Orthoebolavirus
Synonym: Ebolavirus (veraltet)
Englisch: Orthoebolavirus
Definition
Orthoebolavirus ist eine Gattung aus der Familie der Filoviridae innerhalb der Ordnung Mononegavirales. Die Viren besitzen ein einzelsträngiges RNA-Genom negativer Polarität und zeichnen sich durch eine charakteristische fadenförmige Morphologie aus.
Hintergrund
Mehrere Spezies dieser Gattung verursachen beim Menschen schwere hämorrhagische Fiebererkrankungen, die unter dem Oberbegriff Ebolafieber zusammengefasst werden. Als natürliche Reservoirwirte gelten Fledertiere (Chiroptera), ohne dass diese selbst erkranken.
Nomenklatur
Die Gattung wurde im April 2023 durch die International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) von Ebolavirus in Orthoebolavirus umbenannt, um Verwechslungen mit dem gleichnamigen Virus Ebolavirus (EBOV) zu vermeiden.[1]
Einteilung
Derzeit (2026) sind sechs Spezies innerhalb der Gattung Orthoebolavirus anerkannt:
| Spezies | Virus (Abkürzung) | Humanpathogenität |
|---|---|---|
| Orthoebolavirus zairense |
Ebolavirus, früher "Zaïre-Ebolavirus" (EBOV) |
Hoch |
| Orthoebolavirus sudanense | Sudan-Ebolavirus (SUDV) | Hoch |
| Orthoebolavirus bundibugyoense | Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV) | Moderat |
| Orthoebolavirus restonense | Reston-Ebolavirus (RESTV) | Anscheinend avirulent beim Menschen |
| Orthoebolavirus taiense | Taï-Forest-Ebolavirus, früher Côte d'Ivoire-Ebolavirus (TAFV) | Sehr selten; ein dokumentierter nichtletaler Erkrankungsfall |
| Orthoebolavirus bombaliense | Bombali-Virus (BOMV) | Humanpathogenität bislang (2026) unklar |
Mit Ausnahme des Reston-Virus, das bislang keine symptomatische Erkrankung beim Menschen verursacht hat, und des Bombali-Virus, dessen Humanpathogenität noch nicht abschließend beurteilt werden kann, lösen alle übrigen Spezies beim Menschen schwere hämorrhagische Fiebererkrankungen aus, die unter dem Oberbegriff Ebolafieber zusammengefasst werden.
Aufgrund des hohen Infektionsrisikos werden humanpathogene Orthoebolaviren als Risikogruppe-4-Erreger eingestuft und erfordern Laborarbeiten unter BSL-4-Bedingungen (Biosicherheitsstufe 4).
Klinische Relevanz
Die durch Orthoebolaviren verursachten Erkrankungen unterscheiden sich klinisch kaum voneinander, jedoch bestehen relevante Unterschiede hinsichtlich Fallsterblichkeit und therapeutischer Optionen. Die zugelassenen monoklonalen Antikörperpräparate Inmazeb® und Ebanga® sowie der Impfstoff rVSV-ZEBOV (Ervebo®) sind ausschließlich für Infektionen mit dem Orthoebolavirus zairense zugelassen. Für alle anderen Spezies – einschließlich des Bundibugyo-Virus – existieren derzeit (2026) weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische antivirale Therapeutika.
siehe Hauptartikel: Ebolafieber
Quelle
- ↑ Biedenkopf N et al. Renaming of genera Ebolavirus and Marburgvirus to Orthoebolavirus and Orthomarburgvirus, respectively, and introduction of binomial species names within family Filoviridae. Arch Virol. 2023;168(8):220.