Bundibugyo-Ebolavirus
Synonyme: Bundibugyo-Virus, Orthoebolavirus bundibugyoense, Bundibugyo ebolavirus
Englisch: Bundibugyo ebolavirus
Definition
Das Bundibugyo-Ebolavirus, kurz BDBV, ist ein RNA-Virus aus der Familie der Filoviridae, das zur Gattung Orthoebolavirus gehört. Es kann beim Menschen ein schweres hämorrhagisches Fieber verursachen. BDBV wurde erstmals im Jahr 2007 im Distrikt Bundibugyo im Westen Ugandas identifiziert.[1]
Taxonomie
Das Bundibugyo-Ebolavirus wird gemäß der ICTV-Nomenklatur wie folgt klassifiziert:
- Realm: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Negarnaviricota
- Klasse: Monjiviricetes
- Ordnung: Mononegavirales
- Familie: Filoviridae
- Gattung: Orthoebolavirus
- Art: Orthoebolavirus bundibugyoense
- Gattung: Orthoebolavirus
- Familie: Filoviridae
- Ordnung: Mononegavirales
- Klasse: Monjiviricetes
- Phylum: Negarnaviricota
- Reich: Orthornavirae
Innerhalb der Gattung Orthoebolavirus werden derzeit (2026) sechs Spezies unterschieden. Das Bundibugyo-Ebolavirus nimmt dabei eine intermediäre Stellung ein: Es verursacht zwar schwere Erkrankungen, die Fallsterblichkeitsrate liegt jedoch deutlich unter der des Ebola-Virus (Zaire).[2]
Morphologie
Wie alle Filoviren besitzt das Bundibugyo-Ebolavirus ein charakteristisch fadenförmiges Erscheinungsbild mit einer Länge von bis zu 14.000 nm bei einem Durchmesser von etwa 80 nm. Das Virion wird von einer Lipidhülle umschlossen, die das virale Glykoprotein (GP) trägt.
Das Genom ist ein einzelsträngiges, nicht-segmentiertes RNA-Molekül mit negativer Polarität und einer Länge von ca. 19 kb. Es kodiert für folgende Proteine:
- Nukleoprotein (NP): Hauptbestandteil des Nukleokapsids
- Virionen-Protein 35 (VP35): Suppression der angeborenen Immunabwehr
- Virionen-Protein 40 (VP40): Matrixprotein, essenziell für die Virusknospung
- Glykoprotein (GP): Vermittelt den Zelleintritt über NPC1-Rezeptoren
- Virionen-Protein 30 (VP30): Transkriptionsregulation
- Virionen-Protein 24 (VP24): Suppression der Interferon-Signalkaskade
- RNA-abhängige RNA-Polymerase (L-Protein)
Das GP des Bundibugyo-Ebolaviruses unterscheidet sich strukturell von dem des Ebola-Virus (Zaire) und ist Grundlage für Kreuzreaktivitätsstudien bei der Entwicklung panfiloviraler Therapeutika.[3]
Vorkommen
Das natürliche Reservoir des Bundibugyo-Ebolaviruses ist bisher (2026) nicht zweifelsfrei geklärt. Wie bei anderen Filoviren gelten Fledertiere (Chiroptera) als die wahrscheinlichsten Reservoirwirte, ohne selbst an der Infektion zu erkranken. Das Virus ist endemisch in Zentralafrika, wobei bislang (2026) dokumentierte Ausbrüche auf Uganda und die Demokratische Republik Kongo beschränkt blieben.[1]
Übertragung
Die Übertragung des Bundibugyo-Ebolaviruses erfolgt durch:
- direkten Kontakt mit infiziertem Blut, Körperflüssigkeiten oder Gewebe
- Kontakt mit verstorbenen Erkrankten im Rahmen traditioneller Bestattungsrituale
- nosokomiale Übertragung bei unzureichenden Schutzmaßnahmen
- möglicherweise durch den Kontakt mit infizierten Tieren (Spillover-Ereignis)
Eine Übertragung über die Atemluft ist unter natürlichen Bedingungen nicht beschrieben. Die Kontagiosität steigt mit dem Schweregrad der klinischen Erkrankung und dem Viämiegrad des Patienten.
Pathogenitätsfaktoren
Die molekulare Virulenz des Bundibugyo-Ebolaviruses beruht wie bei anderen Filoviren auf mehreren Mechanismen:
Das virale Glykoprotein ermöglicht nach Proteolyse durch zelluläre Cathepsine die Bindung an den intrazellulären NPC1-Rezeptor und die anschließende Membranfusion mit Endolysosomen. VP35 und VP24 antagonisieren gezielt die zelluläre Interferon-Antwort durch Blockade der IRF-3- bzw. STAT-Signalwege. Dadurch entsteht eine unkontrollierte Virusreplikation mit konsekutiver Dysregulation des Immunsystems, einem überschießenden Zytokinfreisetzungssyndrom ("Zytokinsturm") sowie einer disseminierten intravasalen Koagulopathie.[4]
Klinik
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 21 Tage (im Median etwa 6–12 Tage).
