Japanische-Enzephalitis-Virus
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LoslegenSynonyme: JE-Virus, Japanisches-Enzephalitis-Virus, Orthoflavivirus japonicum
Englisch: japanese encephalitis virus, JEV
Definition
Das Japanische-Enzephalitis-Virus, kurz JEV, ist ein Arbovirus, das durch Stechmücken auf den Menschen übertragen wird und die Tropenkrankheit Japanische Enzephalitis auslösen kann.
Taxonomie
- Bereich: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Kitrinoviricota
- Klasse: Flasuviricetes
- Ordnung: Amarillovirales
- Familie: Flaviviridae
- Gattung: Orthoflavivirus
- Art: Orthoflavivirus japonicum
- Gattung: Orthoflavivirus
- Familie: Flaviviridae
- Ordnung: Amarillovirales
- Klasse: Flasuviricetes
- Phylum: Kitrinoviricota
- Reich: Orthornavirae
Die Gattung wurde 2023 durch die ICTV von Flavivirus in Orthoflavivirus umbenannt. Die Art trägt seither den Binärnamen Orthoflavivirus japonicum, der gebräuchliche Virusname bleibt unverändert.[1]
Zur Gattung der Orthoflaviviren gehören auch das Gelbfieber-Virus, Dengue-Virus, Zika-Virus und West-Nil-Virus.
Morphologie
Das Japanische-Enzephalitis-Virus ist ein behülltes, einzelsträngiges RNA-Virus mit positiver Polarität. Das Virion hat einen Durchmesser von 35–50 nm und ist von einer Lipidhülle umgeben. Die RNA kodiert für drei Strukturproteine und sieben Nichtstrukturproteine. Anhand des Hüllprotein-(E-)Gens werden fünf Genotypen (GI–GV) unterschieden.
Vorkommen
Das JE-Virus ist in Asien weit verbreitet, vor allem in ländlichen Gebieten mit Schweinehaltung und Reisfeldern, die günstige Bedingungen für Stechmücken bieten. 2022 trat in Südost-Australien erstmals ein größerer autochthoner Ausbruch auf dem Festland auf (Genotyp IV), mit über 40 gemeldeten Humanfällen, mehreren Todesfällen und Virusnachweis in zahlreichen Schweinebetrieben.[2]
Unter den humanpathogenen Orthoflaviviren besitzt das JE-Virus eine hohe Pathogenität; nach WHO-Schätzungen verursacht es weltweit jährlich rund 68.000 klinische Enzephalitis-Fälle.[3]
Übertragung
Natürliche Reservoire sind vor allem Vögel. Schweine fungieren als wesentliche Amplifikationswirte, während Mensch und Pferd Fehlwirte sind. Als Vektor dienen Stechmücken der Gattung Culex, insbesondere Culex tritaeniorhynchus. Die Mücken brüten vor allem in Reisfeldern, infizieren sich beim Stich an den Tieren und übertragen das Virus durch einen weiteren Stich auf den Menschen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Nach Replikation an der Inokulationsstelle befällt das JE-Virus die regionalen Lymphknoten und erreicht nach virämischer Ausbreitung das zentrale Nervensystem. In den Neuronen führt die Virusreplikation zum Untergang der Zellen, zu Nekrosen und zum Bild der Enzephalitis. Auch Leber, Niere und Muskeln können infiltriert werden.
Symptome
Die Inkubationszeit beträgt 5–15 Tage. Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild mit unspezifischen, grippalen Symptomen. Nur etwa 1 von 250 Infektionen führt zu einer symptomatischen Erkrankung: Nach einer ersten fieberhaften Phase treten plötzlich neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Meningismus, Paresen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma auf. Die Letalität schwerer Verläufe mit Enzephalitis liegt bei etwa 25 %. Bei rund der Hälfte der Überlebenden bleiben dauerhafte neurologisch-psychiatrische Schäden zurück.[3]
Diagnostik
- Klinisch:
- unspezifische Symptomatik
- Laborchemisch:
- Leukozytose
- IgM-Antikörper in der akuten Infektion, im Verlauf IgG-Antikörper in Serum oder Liquor
- Liquorpunktion: Proteinerhöhung
- Mikrobiologisch:
- Direktnachweis mittels PCR aufgrund der kurzen virämischen Phase oft nicht möglich
- Radiologisch:
Therapie
Eine kausale, antivirale Therapie der Japanischen Enzephalitis steht derzeit (2026) nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch mit dem Ziel, Komplikationen wie Sekundärinfektionen zu vermeiden.
Prophylaxe
Grundlegende Maßnahmen zielen auf die Mückenbekämpfung in Endemiegebieten. Für Einzelpersonen empfiehlt das Robert Koch-Institut neben der Expositionsprophylaxe eine Impfung vor Reisen in Endemiegebiete sowie für Laborpersonal mit Umgang mit vermehrungsfähigen JE-Viren. In Deutschland ist der inaktivierte Impfstoff Ixiaro® ab einem Alter von zwei Monaten zugelassen und wird zweimalig im Abstand von vier Wochen intramuskulär appliziert. Eine Auffrischungsimpfung wird je nach Indikationsgruppe bei fortbestehendem Expositionsrisiko empfohlen.[4]
Quellen
- ↑ Postler TS, Kuhn JH et al. Renaming of the genus Flavivirus to Orthoflavivirus and extension of binomial species names within the family Flaviviridae. Arch Virol. 2023.
- ↑ WHO. Japanese Encephalitis – Australia. Disease Outbreak News, 2022.
- ↑ 3,0 3,1 Gundamraj V, Hasbun R. Viral meningitis and encephalitis: an update. Curr Opin Infect Dis. 2023;36(3):177–185.
- ↑ Robert Koch-Institut. Schutzimpfung gegen Japanische Enzephalitis: Häufig gestellte Fragen.
Literatur
- Meyding-Lamadé U et al. Gewinner der Globalisierung: Dengue-Viren und Japanisches Enzephalitisvirus – Erkrankungen in der Neurologie. Nervenarzt. 2018.