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Chloralose-Intoxikation (Hund)

Synonyme: Alpha(α)-Chloralose-Intoxikation, α-Chloralose-Vergiftung

1 Definition

Unter einer Chloralose-Intoxikation versteht man eine Vergiftung (Intoxikation) mit α-Chloralose-haltigen Rodentiziden beim Hund.

2 Chemie

α-Chloralose ist ein Kondensationsprodukt von Glukose und Chloralhydrat (Hypnotikum). Der Wirkstoff liegt in seiner reinen From als weißes, kristallines Pulver vor und weist optisch große Ähnlichkeiten mit Milchpulver auf. Er ist gut in Wasser, Alkohol, Äther oder Eisessig sowie in verschiedenen organischen Lösungsmitteln löslich.

3 Verwendung

α-Chloralose wird in Köderform (v.a. mit Mehl oder Getreide vermischt) als Rodentizid verwendet. Die Köder werden gezielt in der kalten Jahreszeit ausgelegt, weil α-Chloralose bei Nagetieren zu einem starken Abfall der Körpertemperatur führt.

4 Physiologie

Die Pharmakokinetik der α-Chloralose ist derzeit (2021) noch umstritten. Beim Tier wird der Wirkstoff zum größten Teil zu Trichlorethanol metabolisiert. Nur ein kleiner Teil der ursprünglich oral aufgenommenen α-Chloralose wird nicht verstoffwechselt und in freier Form mit dem Urin ausgeschieden.

Aus dem Zwischenprodukt Trichlorethanol wird in einem weiteren Umwandlungsprozess Trichloressigsäure. Diese organische Säure wird in der Leber glucuronidiert und als inaktive Urochloralsäure mit dem Urin ausgeschieden. Von der ursprünglich aufgenommenen Menge an α-Chloralose werden etwa 50 % innerhalb der ersten 24 Stunden umgewandelt und ausgeschieden. Der gesamte Wirkstoff wird binnen weniger Tage vollständig eliminiert.

5 Pathophysiologie

Sowohl α-Chloralose als auch Trichlorethanol wirken depressiv auf das Zentralnervensystem, v.a. in der Formatio reticularis. Da α-Chloralose gleichzeitig auch einen stimulierenden Effekt auf die spinalen Reflexe (Hyperreflexie) hat, können bereits kleinste taktile oder akustische Reize zu Krämpfen und Konvulsionen führen. Zusätzlich kann es zur bronchialen Hypersekretion mit konsekutiver Behinderung der Atmung kommen.

Da die Temperaturregulation stark beeinträchtigt wird, sind betroffene Tiere nicht mehr in der Lage ihre Körpertemperatur zu halten.

6 Toxizität

Die akuten oralen LD50-Werte liegen für Hunde im Bereich von 400 bis 600 mg/kgKG. Die LDLo liegt zwischen 600 und 1.000 mg/kgKG.

7 Klinik

Die ersten Symptome treten bereits 30 Minuten nach der Aufnahme auf - in manchen Fällen auch erst nach 4 Stunden.

α-Chloralose führt zu einem gestörten Allgemeinbefinden mit Depression, Somnolenz und Narkose-ähnlichen Zuständen. Es folgt Ataxie, Hypothermie und Koma. Durch den stimulierenden Effekt leiden betroffene Hunde an Tremor, Krämpfen und Hyperreflexie sowie an Hypersalivation.

8 Differenzialdiagnosen

Aufgrund der ähnlichen Symptomatik sind Intoxikationen mit folgenden Substanzen auszuschließen:

Zusätzlich sind neurologische Störungen aufgrund einer Enzephalitis sowie Polyneuritis und Tetanusinfektionen abzuklären.

9 Diagnose

Sowohl die Anamnese als auch die klinische Untersuchung und die typischen Symptome geben erste Hinweise für eine Verdachtsdiagnose. In unklaren Fällen kann ein α-Chloralose-Nachweis in Serum, Urin oder Mageninhalt mittels Gaschromatographie erfolgen.

10 Therapie

Akute Intoxikationen sind Notfälle und müssen umgehend intensivmedizinisch betreut werden. Neben der Stabilisierung des Kreislaufs müssen die Atmung gesichert und Krämpfe kontrolliert werden (ABCDE-Schema).

Anschließend folgt eine Dekontamination und Elimination des Giftes:

Begleitend sind symptomatische Maßnahmen zu treffen:

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

11 Quelle

12 Literatur

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3

Diese Seite wurde zuletzt am 7. Oktober 2021 um 17:30 Uhr bearbeitet.

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