Dupilumab
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LoslegenHandelsname: Dupixent®
Synonyme: SAR-231893, REGN-668
Englisch: dupilumab
Definition
Dupilumab ist ein rekombinant hergestellter humaner, monoklonaler IgG4-Antikörper, der als Interleukininhibitor zur Immunmodulation eingesetzt wird.
Chemie
Dupilumab ist ein humaner IgG4-Antikörper mit einem Molekulargewicht von ca. 147 kDa. Die Herstellung erfolgt rekombinant in CHO-Zellen (Chinese Hamster Ovary).
Wirkmechanismus
Dupilumab richtet sich gegen die Alpha-Untereinheit der Rezeptoren von Interleukin-4 und Interleukin-13 (IL-4, IL-13). Dadurch werden die proinflammatorischen Signalwege beider Zytokine gehemmt. Der Einfluss auf den IL-4-Effekt beruht auf der Blockade des Typ-I-Rezeptors (IL-4Rα/γc). Zudem wird die IL-4-Reaktion, ebenso wie die Signalkaskade von IL-13, über den Typ-II-Rezeptor (IL-4Rα/IL-13Rα) beeinflusst. Beide Interleukine werden von Th2-Zellen ausgeschüttet und spielen als zentrale Typ-2-Zytokine eine Schlüsselrolle bei der atopischen Dermatitis und weiteren Typ-2-Inflammationen. Blockiert Dupilumab die Rezeptoren, wird die überaktive Signalkaskade gestoppt und Entzündungsreaktionen lassen nach.
Dupilumab senkt die Konzentration:
- von Typ-2-Immunitätsbiomarkern wie thymus- und aktivierungsreguliertes Chemokin (TARC/CCL17)
- des Gesamt-IgE im Serum
- des allergenspezifischen IgE im Serum
- des mit dem Schweregrad der atopischen Dermatitis assoziierten Biomarkers Laktatdehydrogenase (LDH)[1]
Pharmakokinetik
Nach subkutaner Applikation beträgt die Bioverfügbarkeit etwa 64 %. Maximale Plasmaspiegel werden nach 3 bis 7 Tagen erreicht. Dupilumab hat ein Verteilungsvolumen von ca. 4,6 Litern (ca. 0,07 l/kg Körpergewicht). Analog zu anderen Proteinen erfolgt die Biotransformation durch Proteolyse zu kleineren Peptiden und einzelnen Aminosäuren, die weiter metabolisiert werden. Aus pharmakokinetischen Modellen lässt sich nach mehrfacher Gabe eine effektive Eliminationshalbwertszeit von ca. 21 Tagen ableiten.[2]
Indikationen
Dupilumab ist bei folgenden Indikationen zugelassen:[2]
Atopische Dermatitis
- Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen
- Behandlung der schweren atopischen Dermatitis bei Kindern ab 6 Monaten, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen
Bei einer Komorbidität von atopischer Dermatitis und Asthma bronchiale darf die Behandlung des Asthmas nicht ohne ärztliche Anweisung angepasst oder abgesetzt werden.
Asthma bronchiale
- Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation
- Add-on-Erhaltungstherapie bei Kindern ab 6 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation
- Asthma-COPD-Überlappungssyndrom (Off-Label-Use)[3]
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit COPD und erhöhter Anzahl an Eosinophilen im Blut, die trotz einer Kombinationstherapie aus einem inhalativen Kortikosteroid (ICS), einem langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) und einem langwirksamen Muskarinantagonisten (LAMA) oder, falls ICS nicht angebracht ist, einer Kombinationstherapie aus LABA und LAMA unzureichend kontrolliert ist.[4]
Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen
Add-on-Therapie mit intranasalen Kortikosteroiden zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP), die mit systemischen Kortikosteroiden und/oder einem chirurgischen Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden können.
Prurigo nodularis
Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Prurigo nodularis, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen.
Eosinophile Ösophagitis
Behandlung der eosinophilen Ösophagitis (EoE) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg, die mit einer konventionellen medikamentösen Therapie unzureichend therapiert sind, diese nicht vertragen oder für die eine solche Therapie nicht in Betracht kommt.
Bullöses Pemphigoid
Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerem bis schwerem bullösen Pemphigoid (BP). Die FDA-Zulassung erfolgte im Juni 2024 und stellt die erste zielgerichtete Therapie für diese Indikation dar.[5]
Chronische spontane Urtikaria
Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria (CSU) bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren, die trotz H1-Antihistaminika unzureichend kontrolliert sind. Die FDA-Zulassung erfolgte im April 2025.[6]
Darreichungsformen
Dupilumab steht als Fertigspritze und als Fertigpen zur subkutanen Anwendung (s.c.) zur Verfügung.
