Hämatoxylin-Eosin-Färbung
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: HE-Färbung, H&E-Färbung, Hämalaun-Eosin-Färbung
Englisch: hematoxylin and eosin staining, H&E staining
Definition
Die Hämatoxylin-Eosin-Färbung, kurz HE, ist eine histologische Routine- und Übersichtsfärbung. Sie stellt Zellkerne überwiegend blau bis blauviolett und proteinreiche Gewebebestandteile in unterschiedlichen Rosa- bis Rottönen dar. Dadurch ermöglicht sie eine orientierende Beurteilung der Zell- und Gewebemorphologie.[1]
Färbeprinzip
Die HE-Färbung kombiniert eine Kernfärbung mit Hämatoxylin beziehungsweise Hämalaun und eine Gegenfärbung mit Eosin.
Hämatoxylin und Hämalaun
Hämatoxylin ist ein natürlicher Farbstoff, der aus dem Holz des Blauholzbaums (Haematoxylum campechianum) gewonnen wird. Es wird durch Oxidation in Hämatein überführt. Hämatein bildet mit Metallionen, meist Aluminium, einen Farblack. Dieser Metall-Hämatein-Komplex wird als Hämalaun bezeichnet und bindet bevorzugt an basophile, nukleinsäurereiche Strukturen.[2]
Nach der Kernfärbung erfolgt das sogenannte Bläuen in neutralem bis leicht alkalischem Milieu. Dabei verändert sich die Farbe der angefärbten Strukturen von rötlich-violett zu blauviolett.
Eosin
Eosin ist ein synthetischer, anionischer Xanthenfarbstoff. Meist wird Eosin Y verwendet. Der Farbstoff bindet unspezifisch an überwiegend proteinreiche, azidophile Gewebebestandteile und färbt diese in unterschiedlichen Rosa- bis Rottönen.
Färbeergebnis
Bei regelrechter Färbung zeigen die Gewebebestandteile typischerweise folgende Farben:
| Struktur | Färbeergebnis |
|---|---|
| Zellkern, insbesondere Chromatin | blau bis blauviolett |
| Nukleinsäurereiches beziehungsweise basophiles Zytoplasma | blauviolett |
| Übriges Zytoplasma | rosa |
| Kollagen und weitere Bestandteile der Extrazellulärmatrix | blassrosa bis kräftig rosa |
| Erythrozyten | orange-rot bis kräftig rot |
| Eosinophile Granula | kräftig rot bis rotorange |
Die genaue Farbintensität hängt unter anderem von der verwendeten Farbstoffrezeptur, dem pH-Wert, der Färbedauer und der Vorbehandlung des Gewebes ab.
Durchführung
Bei einem Paraffinschnitt umfasst die HE-Färbung typischerweise folgende Arbeitsschritte:
- Entparaffinieren und Rehydrieren des Schnitts
- Färbung mit Hämatoxylin beziehungsweise Hämalaun
- Spülen und gegebenenfalls Differenzieren
- Bläuen der Kernfärbung
- Gegenfärbung mit Eosin
- Entwässern in einer aufsteigenden Alkoholreihe
- Klären und Eindecken des Präparats
Abhängig von der verwendeten Hämatoxylinlösung wird progressiv bis zur gewünschten Farbintensität oder regressiv mit anschließender Differenzierung gefärbt. Die Methode kann sowohl manuell als auch mit Färbeautomaten durchgeführt werden.
Anwendung
Die HE-Färbung ist die wichtigste Übersichtsfärbung der diagnostischen Histopathologie. Sie wird insbesondere eingesetzt zur:
- Beurteilung von Biopsien und Operationspräparaten
- Darstellung der Gewebearchitektur und Zellmorphologie
- Erkennung von Entzündung, Nekrose, Degeneration und Neoplasien
- Beurteilung von Resektionsrändern
- Orientierung vor weiterführenden histochemischen, immunhistochemischen oder molekularpathologischen Untersuchungen
Auch bei Schnellschnitten kann eine beschleunigte HE-Färbung eingesetzt werden. Hämatoxylin wird zudem ohne Eosin als Gegenfärbung bei verschiedenen immunhistochemischen Verfahren verwendet.[1]
Limitationen
Die HE-Färbung weist nur eine begrenzte molekulare Spezifität auf. Unterschiede bei Fixierung, Gewebeverarbeitung, Schnittdicke, Farbstoffzusammensetzung und Färbedauer können das Ergebnis beeinflussen. Farbvariationen sind insbesondere für digitalisierte Präparate und automatisierte Bildanalyse relevant.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Fischer AH, Jacobson KA, Rose J, Zeller R. Hematoxylin and eosin staining of tissue and cell sections. CSH Protoc. 2008;2008:pdb.prot4986.
- ↑ Llewellyn BD. Nuclear staining with alum hematoxylin. Biotech Histochem. 2009;84(4):159-177.