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Epidemisches Fleckfieber

Synonyme: Klassisches Fleckfieber, Läusefleckfieber, Läusefieber, Faulfieber, febris exanthemicus, Flecktyphus, Typhus exanthematicus, Hungertyphus, Kriegstyphus
Englisch: (epidemic) typhus

1 Definition

Das epidemische Fleckfieber ist eine von Läusen übertragene Infektion mit dem Erreger Rickettsia prowazekii.

2 Nomenklatur

Neben dem epidemischen Fleckfieber gibt es auch das durch Rickettsia typhi ausgelöste endemische Fleckfieber (murines Fleckfieber), das jedoch einen milderen Verlauf aufweist.

siehe auch: Fleckfieber

3 Epidemiologie

Das epidemische Fleckfieber findet sich vor allem in Krisen- bzw. Kriegsgebieten. 1997 kam es in einem Flüchtlingslager in Burundi zu einem Ausbruch, bei dem über 100.000 Menschen betroffen waren. In der USA wird der zoonotische Zyklus von Rickettsia prowazekii über Zwerggleithörnchen (Glaucomys volans), Läuse und Flöhe aufrechterhalten.

Nach Schätzungen der WHO stirbt einer von 5.000.000 Menschen pro Jahr an Fleckfieber. Die Erkrankung ist insgesamt auf dem Rückmarsch. Erkrankungen wurden in den letzten Jahren (Stand 2019) u.a. aus Burundi, Ruanda und Ethiopien sowie sporadisch aus Süd- und Mittelamerika gemeldet. Nach Deutschland importierte Fälle sind extrem selten.

4 Übertragung

Das epidemische Fleckfieber wird meist durch Kleider- bzw. Körperläuse (Pediculus humanus corporis) übertragen. Diese leben auf der Kleidung von Menschen vor allem in ärmlichen Gebieten mit schlechten hygienischen Bedingungen in kälteren Klimazonen. Die Läuse infizieren sich über eine Blutmahlzeit bei mit Rickettsien erkrankten Personen. Die Erreger vermehren sich in der Laus in den Epithelzellen des Darms. Während der nächsten Blutmahlzeit wird der infizierte Kot am folgenden Wirt abgesetzt und autoinokuliert. Die Laus stirbt infolge der Infektion.

5 Klinik

Die Inkubationszeit beträgt rund 1 - 2 Wochen. Darauf folgen unspezifische Prodromalsymptome:

Meist nach 5 Tagen kommt es zum Auftreten des typischen makulösen bis makulopapulösen Exanthems. Es besteht aus blassroten, bläulichen, teils konfluierenden Roseolen mit hämorrhagischem Zentrum, ausgehend vom Rumpf mit Ausbreitung auf die Extremitäten ohne Beteiligung der Fußsohlen und Handflächen. Auch das Gesicht bleibt in der Regel ausgespart. Ohne Therapie entstehen konfluierende Petechien. Bei dunkler Hautfarbe ist dieses Exanthem oft nicht sichtbar (spotless epidemic typhus).

Zu den weiteren Symptomen zählen:

Nicht selten kommt es zu Verwirrtheit und Koma. In schweren Fällen sind Hautnekrosen und interstitielle Pneumonien möglich. Unbehandelt entwickelt sich eine Niereninsuffizienz und 7 - 40 % der Patienten versterben.

Die durch das nordamerikanische Zwerggleithörnchen und seine Ektoparasiten übertragene Form des Fleckfiebers verläuft deutlich milder.

Die Erkrankung kann Jahre später rezidivieren, da sich der Keim latent im Knochenmark ansiedelt (Brill-Zinsser-Krankheit). In diesem Falle sind die Symptome allerdings deutlich milder.

6 Diagnose

Im Labor ist eine Leukopenie und Eosinophilie erkennbar. Die Erregeridentifizierung wird mit indirekter Immunfluoreszenz oder einem Agglutinationstest (Weil-Felix-Reaktion) durchgeführt.

7 Differentialdiagnosen

8 Therapie

9 Prävention

Die Bekämpfung der Kleiderlaus durch Einsatz von Insektiziden und hygienische Maßnahmen ist die wichtigste präventive Maßnahme. In Deutschland besteht bei direktem oder indirektem Erregernachweis in Verbindung mit einer akuten Infektion eine Meldepflicht (§7 IfSG).

10 Bioterrorismus

Rickettsien sind potenzielle Agenzien für bioterroristische Zwecke. Infektionen mit R. prowazekii haben eine hohe Letalität, verursachen schwer diagnostizierbare Krankheitsbilder und sind hochinfektiös, wenn sie als Aerosole eingeatmet werden. Zudem existieren im Labor gezüchtete Tetracyclin- und Chloramphenicol-resistente Stämme.

11 Literatur

  • Andermann T, Suttorp N. Epidemisches Fleckfieber. In: Suttorp N et al., Harrisons Innere Medizin. 19. Aufl. Berlin: ABW Wissenschaftsverlag; 2016

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