Dosierung
Die Dosierung ist indikations- und altersabhängig:
| Indikation | Initialdosis | Erhaltungsdosis |
|---|---|---|
| Atopische Dermatitis (Erwachsene) | 600 mg s.c. | 300 mg s.c. alle 2 Wochen |
| Asthma bronchiale (Erwachsene) | 400 oder 600 mg s.c. | 200 oder 300 mg s.c. alle 2 Wochen |
| CRSwNP | 300 mg s.c. | 300 mg s.c. alle 2 Wochen |
| Prurigo nodularis | 600 mg s.c. | 300 mg s.c. alle 2 Wochen |
| EoE (≥40 kg) | – | 300 mg s.c. wöchentlich |
| Pädiatrische Patienten | gewichtsadaptiert | gewichtsadaptiert |
Der klinische Wirkeintritt erfolgt typischerweise nach 2 bis 4 Wochen. Routinemäßige Laborkontrollen sind nicht erforderlich; empfohlen werden jedoch ophthalmologische Verlaufskontrollen.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Die häufigste unerwünschte Wirkung von Dupilumab sind Augenoberflächenerkrankungen (Konjunktivitis, Blepharitis, trockene Augen, Keratitis, Augenjuckreiz), die in bis zu 62 % der Fälle auftreten.[7] In den meisten Fällen sind diese Nebenwirkungen mild bis moderat ausgeprägt und können durch eine adäquate ophthalmologische Lokaltherapie beherrscht werden, sodass keine Dosisreduktion oder ein Absetzen des Wirkstoffs notwendig sind. Es sind jedoch Einzelfälle von schwerwiegenden okulären Nebenwirkungen mit Beeinträchtigung der Sehkraft beschrieben. Dazu zählen Vernarbungen an der Augenoberfläche oder an den Lidern sowie Hornhautulzera bis hin zur Hornhautperforation.[7]
Weitere Nebenwirkungen sind:[2]
- Lokalreaktionen an der Injektionsstelle
- oraler Herpes
- Eosinophilie
- Kopfschmerzen
Besondere Hinweise
Da durch die Behandlung mit Dupilumab die Immunreaktion bei Helminthosen beeinträchtigt ist, muss eine vorbestehende Wurmerkrankung vor Therapiebeginn behandelt werden.
Aufgrund der immunmodulierenden Wirkung von Dupilumab besteht auch die Gefahr einer Reaktivierung entzündlicher Begleiterkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Psoriasis, rheumatoide Arthritis).[8]
Unter der Behandlung kann es zur Entwicklung einer Mycosis fungoides oder eines Sézary-Syndroms kommen – beides Formen eines kutanen T-Zell-Lymphoms. Ursächlich handelt es sich um eine Demaskierung eines subklinischen Lymphoms oder um eine fehldiagnostizierte atopische Dermatitis.[9]
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung von Lebendimpfstoffen wurde nicht untersucht. In Bezug auf inaktivierte Impfstoffe oder Totimpfstoffe besteht keine Gefährdung. Es bestehen keine Interaktionen mit Cytochrom-P450-Isoenzymen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Dupilumab oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels
Schwangerschaft und Stillzeit
Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf reproduktionstoxische Wirkungen von Dupilumab. Bei einer Anwendung in der Schwangerschaft ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Es ist nicht bekannt, ob Dupilumab in die Muttermilch übertritt. Ob das Stillen zu unterbrechen ist oder auf die Behandlung während der Stillzeit verzichtet werden soll, ist im Einzelfall zu entscheiden.
Toxizität
Es liegen bislang keine Erfahrungen zur Symptomatik einer Überdosierung oder Vergiftung mit Dupilumab vor. Es ist davon auszugehen, dass es zu stärkeren Nebenwirkungen kommen kann. Die weitere Behandlung erfolgt symptomatisch. Ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung. Eine sekundäre Giftentfernung durch Hämodialyse ist nicht effektiv. Antikörper und Antigen-Antikörper-Komplexe lassen sich durch Plasmapherese oder Austauschtransfusion entfernen.
Zulassung
Dupilumab ist in der Europäischen Union seit September 2017 zugelassen. Die Zulassung erfolgte zunächst für die atopische Dermatitis bei Erwachsenen und wurde seither schrittweise auf weitere Typ-2-inflammatorische Erkrankungen sowie auf pädiatrische Altersgruppen erweitert. Die aktuell jüngsten Zulassungserweiterungen in der EU bzw. den USA betreffen die COPD (2024), das bullöse Pemphigoid (FDA 2024) und die chronische spontane Urtikaria (FDA 2025).
ATC-Code
- D11AH05 – Dermatika – Mittel zur Behandlung der atopischen Dermatitis, exkl. Corticosteroide
Quellen
- ↑ Gelbe Liste: Dupilumab. Abgerufen am 27.05.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Dupixent. EMA, abgerufen am 27.05.2026
- ↑ Jacques MR et al. Update on the pharmacological treatment of chronic obstructive pulmonary disease. Expert Opin Pharmacother. 2024
- ↑ Beschluss G-BA: Neues Anwendungsgebiet (Zulassung vom 28. Juni 2024). G-BA, abgerufen am 27.05.2026
- ↑ Kasperkiewicz M, van Beek N, Schmidt E. Autoimmune Bullous Diseases: Therapeutic Update. Drugs. 2026;86(4):485–506
- ↑ Casale TB et al. Dupilumab in Patients With Chronic Spontaneous Urticaria: Phase 3 LIBERTY-CSU CUPID Randomized Clinical Trials. JAMA Dermatol. 2026;162(4):350–358
- ↑ 7,0 7,1 Woltsche N, Aschauer J, Boldin I et al. Okuläre Nebenwirkungen von Dupilumab – Übersichtsarbeit und Therapieempfehlung der „Kommission für Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen" der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft. Spektrum Augenheilkd. 2023;37:131–137
- ↑ AkdÄ. Rezidiv eines Morbus Crohn nach Behandlung einer atopischen Dermatitis mit Dupilumab. Dtsch Ärztebl. 2019
- ↑ Jfri A, Smith JS, Larocca C. Diagnosis of mycosis fungoides or Sézary syndrome after dupilumab use: A systematic review. J Am Acad Dermatol. 2023
Weblinks
- Drugbank – Dupilumab, abgerufen am 27.05.2026
- Pharmazeutische Zeitung – Dupilumab, abgerufen am 27.05.2026
- Gelbe Liste – Dupilumab, abgerufen am 27.05.2026
- PharmaWiki – Dupilumab, abgerufen am 27.05.2026
- MeSH: C582203