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Letale familiäre Insomnie

Synonyme: fatale familiäre Insomnie, maligne familiäre Insomnie
Englisch: Fatal familial insomnia, FFI

1 Definition

Die letale familiäre Insonmie, kurz FFI, ist eine seltene Form der übertragbaren spongiformen Enzephalopathie (TSE), die durch Prionen ausgelöst wird. Klinisch zeigen sich starke Schlafstörungen, die im weiteren Verlauf in einer vollkommenen Schlaflosigkeit (Insomnie) enden. Die Erkrankung führt meist innerhalb weniger Monate zum Tod.

2 Epidemiologie

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung mit einer Prävalenz von weniger als einem Betroffenen unter 1.000.000 Menschen. Weltweit sind nur etwa 50 bis 60 Familien bekannt, in deren Erbgut dieses Krankheitsbild codiert ist. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 51 Jahren.

3 Ätiologie

Es handelt sich um eine autosomal-dominante Erbkrankheit. Durch den dominanten Erbgang muss die Mutation nur auf einem der beiden weitergegebenen Allele vorliegen, damit sich die Erkrankung manifestiert. Die Nachkommen eines betroffenen Elternteils erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %.

4 Genetik

Bei dem Gendefekt handelt es sich um eine Punktmutation (von Asparaginsäure zu Asparagin) im Codon 178 des PRNP-Gens, das für das Prion-Protein kodiert. Die Mutation ist weiterhin mit einem Methionin-Codon in Position 129 assoziiert.

Hinweis: Befindet sich in Position 129 hingegen ein Valin-Codon, so manifestiert sich die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJK).

Die Veränderung hat eine nahezu hundertprozentige Penetranz.

5 Pathologie

Die letale familiäre Insomnie zählt zu den Prionenerkrankungen, bei denen es durch das veränderte Genmaterial zur Ausbildung von fehlerhaften Proteinen (Prionen) kommt. Sie entstehen durch eine Konformationsänderung des physiologischen Proteins PrPC (Alpha-Helix-Struktur) zur pathologischen Form PrPSc (Beta-Faltblatt-Struktur). Die Änderung der Tertiärstruktur bedingt eine Kettenreaktion, die dazu führt, dass es zu einer Akkumulation und Aggregation des fehlgefalteten Proteins in Form von spongiformen Fibrillen und Amyloid-Plaques kommt.

Histologische Untersuchungen zeigen eine starke Abnahme der Neuronendichte im Bereich der Thalamuskerne (insbesondere des Nucleus ventralis anterior und des Nucleus ventralis posteromedialis) und eine Gliose des zerebralen Kortex. Es kommt zu spongiformen (schwammartigen) Veränderungen der Hirnsubstanz sowie zu histologisch nachweisbaren Prionenablagerungen.

6 Klinik

Die Erkrankung zeigt sich zunächst durch immer stärker werdende Einschlafstörungen mit daraus resultierender Tagesschläfrigkeit. Betroffene schlafen immer weniger, ehe die Fähigkeit zum Schlaf gänzlich erlischt (Insomnie).

Darüber hinaus treten unwillkürliche Muskelzuckungen (Faszikulationen, Myoklonien), Ataxie, Tremor und Dysarthrie auf. Es kommt zu Gedächtnisstörungen, jedoch zu keiner Demenz.

Im Verlauf manifestieren sich weiterhin vegetative Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Körpertemperaturschwankungen und starke Blutdruckänderungen (autonome Dysfunktion mit Sympathikusüberfunktion). Zusätzlich kommt es zu einer Dysregulation des zirkadianen Rhythmus von ACTH, Kortison, STH und Melatonin.

Betroffene leiden unter traumähnlichen Zuständen, in denen sie nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden können (oneiroide Phasen). Ebenso treten Halluzinationen auf.

Im Terminalstadium fällt der Erkrankte in ein Koma. Die Krankheit führt in etwa 6 bis 32 Monaten zum Tod.

7 Diagnose

Die Diagnosevermutung basiert zunächst auf dem Vorhandensein der charakteristischen Symptome. Ein Schlaf-EEG zeigt einen zunehmenden Verlust der Delta-Aktivität, dazu Spindeln und K-Komplexe.

Weiterhin werden in der Positronen-Emmisions-Tomographie strukturelle Veränderungen im Gehirn sichtbar. Die definitive Diagnose erfolgt durch den molekulargenetischen Nachweis der Mutation.

8 Therapie

Die letale familiäre Insomnie ist eine unheilbare und stets tödlich verlaufende Krankheit. Es gibt weder die Möglichkeit den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, noch ihr vorzubeugen. Lediglich einige Symptome, wie z.B. das Muskelzucken oder Halluzinationen können mit entsprechenden Medikamenten (Lorazepam, Neuroleptika) vermindert werden.

9 Literatur

  • A Hufschmidt, CH Lücking, S Rauer. Neurologie compact. Für Klinik und Praxis. 8. Auflage, Thieme (2020)
  • Orpha.net Familiäre fatale Insomnie, abgerufen am 08.03.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 8. März 2021 um 19:48 Uhr bearbeitet.

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