Psoriasis
(Weitergeleitet von Schuppenflechte)
Synonym: Schuppenflechte
Englisch: Psoriasis
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition
Die Psoriasis ist eine chronische, schubweise verlaufende, gutartige Hauterkrankung, die mit verstärkter Schuppung der Haut einhergeht. Sie gehört zum Kreis der pustulösen und erythematosquamösen Dermatosen.
2 Einteilung
Die Psoriasis wird in zwei Formen unterteilt:
- Typ I: früher Krankheitsbeginn (vor dem 40. Lebensjahr), familiär gehäuftes Auftreten (Assoziation mit den Human Leukocyte Antigenen HLA-Cw6, HLA-B13, HLA-B57 und HLA-DR7). Meist eher schwerer Verlauf und hohe Rate an Rezidiven.
- Typ II: später Krankheitsbeginn (nach 40. Lebensjahr), meist eher mildere Verlaufsform.
Eine weitere Klassifikation der Psoriasis kann anhand der klinischen Symptomatik erfolgen. Häufig nehmen verschiedene innere und äußere Triggerfaktoren Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung.
3 Epidemiologie
Die Psoriasis ist eine häufige Erkrankung. Die Morbidität in Europa beträgt 2-3%. Es sind v.a. hellhäutige Menschen betroffen. Gleich häufig bei Männern und Frauen auftretend. Bei HLA-B27-positiven Patienten mit Psoriasis besteht auch eine erhöhte Disposition, eine Spondylarthritis zu entwickeln.
4 Ätiopathogenese
Der Grund für die Entstehung der Psoriasis ist nicht vollständig geklärt. Die Krankheit tritt meist familiär gehäuft auf. Sie wird polygen bzw. multifaktoriell vererbt.
Man nimmt an, dass eine von T-Helferzellen vermittelte Entzündungsreaktion verantwortlich dafür ist, dass der Zellzyklus der Keratinozyten stark verkürzt ist. Die Keratinozyten, die normalerweise ca. 28 Tage zur Reifung und Wanderung von der Basalschicht in die Hornschicht der Haut benötigen, tun dies bei der Psoriasis in nur ca. 4 Tagen. Die Produktion der epidermalen Zellen kann sogar bis aufs 30-fache erhöht ist. Es kommt also zu einer rasanten Neubildung der Epidermis.
Bei histologischer Betrachtung zeigen sich eine Akanthose, Hyperparakeratose und Papillomatose.
Die Erkrankung beginnt oft im 2. Lebensjahrzehnt und wird u.a. getriggert durch folgende Exazerbationsfaktoren:
- physikalische, chemische und entzündliche Hautreizungen: z.B. Verletzungen, Reibung, Sonnenbrand, Kratzen, Druck, etc.
- Infektionen z.B. durch Streptokokken und Staphylokokken
- hormonelle Veränderungen: Menstruation, Wechseljahre, Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankungen, etc.
- bestimmte Arzneimittel (Betablocker, ACE-Hemmer, Antibiotika, NSAIDs, Chloroquin, Debrisoquin, Lithium, Mepacrin, Oxprenolol, Pindolol, Practolol, Amiodaron, uvm.)
- Alkoholabusus
- Stress
- Immunschwäche, z.B. AIDS
5 Symptome
Patienten mit Psoriasis leiden unter trockener Haut. Durch eine gestörte Proliferation der Epidermis entwickeln sich starke Schuppungen. Diese führen zu scharf begrenzten, erythematösen, teils juckenden Herden (welche mit weißen bis silberfarbenen Schuppen überzogen sind).
Meist ist bei der Psoriasis eines oder mehrere abgegrenzte Hautareale betroffen. Prädilektionsstellen sind v.a. Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen, Knie,...), Kreuzbein und behaarter Kopf.
Desweiteren treten im Rahmen einer Psoriasis häufig Nagelveränderungen auf. Dazu gehören
- Tüpfelnägel (stecknadelkopfgroße, napfförmige Einziehungen)
- Ölflecken (umschriebene, gelbliche Verfärbungen als Folge des Durchschmimmerns von der Nagelbettveränderungen)
- Splitterblutungen (feine, bräunliche Streifen innerhlab der Nagelmatrix)
- evtl. Krümelnagel: hier ist die Nagelplatte völlig zerstört
Das klinische Bild der Psoriasis ist variabel. Es gibt verschiedene Psoriasisformen. Dazu gehören:
- Psoriasis vulgaris: Erhabene, scharf, unregelmäßig begrenzte, rötliche Plaques mit silbriger Schuppung. Prädilektionsstellen: Extremitätenstreckerseiten. Die Herde können unterschiedliche Größe und Form annehmen. Dazu gehören:
- Psoriasis punctata (punktförmig)
- Psoriasis guttata (tropfenförmig)
- Psoriasis nummularis (münzen-groß)
- Psoriasis anularis (ringförmig)
- Psoriasis gyrata (girlandenartig)
- Psoriasis geographica (landkarten-ähnlich)
- Psoriasis inversa (atypische Lokalisation)
- Psoriasis pustulosa
- Psoriasis pustulosa generalisata (Typ Zumbusch)
- Psoriasis pustulosa palmaris et plantaris (Typ Barber)
- Psoriasis arthropathica
- Psoriasis erythodermatica
Die Schwere und Ausbreitung der psoriatischen Hautveränderungen wird mit Hilfe des Psoriasis Area and Severity Index (PASI) erfasst.
6 Klinik
Die Psoriasis geht meist mit einem Juckreiz (Pruritus) einher. Die Patienten kratzen sich, was dazu führt, dass die Schuppen noch deutlicher hervortreten (lamelläre Schuppung erinnert an Kerzenwachs, daher auch Kerzenfleckphänomen genannt). Durch das Wegfallen der äußeren Hauschicht liegt nur noch eine dünne Schicht der Epidermis frei, das so genannte "letzte Häutchen". Wird dieses letzten Häutchen ebenfalls abgekratzt, so kommt es zu einer punkförmige Blutung, die als Auspitzphänomen ("blutiger Tau") bezeichnet wird.
7 Diagnostik
Das klinische Bild ist wegweisend. Differentialdiagnostisch kommen Kontaktekzeme (z.B. Allergisches Kontaktekzem), seborrhoisches , nummuläres Ekzem, Lues, Pityriasis, Tinea oder psoriasiforme Ekzeme (bei HIV, Arzneimittelallergie, ...) in Betracht.
8 Therapie
Die Psoriasis wird abhängig von Psoriasisform, Schwerergrad, Alter, Geschlecht und anderen Faktoren therapiert. Zur lokalen Behandlung gehören: Salicylsäure (zur Entfernung der Schuppen), Cignolin, Calcipotriol, Tacalcitol, Tazaroten, Glucocorticoide, Teer, Salben mit hohem Harnstoff-Gehalt. Ergänzt wird dies oft durch selektive Ultravioltettphototherapie, Balneo-Phototherapie und PUVA. Die systemische antipsoriatische Therapie umfasst u.a. Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge), Methotrexat, Ciclosporin A, Fumarsäureester sowie Kombinationstherapien mit den jeweiligen Substanzen. Das Auftragen von Juckreiz unterdrückenden Gelen sollte vermieden werden, da diese in der Regel die Haut weiter austrocknen. Zur Therapie von psoriatrischen Arthropathien sind NSAIDs, Methotrexat, Retinoide, Ciclosporin A und physikalische Therapie geeignet.
9 Weblinks
Fachgebiete: Allergologie, Immunologie
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