Gelbfieber-Virus
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LoslegenSynonym: Orthoflavivirus flavi
Englisch: yellow fever virus, YFV
Definition
Das Gelbfieber-Virus ist ein einzelsträngiges (+)-Strang-RNA-Virus ((+)ssRNA) aus der Familie der Flaviviridae. Es wird durch Stechmücken übertragen und kann beim Menschen Gelbfieber auslösen. Affen in den tropischen Wäldern Afrikas und Südamerikas bilden das Hauptreservoir des Erregers.
Taxonomie
- Bereich: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Kitrinoviricota
- Klasse: Flasuviricetes
- Ordnung: Amarillovirales
- Familie: Flaviviridae
- Gattung: Orthoflavivirus
- Art: Orthoflavivirus flavi
- Gattung: Orthoflavivirus
- Familie: Flaviviridae
- Ordnung: Amarillovirales
- Klasse: Flasuviricetes
- Phylum: Kitrinoviricota
- Reich: Orthornavirae
Das Gelbfieber-Virus ist die Typusart der Gattung und Namensgeber der Familie (lat. flavus = gelb). Im Rahmen der ICTV-Reform 2023 wurde die Gattung Flavivirus in Orthoflavivirus umbenannt und die Art als Orthoflavivirus flavi geführt. Der gebräuchliche Virusname „Gelbfieber-Virus" bleibt unverändert.[1]
siehe auch: Virustaxonomie
Morphologie
Das sphärische Virion hat einen Durchmesser von ungefähr 40–50 nm und eine ikosaedrische Symmetrie. Das Kapsid wird von einer Membran umhüllt, die von der Wirtszelle abgeleitet ist. In sie sind die Strukturproteine M und E eingelagert.
Das etwa 11 kb große Genom kodiert ein einzelnes Polyprotein, das nach der Translation durch virale und zelluläre Proteasen in drei Strukturproteine (C, prM/M und E) sowie sieben Nichtstrukturproteine (NS1 bis NS5) gespalten wird. Die Strukturproteine bilden das Kapsid und die Virushülle, während die Nichtstrukturproteine an der RNA-Replikation, der Polyproteinprozessierung und der Modulation der Wirtszellantwort beteiligt sind.
Vor allem das Protein E ist auf der Oberfläche des Virions prominent und wirkt als Antigen. Protein E besteht aus drei Domänen. Antikörper werden vor allem gegen die oberflächlich gelegene Domäne III (DIII) und gegen den funktionell wichtigen fusion loop auf Domäne II (DII) gebildet.
Übertragung
Das Gelbfieber-Virus wird durch den Stich infizierter Mücken übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Es bestehen drei Übertragungszyklen:
- sylvatischer (Dschungel-)Zyklus: zwischen Affen und baumkronenbewohnenden Mücken – in Südamerika Haemagogus- und Sabethes-Arten, in Afrika Aedes africanus
- intermediärer (Savannen-)Zyklus: nur in Afrika, über Aedes-Arten, mit Übertragung zwischen Affen und Menschen
- urbaner Zyklus: von Mensch zu Mensch über den Vektor Aedes aegypti
Cave: Bei der Pflege Gelbfieberkranker ist auf den Schutz vor Nadelstich- und Blutkontakten zu achten.[2]
Infektion
Das Virus infiziert Monozyten, Makrophagen, dendritische Zellen und andere Körperzellen. Es heftet sich über noch nicht eindeutig identifizierte Rezeptoren an die Zelloberfläche und wird in Form eines Endosoms aufgenommen. Der saure pH-Wert im Endosom führt zur Fusion von Endosomenmembran und Virushülle, sodass das Kapsid in das Zytosol gelangt, dort zerfällt und sein Genom freigibt.
Klinik
Nach einer Inkubationszeit von etwa 3–6 Tagen verläuft die Infektion häufig mild oder asymptomatisch. Bei symptomatischen Verläufen tritt zunächst eine akute Phase mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Bradykardie auf. Ein Teil der Erkrankten geht nach einer kurzen Remission in eine toxische Phase über, die durch Ikterus, hämorrhagische Diathese, Leberversagen und Nierenversagen gekennzeichnet ist und eine hohe Letalität aufweist. Eine spezifische antivirale Therapie existiert bislang (2026) nicht. Die Behandlung ist symptomatisch.
siehe Hauptartikel: Gelbfieber
Prophylaxe
Zur Verfügung steht ein Lebendimpfstoff auf Basis des attenuierten Stammes 17D. Nach Bewertung der WHO (2013/2014) vermittelt bereits eine einmalige Impfung einen lebenslangen Schutz. Seit der Anpassung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) 2016 ist die internationale Impfbescheinigung lebenslang gültig, eine routinemäßige Auffrischung ist nicht erforderlich. In einigen Ländern ist die Impfung Einreisevoraussetzung. In Deutschland darf sie nur an ausgewiesenen Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt werden.[3][4]
Quellen
- ↑ Postler TS, Kuhn JH et al. Renaming of the genus Flavivirus to Orthoflavivirus and extension of binomial species names within the family Flaviviridae. Arch Virol. 2023.
- ↑ Centers for Disease Control and Prevention. Yellow Fever – CDC Yellow Book. 2026.
- ↑ World Health Organization. Yellow fever – Fact sheet. 2025.
- ↑ Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Gelbfieber.