpedia Springer Medizin, 2020