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Indikationsimpfung

1 Definition

Als Indikationsimpfungen werden Impfungen bezeichnet, die im Gegensatz zu Standardimpfungen nur unter bestimmten Bedingungen bzw. nur für bestimmte Personengruppen empfohlen werden. Die Empfehlungen werden von der STIKO ausgesprochen.

2 Indikationen

Grundsätzlich werden Indikationsimpfungen empfohlen für Risikogruppen bei individuell (nicht beruflich) erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter (I). Weiterhin gibt es Indikationsimpfungen aufgrund von Reisen (R) sowie aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos (B). Nach aktuellem Stand (2019) sind folgende Indikationsimpfungen empfohlen:[1]

Impfung gegen Indikation
Cholera
  • R: Aufenthalt in Infektionsgebieten
FSME
  • I: Zeckenexponierte in Risikogebieten (insbesondere Baden-Württemberg und Bayern)
  • B: Berufsgruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko (z.B. Förster)
  • R: Zeckenexposition in Risikogebieten außerhalb Deutschlands
Gelbfieber
  • R: Vor Aufenthalt in Endemiegebieten im tropischen Afrika und in Südamerika (bzw. entsprechend den Anforderungen eines Impfnachweises der Ziel- oder Transitländer)
  • B: Berufsgruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko (z.B. Labormitarbeiter)
Haemophilus influenzae
Typ B
Hepatitis A
  • I: Personen mit einem Sexualverhalten mit erhöhtem Expositionsrisiko
  • I: Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen (z.B. i.v.-Drogenkonsumierende, Personen mit Hämophilie)
  • I: Bewohner von psychiatrischen Einrichtungen
  • B: Personen mit erhöhtem beruflichen Risiko (medizinisches Personal, Abwasserdienst (z.B. Klärwerke, Kanalisationseinrichtungen, Tätigkeit in Kindertagesstätten, Kinderheimen, Asylbewerberheimen, Behindertenwerkstätten u.a.)
  • R: Reisende in Regionen mit hoher Inzidenz
Hepatitis B
  • I: Personen mit bevorstehender oder zu erwartender Immundefizienz oder -suppression (z.B. HIV-Positive, Dialysepatienten)
  • I: Personen mit erhöhtem nichtberuflichen Expositionsrisiko (i.v.-Drogenkonsumierende, Kontakt zu HBsAg-Trägern in Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, Strafgefangene)
  • B: Personen mit erhöhtem beruflichen Expositionsrisiko (z.B. medizinisches Personal, Polizisten, Strafgefangene, Personen in Asylbewerberheimen)
  • R: Reiseindikation nach individueller Gefährdungsbeurteilung
Herpes zoster
  • I: Personen ab 50 Jahren mit schwerer Grundkrankheit
Influenza
  • I: Schwangere ab 2. Trimenon (bei erhöhter gesundheitlicher Gefärdung infolge einer Grunderkrankung schon ab 1. Trimenon)
  • I: Personen ab 6 Monate mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (z.B. Asthma bronchiale, COPD, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, HIV-Infektion)
  • I: Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • I: Personen, die Risikopersonen gefährden können, da sie im gleichen Haushalt leben oder sie betreuen (Risikopersonen sind Personen mit Grundkrankheiten, bei denen die Influenza-Impfung reduziert wirkt, z.B. bei dialysepflichtiger Niereninsuffizienz, bei angeborener oder erworbener Immundefizienz)
  • B: Berufsgruppen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal, Personal in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr, Personen mit direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln)
  • R/I: Reisende ab 60 Jahren und die unter I genannten Personengruppen, die keinen aktuellen Impfschutz verfügen; für andere Personen individuell nach Risikoabwägung
  • I: Wenn eine schwere Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern zu erwarten ist
Masern
  • I: Bei bevorstehender Aufnahme bzw. Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung (z.B. Kita) ab dem Alter von 9 Monaten
