Tenecteplase
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LoslegenHandelsname: Metalyse®
Definition
Tenecteplase ist ein Fibrinolytikum, das zur Auflösung von Thromben bei der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls sowie bei Myokardinfarkt eingesetzt wird.
Biochemie
Tenecteplase ist ein Protein, das mittels rekombinanter DNA-Technologie mit CHO-Zellen hergestellt wird. Es entsteht durch Modifizierung von natürlichem Gewebeplasminogenaktivator (t-PA) an drei Stellen der Proteinstruktur. Die Wirkstärke wird in Einheiten (U) angegeben. Diese beziehen sich auf einen Tenecteplase-spezifischen Referenzstandard und sind nicht mit den Einheiten anderer Fibrinolytika vergleichbar.
Wirkmechanismus
Tenecteplase ist ein rekombinanter fibrinspezifischer Plasminogen-Aktivator, der an den Fibrinbestandteil eines Thrombus bindet. Dort überführt er selektiv an den Thrombus gebundenes Plasminogen in Plasmin, welches das Fibringerüst des Thrombus abbaut. Tenecteplase weist eine höhere Fibrinspezifität als natürlicher t-PA auf und wird weniger durch den endogenen Plasminogenaktivator-Inhibitor 1 (PAI-1) inaktiviert.
Pharmakokinetik
Tenecteplase wird nach intravenöser Bolusgabe rasch aus dem Plasma eliminiert und zeigt eine biphasische Elimination. Die initiale Halbwertszeit beträgt etwa 20 bis 24 Minuten, die terminale Halbwertszeit etwa 90 bis 130 Minuten; die Plasma-Clearance liegt bei etwa 119 mL/min. Die Verteilungskomponente macht einen relevanten Anteil der Gesamtexposition aus. Im therapeutischen Dosisbereich ist die Clearance nicht dosisabhängig.[1] Klinisch relevante Einflussfaktoren auf die Eliminationskinetik wurden im zugelassenen Dosisbereich nicht beschrieben.[1]
Indikationen
Tenecteplase ist zugelassen bei Erwachsenen zur thrombolytischen Therapie:
- beim akuten ischämischen Schlaganfall (AIS) innerhalb von 4,5 Stunden nach dem letzten bekannten symptomfreien Zeitpunkt und nach Ausschluss einer intrakraniellen Blutung (Darreichungsform 5 000 U (25 mg) Tenecteplase)
- bei Verdacht auf akuten Myokardinfarkt mit andauernder ST-Streckenhebung oder frischem Linksschenkelblock innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn eines akuten Herzinfarkts (Darreichungsformen 8 000 U (40 mg) und 10 000 U (50 mg) Tenecteplase)[2]
Nach der Stellungnahme der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft kommt Tenecteplase beim akuten ischämischen Schlaganfall im 4,5-Stunden-Zeitfenster als Alternative zu Alteplase in Betracht, insbesondere bei zusätzlich geplanter endovaskulärer Schlaganfalltherapie. Damit bestätigt die Fachgesellschaft die entsprechende Empfehlung der S2e-Leitlinie von 2022.[3][4]
Darreichungsform
Tenecteplase ist als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung in unterschiedlichen Wirkstärken verfügbar, darunter 5 000 U (25 mg) sowie 8 000 U (40 mg) und 10 000 U (50 mg).[1] Das Pulver wird mit dem mitgelieferten Lösungsmittel rekonstituiert. Die fertige Lösung wird als Bolus über etwa 5 bis 10 Sekunden appliziert.[1]
Dosierung
Beim akuten ischämischen Schlaganfall beträgt die empfohlene Dosis 0,25 mg/kg Körpergewicht, die Maximaldosis liegt bei 25 mg.[1] Beim akuten Myokardinfarkt richtet sich die Dosis ebenfalls nach dem Körpergewicht:
- < 60 kg: 30 mg
- 60–< 70 kg: 35 mg
- 70–< 80 kg: 40 mg
- 80–< 90 kg: 45 mg
- > 90 kg: 50 mg
Die Gabe erfolgt ebenfalls als einmaliger intravenöser Bolus.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Unter Tenecteplase können folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Sehr häufig (≥ 1/10): Blutungen; beim Schlaganfall außerdem intrakraniale Blutungen[2]
- Häufig (≥ 1/100, < 1/10): Epistaxis, gastrointestinale und urogenitale Blutungen, Blutergüsse, Blutungen an Injektions- und Punktionsstellen
- Gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100): Augenblutungen, retroperitoneale Blutungen; beim Myokardinfarkt außerdem intrakranielle Blutungen und Reperfusionsarrhythmien
- Selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000): anaphylaktoide Reaktionen, perikardiale und pulmonale Blutungen, Embolien, Hypotonie
- Häufigkeit nicht bekannt: Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Körpertemperatur, Fettembolie
Wechselwirkungen
Arzneimittel, welche die Gerinnung oder die Thrombozytenfunktion beeinflussen, erhöhen das Blutungsrisiko. Das gilt auch für Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten. ACE-Hemmer können das Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen wie Angioödeme erhöhen.
