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Reservoirwirt

1 Definition

Reservoirwirt ist ein Begriff aus der Infektiologie. Im Hinblick auf humanpathogene Erreger ist ein Reservoirwirt eine Wirbeltierspezies, die in einer bestimmten Region

  • als Population auf Dauer ebenfalls durch den Erreger infiziert ist und
  • von der aus der Erreger auf den Menschen übertragen werden kann.

2 Hintergrund

Für die Klassifizierung als Reservoirwirt ist es irrelevant, ob ein Wirt durch den Erreger selbst erkrankt ist oder ob der Erreger für den Wirt tödlich sein kann. Entscheidend ist, dass der Erreger in einer Wirtspopulation auf Dauer überlebt bzw. fortbesteht.

Der Begriff Reservoirwirt wird vor allem für Infektionskrankheiten verwendet, die durch Vektoren übertragen werden. Durch die Definition wird festgelegt, dass die Vektoren selbst (im Allgemeinen Arthropoden) keine Reservoirwirte sind. In WHO-Veröffentlichungen werden pro Region Reservoirwirte und Vektoren stets getrennt aufgeführt. Der Begriff Reservoirwirt ist damit durch seine Beschränkung auf Wirbeltiere auch konsistent zur WHO-Definition des Begriffs Zoonose.

Über die Reservoirwirte können dauernd Neuinfektionen des Menschen ausgelöst werden. Eine nachhaltige Bekämpfung der Infektionskrankheit muss deshalb die Bekämpfung der Krankheit bei den Reservoirwirten (Reservoirkontrolle – Behandlung, Impfung, Keulen) einschließen. Bei durch Vektoren übertragenen Krankheiten kann zusätzlich der Vektor bekämpft werden (Vektorkontrolle, z.B. durch Innenraumbesprühung mit Residualeffekt bei endophilen Vektoren).

3 Beispiele

  • Verschiedene Ratten sind Reservoirwirte des Bakteriums Yersinia pestis, dem Erreger der Pest. Vektor ist der Rattenfloh.
  • Vektoren des Bakteriums Borrelia burgdorferi sensu stricto, dem Erreger der Lyme-Borreliose in den USA und Europa, sind verschiedene Zecken, z.B. der Gemeine Holzbock. Reservoirwirte sind verschiedene Kleinsäugetiere, vor allem Kleinnager (Zecken-Larve), sowie größere Säugetiere, Vögel und Eidechsen (Zecken-Nymphe, verantwortlich für mehr als 2/3 aller Zecken-Bisse). Auch Rehwild, Rotwild sowie Hund und Pferd werden durch adulte Zeckenweibchen infiziert. Ihre Rolle als Reservoirwirt dürfte jedoch im Hinblick auf die Übertragung des Erregers auf den Menschen von geringerer Bedeutung sein.

4 Andere Definitionen

Anstelle des Menschen ließe sich z.B. in der Veterinärmedizin auch eine andere Wirbeltierspezies ins Zentrum einer ansonsten gleichartigen Definition des Reservoirwirts stellen.

Von der Überlebensstrategie des Erregers her kann ein Reservoirwirt einfach als Wirbeltierspezies definiert werden, die in einer bestimmten Region als Population auf Dauer durch den Erreger infiziert ist. Die Gesamtheit der Wirte, das Wirtsreservoir, ist entscheidend für das Überleben der Erreger. Die Erreger überdauern im Wirtsreservoir, von dem aus sie fortlaufend andere Wirte infizieren können. Es gibt jedoch auch Erreger, die nur über genau einen Reservoirwirt im Sinne dieser Definition verfügen.

siehe auch: FlexiEssay: Reservoirwirt - Trypanosomatiden für eine Definition des Reservoirwirts, die auch einige Besonderheiten der Eigenschaften von Leishmanien-Wirten einschließt. Der Text enthält eine Reihe von Beispielen für Reservoirwirte von Trypanosomatiden.

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