  • I: Im Rahmen eines Ausbruchs für nach 1970 Geborene ab dem Alter von 9 Monaten mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder nur einer Impfung in der Kindheit, ggf. auch für Säuglinge im 6.–8. Monat nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (off-label)
  • B: Nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder nur einer Impfung in der Kindheit, die im Gesundheitsdienst, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in der Betreuung von immundefizienten Personen tätig sind
Meningokokken
  • I: Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion (u.a. Komplementdefizienz, Eculizumab-Therapie, Hypogammaglobulinämie, anatomischer oder funktioneller Asplenie)
  • I: Bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen je nach Empfehlung der Gesundheitsbehörden
  • B: Laborpersonal bei Arbeiten mit dem Risiko eines Neisseria meningitidis-haltigen Aerosols
  • R: Reisende in Länder mit epidemischem Vorkommen, v.a. bei engem Kontakt zu Einheimischen (z.B. Entwicklungshelfer, medizinisches Personal, Langzeitaufenthalt), vor Pilgerreise nach Mekka
Mumps
  • B: Nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, die in Gesundheitsdienstberufen in unmittelbaren Patientenversorgung, in Gemeinschafts- oder Ausbildungseinrichtungen für jung Erwachsene tätig sind
Pertussis
  • I: Frauen im gebährfähigen Alter, die in letzten 10 Jahren keine Impfung bekommen haben
  • I: Enge Haushaltskontaktpersonen und Betreuende eines Neugeborenen, die in letzten 10 Jahren keine Impfung bekommen haben (spätestens 4 Wochen vor Geburt des Kindes)
  • B: Personal im Gesundheitsdienst und in Gemeinschaftseinrichtungen, die in letzten 10 Jahren keine Impfung bekommen haben
Pneumokokken
  • I: Personen mit erhöhter Gefährdung infolge eines angeborenen oder erworbenen Immundefekts (incl. neoplastische Krankheiten, HIV-Infektion, nach Knochenmarktransplantation, chronische Nieren-, chronische Leberinsuffizienz)
  • I: Personen mit erhöhter Gefährdung aufgrund von chronischen Krankheiten (z.B. Asthma, COPD, Diabetes mellitus, Zerebralparesen, Anfallsleiden)
  • I: Personen mit erhöhter Gefährdung aufgrund von anatomischen und Fremdkörper-assoziierten Risiken für eine Pneumokokken-Meningitis (z.B. Liquorfistel, Cochlea-Implantat)
  • B: Berufliche Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Metallrauch (Schweißen, Trennen von Metallen)
Poliomyelitis
  • I: Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko je nach aktueller epidemischer Situation
  • I: Aussiedler, Flüchtlinge und Asylsuchende in Gemeinschaftsunterkünften, die aus Gebieten mit Infektionsrisiko einreisen
  • B: Personal entsprechender Einrichtungen (z.B. Asylbewerberheim), medizinisches Personal, Laborpersonal bei Infektionsrisiko
Röteln
  • I: Frauen im gebährfähigen Alter mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung
  • B: Personen ohne Impfung in Einrichtungen der Pädiatrie, Geburtshilfe und Schwangerenbetreuung oder in Gemeinschaftseinrichtungen
Tollwut
  • B: Tierärzte, Jäger, Forstpersonal, Kontakt zu Fledermäuse, Laborpersonal mit Expositionsrisiko gegenüber Tollwutviren
Typhus
  • R: Reisende in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen
Varizellen
  • I: Seronegative Frauen mit Kinderwunsch oder vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation
  • I: Empfängliche Personen mit schwerer Neurodermitis (Empfängliche Personen bedeutet: Keine Impfung und anamnestisch keine Varizellen oder kein Nachweis spezifischer Antikörper)
  • I: Empfängliche Personen mit engem Kontakt zu beiden zuvor Genannten
  • B: Seronegatives Personal im Gesundheitsdienst sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter

3 Quelle

  1. Epidemiologisches Bulletin Nr.34, 23. August 2018, abgerufen am 17.06.2019

Fachgebiete: Immunologie

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