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Fibrinolytikum

(Weitergeleitet von Thrombolytikum)

Synonym: Thrombolytikum
Englisch: fibrinolytic agent

1 Definition

Fibrinolytika sind Medikamente, die im Rahmen der Lysetherapie zur Behandlung von Thrombosen verwendet werden.

2 Indikation

Indikation einer Lysetherapie sind in der Regel akute und subakute Gefäßverschlüsse, bei denen eine rasche Revaskularisation in Folge letaler Komplikationen obligat ist.

Hierzu zählen

Da sich die Einsatzbereiche der unterschiedlichen Präparate (s.u.) unterscheiden, sollte auf Herstellerhinweise geachtet werden.

3 Wirkung

Fibrinolytika sind Enzyme bzw. Proteine (Streptokinase besitzt keine Enzymaktivität), die durch Aktivierung von Plasminogen zu Plasmin die physiologische Fibrinolyse einleiten. Die Auflösung der thrombusorganisierenden Fibrinnetze führt zu einem Thrombuszerfall (Thrombolyse).

4 Abbau

Fibrinolytika werden hepatisch metabolisiert und renal ausgeschieden. Ihre jeweiligen Halbwertszeiten können untenstehender Tabelle entnommen werden.

5 Präparate

Es werden 2 Generationen von Fibrinolytika unterschieden, deren Wirkmechanismus variiert:

  • Fibrinolytika der 1. Generation (direkte Fibrinolytika) wirken systemisch und lokal durch direkte Plasminogenaktivierung.
  • Fibrinolytika der 2. Generation (indirekte Fibrinolytika) sind rekombinante Gewebeplasminaktivatoren (rtPA's), die zur enzymatischen Plasminaktivierung eine zusätzliche Bindung an Fibrin benötigen. Ihre Wirkung ist somit lokal auf den Thrombus bezogen.

Bei den Präparaten handelt es sich zumeist um Trockensubstanzen. Die Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten auf dem Markt vertretenen Fibrinolytika und deren Halbwertszeit:

Präparat Handelsname Halbwertszeit Besonderheiten
1. Generation (direkte Fibrinolytika)
Streptokinase Streptase® 30 min Gewinnung aus ß-hämolysierenden Streptokokken
Urokinase Actosolv®, Urokinase medac® 16 min Erstmals im Urin nachgewiesen, Gewinnung aus fetalen Nierenzellkulturen
Anistreplase Eminase® 90-105 min anisoylierter Plasminogen-Streptokinase-Aktivator-Komplex (APSAC)
2. Generation (indirekte Fibrinolytika)
Reteplase Rapilysin® 18 min
Alteplase Actilyse® 11-14 min
Tenecteplase Metalysin® 18 min

6 Applikationsform

Fibrinolytika können systemisch mittels peripher-venösem Zugang oder lokal über einen zum Thrombus vorgeschobenen Katheter (Katheterlyse) infundiert werden.

7 Nebenwirkungen und Komplikationen

Die Hauptkomplikation der Fibrinolytika stellen Blutungen dar. Streptokinase kann als bakterielles Syntheseprodukt allergische Reaktionen hervorrufen und die körpereigene Bildung von Antikörpern induzieren.

Cave: Bei Revaskularisation akuter arterieller Verschlüsse ist ein definiertes Zeitfenster einzuhalten, da die Reperfusion länger unterversorgter Gebiete ein Tourniquet-Syndrom verursachen kann. Es gelten folgende Zeitvorgaben:

  • Systemische Lysen zur Therapie der akuten pAVK und des ischämisch zerebralen Insultes sollten ein Zeitfenster von 6h nicht überschreiten
  • Bei Myokardinfarkt gilt die Empfehlung von 12h, wobei sich eine Lysetherapie mittels lokaler Katheterapplikation auch später noch als sinnvoll erweisen kann. Hier gilt allerdings die Abwägung zwischen therapeutischem Nutzen und Blutungskomplikation.

8 Kontraindikationen

Als absolute Kontraindikationen der Lysetherapie gelten:

Als relative Kontraindikationen der Lysetherapie gelten:

Bei akuter Lebensgefahr und therapeutischer Alternativlosigkeit existieren in der praktischen Umsetzung keine Kontraindikationen.

9 Neue Substanzen

Die bereits 1966 im Speichel der Vampirfledermaus (Desmodus rotundus) entdeckte Substanz Desmoteplase (ein hoch selektiver Plasminogenaktivator[1]) besitzt in Deutschland keine Zulassung. Der Entwicklungsprozess durch die Firma Lundbeck wurde 2014 unterbrochen.[2]

10 Einzelnachweise

  1. Renneberg & Süßbier: Biotechnologie für Einsteiger, Spektrum Akademischer Verlag, 3. Aufl.
  2. Lundbeck discontinues further development of desmoteplase; 2014 profit guidance range narrowed

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