Bei einer Behandlung mit Anti-Amyloid-Antikörpern besteht wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko intrakranieller Blutungskomplikationen unter Thrombolyse. Nach dem gemeinsamen Fachgesellschaftskonsens erfordert eine intravenöse Thrombolyse bei diesen Patienten eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung. Zuvor sollte eine kranielle MRT zum Ausschluss amyloidassoziierter Bildgebungsanomalien (ARIA) erfolgen.[5]
Kontraindikationen
Tenecteplase ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, einen der Hilfsstoffe oder Gentamicin (Spurenrückstand aus dem Herstellungsprozess). Außerdem ist es bei allen Zuständen mit erhöhtem Blutungsrisiko kontraindiziert, insbesondere bei:
- Blutungen und Gerinnungsstörungen: schwere Blutung in den letzten 6 Monaten, hämorrhagische Diathese, wirksame Antikoagulation
- Vorerkrankungen des Zentralnervensystems: z.B. Hirntumoren, Aneurysma
- Kürzliche Eingriffe oder erlittene Verletzungen: intrakranielle oder intraspinale Operationen, große Operation oder schweres Trauma in den letzten 2 Monaten, Kopfverletzung
- Gefäß- und Organerkrankungen mit Blutungsgefahr: Aneurysma, arteriovenöse Malformation, aktive ulcerative gastrointestinale Erkrankung, schwere Leberfunktionsstörung, Neoplasmen mit erhöhtem Blutungsrisiko
- Entzündungen: bakterielle Endokarditis, Perikarditis, akute Pankreatitis
- Schwere, nicht kontrollierbare Hypertonie
Zulassung
Tenecteplase ist unter dem Handelsnamen Metalyse® seit dem 23. Februar 2001 in der EU zugelassen. Zulassungsinhaber ist die Boehringer Ingelheim International GmbH.
Literatur
- Boehringer Ingelheim; Fachinformation Metalyse® 5 000 U (25 mg). Stand Juni 2025
- Boehringer Ingelheim; Fachinformation Metalyse® 8 000 U (40 mg), 10 000 U (50 mg). Stand Juni 2025
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Metalyse 5 000 units (25 mg) powder for solution for injection - (emc), abgerufen am 21.10.2026
- ↑ 2,0 2,1 European Medicines Agency: Metalyse – EPAR Product Information, aktualisiert am 21.07.2026, abgerufen am 21.10.2026
- ↑ DGN und DSG: S2e-Leitlinie Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls, AWMF-Registernummer 030-046, Version 5.1, Stand November 2022, Gültigkeit verlängert bis 09.05.2026, abgerufen am 21.10.2026
- ↑ Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: Zulassung von Tenecteplase – DSG bezieht Stellung, 28.02.2024, abgerufen am 21.10.2026
- ↑ ÖGSF, DGN und DSG: Procedere bei Schlaganfallsymptomen unter Therapie einer Alzheimer Erkrankung mit Anti-Amyloid-Antikörpern, gemeinsame Stellungnahme, Dezember 2025, abgerufen am 21.10.2026