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Kopflaus

Synonym: Pediculus humanus capitis

1 Definition

Die Kopflaus ist ein Insekt aus der Familie der Menschenläuse (Pediculidae), welches als Ektoparasit im menschlichen Haupthaar lebt und sich von Blut ernährt.

Das Auftreten von Kopfläusen bei einem Menschen bezeichnet man medizinisch als Pediculosis capitis oder Kopflausbefall.

2 Eigenschaften

2.1 Morphologie

Die Kopflaus hat einen in dorsoventraler Richtung abgeplatteten Körper ist etwa 2,5 bis 3,5 mm lang. Sie besitzt am Kopf fünfgliedrige Antennen und einen kurzen Rüssel zum Saugen von Blut. Die Beine sind so geformt, dass sie der Laus das Festklammern und die Fortbewegen an menschlichen Haaren ermöglichen.

Die Farbe von Kopfläusen ist transluzent bis grau-weiss, kann sich nach der Blutmahlzeit durch das aufgenommene Hämoglobin jedoch hin zu rot-braun verändern.

2.2 Lebensbedingungen

Die optimale Umgebungstemperatur für das Überleben der Läuse beträgt 28° C. Am behaarten Kopf findet die Kopflaus daher optimale Lebensbedingungen. Die Kopflaus ernährt sich ausschliesslich von Blut, welches sie von der Kopfhaut des befallenen Menschen saugt. Die Blutmahlzeiten haben einen Rhythmus von etwa 2-3 Stunden. Die Kopflaus sticht ihren Stechrüssel zum Blutsaugen einfach in die Kopfhaut ein und verhindert die Blutgerinnung durch die Absonderung von Speichel.

Wenn die Laus keine Nahrung mehr findet, trocknet sie nach einigen Tagen aus.

2.3 Fortpflanzung

Eine geschlechtsreife weibliche Kopflaus legt täglich etwa vier bis zehn Eier ab - während ihres Lebens kann sie insgesamt zwischen 200 und 300 Eiern produzieren. Die Eier werden als Nissen bezeichnet und sind kleine, 0,7 - 0,9 mm lange, ovale Gebilde von grauweißer bis durchsichtiger Farbe. Sie werden von der Kopflaus in der Nähe der Haarwurzel an das Haar geklebt und umschlingen das wachsende Haar äußerst fest. Sie können einzeln oder kaskadenartig am Haar angebracht sein. Nissen, die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, enthalten in der Regel keine Larven mehr, sind also auch nicht mehr infektiös.

Die Eiablage der Kopflaus ist an die Blutaufnahme und die Temperatur gekoppelt. Ohne Blutmahlzeit werden nach ca. 2 Tagen keine entwicklungsfähigen Eier mehr produziert. Auch wenn die Temperatur unter 12 °C abfällt, sistiert die Eiablage.

Die Larve der Kopflaus schlüpft nach etwa acht Tagen aus dem Ei. Sie häutet sich mehrfach und ist nach weiteren 8-12 Tagen geschlechtsreif. Auf diese Weise können sich Kopfläuse sehr schnell vermehren, da ungefähr alle drei Wochen eine neue Generation entsteht.

2.4 Lebensdauer

Weibliche Kopfläuse werden etwa 30 bis 35 Tage alt, Männchen leben deutlich kürzer und sterben nach etwa 14-16 Tagen.

3 Übertragung

Läuse werden durch direkten Kontakt zwischen behaarten Köpfen übertragen. Sehr selten können sie auch über Mützen, Kleidung, Kopfkissen oder persönliche Gebrauchsgegenstände (z.B. Haarbürsten) übertragen werden. Eine Übertragung über Möbel oder Teppiche ist hingegen die absolute Ausnahme.

Die persönliche Sauberkeit ist für die Übertragung nicht ausschlaggebend. Läuse befallen gewaschenes und ungewaschenes Haar.

3.1 Kopfläuse als Krankheitsübeträger

Kopfläuse können während des Saugens von Blut eine Reihe von bakteriellen Krankheitserregern auf den befallenen Menschen übetragen, darunter vor allem:

4 Symptome

Ein Kopflausbefall kann asymptomatisch sein, führt aber in der Regel zu einem unterschiedlich ausgeprägten Juckreiz der Kopfhaut. Er stellt eine Immunreaktion auf die im Läusespeichel enthaltenen Proteine dar und ist häufig die Ursache von sekundär auftetenden Exkoriationen durch Kratzen.

