Fettleber
Synonyme: Fettlebererkrankung, Leberverfettung, hepatische Steatose, Steatosis hepatis, steatotische Lebererkrankung
Englisch: fatty liver, hepatic steatosis, steatotic liver disease (SLD)
Definition
Die Fettleber ist eine krankhafte Veränderung der Leber, bei der es zu einer vermehrten Einlagerung von Triglyceriden in die Hepatozyten kommt. Als Überbegriff für alle Fettlebererkrankungen – unabhängig von ihrer Ursache – dient die Bezeichnung steatotische Lebererkrankung, kurz SLD.
Terminologie
Die internationale Nomenklatur der steatotischen Lebererkrankungen wurde 2023/2024 aktualisiert. Der Begriff nichtalkoholische Fettlebererkrankung (engl. "non-alcoholic fatty liver disease", kurz NAFLD) wird zunehmend durch "metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease", kurz MASLD, ersetzt. Die frühere nichtalkoholische Steatohepatitis (engl. "non-alcoholic steatohepatitis", kurz NASH) heißt entsprechend "metabolic dysfunction-associated steatohepatitis", kurz MASH.
Als Oberbegriff dient steatotische Lebererkrankung (engl. "steatotic liver disease", kurz SLD). Dazu zählen neben MASLD und MASH noch:
- MetALD: metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholkonsum
- ALD: alkoholassoziierte steatotische Lebererkrankung.
Ätiologie
Ursächlich kommen verschiedene metabolische, toxische, ernährungsbedingte und medikamentöse Faktoren infrage. Häufige Ursachen bzw. Risikofaktoren sind:
- metabolisches Syndrom
- Adipositas
- Diabetes mellitus Typ 2
- Dyslipidämie
- Alkoholabusus
- Fehlernährung
- Medikamente, z.B.
- toxische Noxen
Seltener kann eine Steatose im Rahmen spezieller Erkrankungen oder Situationen auftreten, z.B. bei Virushepatitis, insbesondere Hepatitis C, Schwangerschaftsfettleber oder genetischen bzw. metabolischen Erkrankungen.
Einteilung
... nach Ätiologie
- ALD: alkoholassoziierte steatotische Lebererkrankung
- MASLD: metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung
- MetALD: metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholkonsum
- steatotische Lebererkrankung spezifischer Ätiologie, z.B. durch Medikamente, Mangelernährung, Virushepatitis oder genetische/metabolische Erkrankungen
... nach Ausmaß der Verfettung
- Grad 1: milde Fettleber mit Fetteinlagerung in weniger als einem Drittel der Hepatozyten
- Grad 2: mäßige Fettleber mit Fetteinlagerung in einem bis zwei Dritteln der Hepatozyten
- Grad 3: schwere Fettleber mit Fetteinlagerung in mehr als zwei Dritteln der Hepatozyten
... nach Entzündungsaktivität und Fibrosegrad
Liegt zusätzlich zur Steatose eine entzündliche Aktivität mit hepatozellulärem Schaden vor, spricht man bei metabolischer Genese von einer MASH.
Bei der histologischen Beurteilung werden neben der Steatose vorwiegend die Entzündungsaktivität, das Ballooning der Hepatozyten und der Fibrosegrad erfasst. Hierfür können Scores wie der NAFLD Activity Score (NAS) oder der SAF-Score verwendet werden. Der Fibrosegrad ist der wichtigste prognostische Faktor.
Klinik
Die Fettleber verläuft häufig asymptomatisch. Mögliche Symptome sind Müdigkeit, Leistungsminderung sowie ein Druckgefühl im rechten Oberbauch.
Die Erkrankung kann progredient verlaufen und zu Leberfibrose, Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom führen. Das wichtigste Mortalitätsrisiko bei MASLD stellen jedoch kardiovaskuläre Erkrankungen dar.
Diagnostik
Zur Basisdiagnostik zählen die Sonografie sowie die laborchemische Bestimmung der Leberwerte und metabolischen Risikofaktoren. Sonografisch zeigt sich die Fettleber typischerweise echoreich im Vergleich zur benachbarten Niere.
Zur nicht-invasiven Abschätzung einer Leberfibrose wird ein stufenweises Vorgehen empfohlen. Primär kommen serumbasierte Scores wie der FIB-4-Score oder der ELF-Test zum Einsatz. Bei erhöhtem Risiko kann ergänzend eine transiente Elastographie (FibroScan) durchgeführt werden.[1]
Eine Leberbiopsie ist insbesondere bei unklarer Genese, Verdacht auf fortgeschrittene Fibrose oder diskrepanten Befunden indiziert.
Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas oder metabolischem Syndrom sollten gezielt auf das Vorliegen einer MASLD untersucht werden.
Pathohistologie
Histologisch zeigt sich bei der Fettleber eine Akkumulation von Triglyceriden in den Hepatozyten. Dabei unterscheidet man eine mikrovesikuläre Verfettung von einer makrovesikulären Verfettung.
Bei der mikrovesikulären Verfettung finden sich zahlreiche kleine Fettvakuolen im Zytoplasma. Der Zellkern bleibt dabei meist zentral gelegen. Bei der makrovesikulären Verfettung wird der Zellkern durch eine große Fettvakuole an den Zellrand gedrängt. Die Fettvakuolen erscheinen im Routinepräparat optisch leer, da das Fett bei der histologischen Aufbereitung herausgelöst wird.
Eine makrovesikuläre Verfettung sieht man typischerweise bei chronischem Alkoholabusus, Diabetes mellitus, Adipositas und nach längerer Glukokortikoidgabe. Die mikrovesikuläre Verfettung ist typisch für akute Sonderformen der Fettleber, z.B. bei der Schwangerschaftsfettleber oder beim Reye-Syndrom.
Der Übergang von einer gesunden Leber zur Fettleber ist fließend. Histologisch spricht man in der Regel ab einer Steatose von mindestens 5 % der Hepatozyten von einer steatotischen Lebererkrankung.[2]
Therapie
Die Basistherapie der MASLD besteht in einer nachhaltigen Lebensstiländerung.
Empfohlen werden:
- Gewichtsreduktion
- regelmäßige körperliche Aktivität
- mediterrane Ernährung
- Reduktion von Fruktose- und Alkoholkonsum
Eine Gewichtsabnahme von ≥ 7–10 % kann zu einer Rückbildung der Steatohepatitis und teilweise auch der Fibrose führen.
Bei schwerer Adipositas kann eine bariatrische Chirurgie erwogen werden.
Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 haben GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Hemmer günstige Effekte auf Gewicht, Insulinresistenz und Leberverfettung. Sie sind jedoch keine Standardtherapie der MASLD.
Seit 2025 ist der TR-β-Agonist Resmetirom in Europa in Kombination mit Ernährung und Bewegung zur Behandlung Erwachsener mit nichtzirrhotischer MASH und mäßiger bis fortgeschrittener Leberfibrose zugelassen, entsprechend den Fibrosestadien F2 bis F3.[3]
Quiz
Quellen
- ↑ European Association for the Study of the Liver et al., EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD), Journal of Hepatology, 2024
- ↑ Rinella et al., A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature, Hepatology, 2023
- ↑ European Medicines Agency: Rezdiffra – EPAR Product Information. Online: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/rezdiffra
Bildquelle
- Bildquelle für Flexikon-Quiz: ©Vegan Liftz / Pexels