Symptome
Das klinische Bild der durch das Bundibugyo-Ebolavirus ausgelösten Erkrankung gleicht dem anderer hämorrhagischer Fieber. Es umfasst:
Frühe Phase (Tag 1–5):
- plötzlicher Fieberanstieg (> 38,5 °C)
- schweres Krankheitsgefühl, Myalgien, Arthralgien
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen, wässrige Diarrhoe
Fortgeschrittene Phase (ab Tag 5–7):
- makulopapulöses Exanthem
- gastrointestinale Blutungen
- hämorrhagische Manifestationen an Schleimhäuten
- Zeichen einer Leber- und Nierenfunktionsstörung
- neurologische Symptome (Verwirrtheit, Sopor)
- Schock und Multiorganversagen
Seroprävalenzstudien weisen darauf hin, dass ein geringer Anteil exponierter Personen auch asymptomatisch infiziert sein kann. Eine Metaanalyse zu Ebolavirusinfektionen zeigte bei Kontaktpersonen ohne bekannte Symptomatik eine gepoolte Seroprävalenz von 3,3 %.[5]
Diagnostik
Die labordiagnostische Sicherung erfolgt durch:
- RT-PCR: Methode der Wahl im akuten Krankheitsstadium; speziesspezifische Primer für BDBV verfügbar
- ELISA: Antigennachweis sowie Nachweis virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper
- Virusisolation: Anzucht in Biosicherheitsstufe-4-Laboren (BSL-4)
- Elektronenmikroskopie: Charakteristische fadenförmige Morphologie erkennbar
Die Diagnostik ist aufgrund der erforderlichen BSL-4-Bedingungen auf spezialisierte Referenzlabore beschränkt. Blutproben gelten bis zur Freigabe als hochinfektiöses Material.
Therapie
Eine spezifisch für das Bundibugyo-Ebolavirus zugelassene Therapie existiert bislang (Mai 2026) nicht. Die zugelassenen monoklonalen Antikörperpräparate Inmazeb® (Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab) und Ebanga® (Ansuvimab) sind ausschließlich für Zaire-Ebolavirus-Infektionen zugelassen.
Im Fokus der Forschung stehen panfilovirale breit neutralisierende Antikörper, die konservierte Epitope des Glykoproteins aller Ebolavirus-Spezies einschließlich BDBV erkennen. Strukturbiologische Untersuchungen haben dabei mehrere Angriffspunkte am Glykoprotein identifiziert, die für die Entwicklung von Therapeutika genutzt werden können.[3]
Die Behandlung stützt sich daher weiterhin auf intensivmedizinische Supportivmaßnahmen:
- Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten
- Behandlung von Blutungskomplikationen
- Analgesie und Antipyrese
- strikte Kontakt- und Schutzisolation (persönliche Schutzausrüstung PSA, Stufe 3–4)
siehe Hauptartikel: Ebolafieber
Ausbrüche
Bislang sind drei dokumentierte Ausbrüche durch das Bundibugyo-Ebolavirus bekannt, davon einer noch andauernd (Mai 2026):
| Jahr | Land | Distrikt/Provinz | Bestätigte Fälle | Todesfälle | Status |
|---|---|---|---|---|---|
| 2007–2008 | Uganda | Bundibugyo | 149 | 37 | Beendet |
| 2012 | Dem. Rep. Kongo | Isiro (Provinz Orientale) | 77 | 36 | Beendet |
| 2026[6] | Dem. Rep. Kongo / Uganda | Ituri-Provinz (DRC); importierte Fälle in Uganda | 8 bestätigt; 246 Verdachtsfälle | 80 (Verdacht) | Aktiv – PHEIC seit 17. Mai 2026 |
Der Erstausbruch 2007/2008 führte zur Entdeckung und Benennung des Virus. Phylogenetische Analysen zeigten, dass BDBV eine eigene, von den anderen Ebolavirusspezies distinkte Abstammungslinie darstellt.[1]
Prävention
Die Präventionsmaßnahmen umfassen:
- Strikte Nachverfolgung von Kontaktpersonen
- Konsequente Isolation von Erkrankten und Verdachtsfällen
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Schutzstufe 3 für Pflegepersonal
- Sichere Bestattungspraktiken – Leichen infizierter Personen sind hochinfektiös.
Meldepflicht
Der Verdacht einer Ebolainfektion, die Erkrankung und der Tod sind in Deutschland gemäß §6 und §7 Infektionsschutzgesetz (IfSG) namentlich meldepflichtig. In Deutschland wurden bislang keine Fälle von Ebola-Fieber bekannt.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Burk R et al. Neglected filoviruses. FEMS Microbiol Rev. 2016;40(4):494-519.
- ↑ Rojas M et al. Ebola virus disease: An emerging and re-emerging viral threat. J Autoimmun. 2019;106:102375.
- ↑ 3,0 3,1 Murin CD et al. Structural Biology Illuminates Molecular Determinants of Broad Ebolavirus Neutralization by Human Antibodies for Pan-Ebolavirus Therapeutic Development. Front Immunol. 2022;12:808047.
- ↑ Haase JA, Marzi A. Molecular virulence determinants of human-pathogenic filoviruses. Adv Virus Res. 2025;121:1-29.
- ↑ Bower H, Glynn JR. A systematic review and meta-analysis of seroprevalence surveys of ebolavirus infection. Sci Data. 2017;4:160133.
- ↑ WHO – Ebola disease caused by Bundibugyo virus, Democratic Republic of the Congo & Uganda, abgerufen am 18.05.2026