Ein hoher Läusebefall kann Entzündungen durch eine bakterielle Superinfektion der Kratzstellen oder ein Ekzem der Kopfhaut hervorrufen. Dabei ist der Aspekt des Haupthaars häufig verändert, da die Haare durch die zahlreichen Nissen verfilzen und dann - bei langen Haaren - einen so genannten Weichselzopf erzeugen.

In schweren Fällen treten auch putride Hautveränderungen auf, die dann mit einer Schwellung der regionären Lymphknoten einhergehen.

5 Therapie

Die Befallenen selbst und alle Kontaktpersonen müssen untersucht und bei Bedarf behandelt werden.

5.1 Chemische Entfernung

Kopfläuse können durch spezielle Insektizide, die so genannten Pedikulozide, wirksam bekämpft werden. Derartige chemische Stoffe enthalten beispielsweise Pyrethroide, ätherische Öle, Lindan (0,3%) oder auch Gamma-Chlor-Cyclohexan (z.B. Jakutin®-Gel).

Von den Pyrethtroiden sind in Deutschland zur Behandlung von Läusen folgende Substanzen zugelassen:

Die Pedikulozide sind entsprechend dem Beipackzettel anzuwenden und liegen in verschiedenen Anwendungsformen (Shampoo, Gel, Spray, Lösung) vor. Resistenzbildung ist möglich, daher kann unter Umständen die Anwendung eines zweiten Mittels notwendig werden.

Natürliche Pedikulozide wie Pflanzenextrakte aus Cocos oder Neem weisen manchmal eine ausreichende Wirksamkeit auf.

In den USA und vielen Ländern Europas ist Malathion, ein chemisches Derivat des E605, als Pedikulozid zugelassen. In Frankreich ist Ivermectin in der Therapie des Bandwurm medizinisch im Einsatz, das auch gute Wirksamkeit gegen Kopfläuse zeigt. Ivermectin wird oral eingenommen. Bei Kindern ist die Akzeptanz von Ivermectin gross, da nur kleine Tabletten eingenommen werden müssen und keine übel riechende Öle auf die Kopfhaut aufgetragen werden müssen.

Desweiteren wurde eine topisch aufzutragende Darreichungsform von Ivermectin erfolgreich erprobt, sie ist aber in Deutschland noch nicht zugelassen. Bestellungen können über die internationale Apotheke aufgegeben werden.

5.2 Mechanische Entfernung

Läuse und Nissen können durch intensive und wiederholte Kämmung mit speziellen feingliedrigen und dichten Nissenkämmen auch rein mechanisch aus den Haaren entfernt werden.

Dabei werden die Haare üblicherweise mit Essigwasser (1 Teil 10% Speiseessig + 2 Teile Wasser) befeuchtet und mit dem feinen Nissenkamm ausgekämmt. Als alleinige Maßnahme ist dieser Therapieansatz allerdings unsicher, da es schwierig ist, die Nissen vollständig zu entfernen.

Eine effektive, aber drastische Therapie stellt die Rasur der Kopfhaut dar. Sie entfernt sowohl die Nissen als auch die Kopfläuse. Bei Kindern sollte sie nur mit Bedacht eingesetzt werden, da in sie in der Regel eine psychische Belastung darstellt.

5.3 Weitere Maßnahmen

Häufig äußern betroffene Patienten bzw. deren Eltern Sorgen, dass sich die Läuse in Wohnung und Gebrauchsgegenständen verteilt haben und fürchten die weitere Übetragung oder die soziale Isolation aufgrund des Kopflausbefalls. Auch wenn die meisten dieser Sorgen unbegründet sind, können zur absolut sicheren Eliminierung von Läusen einige Maßnahmen empfohlen werden.

Kleider, Mützen und die Bettwäsche sollten bei 60° C für 30 min gewaschen werden. Alternativ können diese Gegenstände bei -10 ° C für zwei Tage im Gefrierfach aufbewahrt werden oder für ca. 4 Wochen in luftdichten Beuteln verpackt werden.

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