Chronische Hepatitis
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LoslegenEnglisch: chronic hepatitis
Definition
Als chronische Hepatitis wird eine Leberentzündung (Hepatitis) bezeichnet, die länger als sechs Monate andauert.
Ätiologie
Chronische Verläufe einer Hepatitis können verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten kommen sie bei bestimmten Formen der Virushepatitis und bei chronischem Alkoholkonsum vor.
- Virusinduzierte chronische Hepatitis
- Alkoholtoxischer Leberschaden bzw. Alkoholische Steatohepatitis (ASH)
- Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH)
- Arzneimittelinduzierter Leberschaden (DILI)
- Autoimmunhepatitis
Seltenere Ursachen sind Morbus Wilson, Hämochromatose oder Alpha-1-Antitrypsinmangel.
Pathophysiologie
Die persistierende Entzündungsreaktion führt zu einer Schädigung der Hepatozyten. Diese Schädigung aktiviert hepatische Sternzellen, die eine vermehrte Kollagen- und Matrix-Produktion induzieren. Dadurch entsteht eine Fibrose, die im weiteren Verlauf in eine Zirrhose übergehen kann.
Dies führt zu einer Einschränkung der Leberfunktion sowie zur Entwicklung einer portalen Hypertension. Darüber hinaus besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC).
Symptome
Das klinische Bild der chronischen Hepatitis ist variabel und hängt stark vom Stadium der Erkrankung ab. Zu den unspezifischen Symptomen zählen:
Bei fortgeschrittener Erkrankung können zudem folgende Symptome auftreten:
- Ikterus
- Druckgefühl oder Schmerzen im rechten Oberbauch
- Pruritus
- Aszites
- Spidernävi
- Palmarerythem
- Lackzunge
- Milchglasnägel
- Hämatomneigung (durch Gerinnungsstörung)
- hormonelle Veränderungen (z.B. Gynäkomastie)
- neurologische Symptome
Komplikationen
Es kann zu einer Reihe schwerwiegender Komplikationen kommen, dazu zählen:
- Leberfibrose
- Leberzirrhose
- Portale Hypertension
- Hepatische Enzephalopathie
- Leberversagen
- Hepatorenales Syndrom
- Hepatozelluläres Karzinom
Diagnostik
Die Diagnostik basiert auf einer Kombination aus Anamnese, Laboruntersuchungen, serologischen Tests und bildgebenden Verfahren. Definitionsgemäß liegt eine chronische Hepatitis vor, wenn eine Leberentzündung länger als sechs Monate besteht.
Körperliche Untersuchung
- Inspektion des Integuments auf Leberhautzeichen
- Palpation des Abdomens: Hepatomegalie, ggf. Splenomegalie
Labor
- Erhöhte Leberwerte (ALT, AST, GGT, ALP, Bilirubin)
- Hepatitis-Serologie (Anti-HAV IgM, Anti-HAV IgG, HBs-Ag, Anti-HBc, Anti-HCV, Anti-HEV IgM)
- Autoantikörper bei Verdacht auf Autoimmunhepatitis
- INR und Albumin zur Beurteilung der Leberfunktion
Bildgebung
- Ultraschall
- CT oder MRT bei Verdacht auf Komplikationen oder Tumoren
- Transiente Elastographie zur nichtinvasiven Abschätzung des Fibrosegrades
Pathohistologie
In unklaren Fällen kann eine Leberbiopsie zur histologischen Sicherung und Fibrosebeurteilung erforderlich sein.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch kommen andere Ursachen einer chronischen oder rezidivierenden Leberwerterhöhung bzw. Lebererkrankung in Betracht, darunter:
Therapie
Die Therapie der chronischen Hepatitis ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und von der auslösenden Ursache. Sie umfasst u.a. Allgemeinmaßnahmen (Ernährung, Diät, Alkoholkarenz), Virostatika und/oder Immunsuppressiva.
Prognose
Die Prognose hängt wesentlich von Ätiologie, Entzündungsaktivität und Fibrosestadium ab. Wird die chronische Hepatitis rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt, kann sich der Verlauf stabilisieren, in manchen Fällen bessert sich die Leberfunktion sogar deutlich. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sie schleichend fortschreiten und zur Leberzirrhose führen.