Monoklonaler Antikörper
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1 Definition [bearbeiten]
Monoklonale Antikörper sind Antikörper, die von einer Zelllinie ("Zellklon") produziert werden, die auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgeht. Sie richten sich gegen ein bestimmtes, einzelnes Epitop.
2 Entstehung und Herstellung [bearbeiten]
Natürlicherweise entstehen monoklonale Antikörper paraneoplastisch im Rahmen eines multiplen Myeloms. Dabei produziert eine maligne Plasmazellpopulation einen einzigen pathologischen Antikörper.
Sollen monoklonale Antikörper technisch oder medizinisch eingesetzt werden, bedient man sich dazu meist der Hybridom-Technik, bei der B-Lymphozyten, die den gewünschten Antikörper produzieren (und die z. B. aus einer Population stammen können, die polyklonale Antikörper herstellt), mit Myelomzellen fusioniert werden und so weiter kultiviert und vermehrt werden können. 1984 erhielten César Milstein, Georges Köhler und Niels Jerne den Nobelpreis für Medizin für die Entwicklung der Hybridom-Technik.
Die Suche nach neuen monoklonalen Antikörpern wurde durch die Technik des Biopanning mit Hilfe des Phagen-Display-Ansatzes erheblich beschleunigt.
3 Medizinischer Einsatz [bearbeiten]
Monoklonale Antikörper können medizinsch genutzt werden. Sie kommen sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie zum Einsatz, z.B. als Immunsuppressivum oder Rezeptorblocker.
3.1 Diagnostik [bearbeiten]
Viele diagnostische Verfahren beruhen auf der Verwendung von Antikörpern, z. B. Radioimmunoassays und ELISA. Die Verwendung monoklonaler Antikörper hat gegenüber polyklonalen Antikörpern den Vorteil, dass immer auf die selbe Charge zurückgegriffen werden kann und die Ergebnisse damit besser reproduzierbar sind.
Darüber hinaus finden monoklonale Antikörper Anwendung in der In-vivo-Diagnostik. Beispiele sind:
- Arcitumomab: Diagnostik metastasierender Tumoren durch Erkennung von CEA
- Altumomab: Diagnostik des kolorektalen Karzinoms durch Erkennung von CEA
- Igovomab: Erkennt CA 125 (Diagnostik des Ovarialkarzinoms)
- Satumomab: Einsatz in der Tumordiagnostik durch Bindung an TAG-72 und 111In.
- Sulesomab: Erkennt Epitope von Granulozyten (Entzündungsdiagnostik)
- Votumumab: Diagnostik kolorektaler Tumoren
3.2 Therapie [bearbeiten]
Zunehmend werden monoklonale Antikörper auch zur Therapie von Erkrankungen verwandt. Hier macht man sich zu Nutze, dass Antikörper sehr spezifisch bestimmte Moleküle (z. B. Rezeptoren) binden und damit blockieren können. Therapeutisch genutzte monoklonale Antikörper werden auch als Biologika bezeichnet.
Beispiele sind unter anderem:
- Abciximab: Thrombozytenaggregationshemmung durch Bindung von GPIIb/IIIa
- Adalimumab: Erkennt TNF-Alpha (Behandlung der rheumatoiden Arthtitis, der Psoriasis), des Morbus Bechterew und des Morbus Crohn
- Alemtuzumab: Behandlung der ALL, der CLL und von T-Zell-Lymphomen durch CD52-Bindung
- Apolizumab: Behandlung solider Tumoren, lymphatischer Leukämien und von Non-Hodgkin-Lymphomen durch HLA-DR-Bindung
- Basiliximab: Erkennt CD25 (Prophylaxe der Abstoßungsreaktion nach Nierentransplantation)
- Bevacizumab: Behandlung verschiedener Tumoren durch VEGF-Bindung
- Catumaxomab: Bindet an EpCAM-Antigen (Behandlung des malignen Aszites)
- Cetuximab: Behandlung verschiedener Tumoren durch EGF-Bindung
- Daclizumab: Erkennt CD25 (Prophylaxe der Abstoßungsreaktion nach Nierentransplantation)
- Denosumab: Erkennt RANKL (Behandlung der Osteoporose)
- Eculizumab: Therapie der PNH durch Bindung des C5 Komplement-Faktors
- Efalizumab: Erkennt CD11a (Behandlung der Psoriasis)
- Enlimomab: Erkennt ICAM-1, experimenteller Einsatz als Immunsuppressivum
- Epratuzumab: Behandlung der ALL, von Non-Hodgkin-Lymphomen und von Autoimmunerkrankungen durch CD22-Bindung
- Galiximab: Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen durch CD80-Bindung
- Gemtuzumab-Ozogamicin: Bindet an CD33 (Indikation: AML)
- Golimumab: Erkennt TNF-Alpha (Behandlung der rheumatoiden Arthtitis und der Psoriasis-Arthritis)
- Ibritumomab-Tiuxetan: Erkennt CD20 (Radioimmuntherapie von Non-Hodgkin-Lymphomen)
- Infliximab: Erkennt TNF-Alpha (Behandlung der Psoriasis)
- Lumiliximab: Bindet an CD23 (Indikation: CLL)
- Mepolizumab: Behandlung des Churg-Strauss-Syndroms durch IL5-Bindung
- Muromonab-CD3: Erkennt CD3 (Behandlung akuter Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen)
- Motavizumab: Bindet an RSV-Antigene (Prophylaxe der RSV-Pneumonie bei Frühgeborenen)
- Natalizumab: Behandlung der multiplen Sklerose durch CD49d-Bindung
- Ofatumumab: Erkennt CD20 (Behandlung der CLL)
- Omalizumab: Bindung an IgE (Indikation: Schweres Asthma bronchiale)
- Oregovomab: Behandlung des Ovarialkarzinoms durch Bindung von CA-125
- Palivizumab: Bindet an RSV-Antigene (Prophylaxe der RSV-Pneumonie bei Frühgeborenen)
- Panitumumab: Neutralisiert den EGF-Rezeptor (Behandlung verschiedener Tumoren)
- Pertuzumab: Bindung an HER2/neu (experimenteller Einsatz in Studien)
- Ranibizumab: Behandlung der feuchten Makuladegeneration durch VEGF-A-Bindung
- Rituximab: Erkennt CD20 (Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen)
- Telimomab: Wirkt immunsuppressiv
- Tocilizumab: Immunsuppression bei rheumatoider Arthtitis durch Interleukin-6-Bindung
- Tositumomab: Erkennt CD20 (Radioimmuntherapie von Non-Hodgkin-Lymphomen)
- Trastuzumab: Bindung an HER2/neu (Magenkarzinom, Mammakarzinom)
- Ustekinumab: Behandlung der Plaque-Psoriasis durch Neutralisierung von Interleukin 12/23
- Zanolimumab; Bindung an CD4 (In Studien eingesetzt bei T-Zell-Lymphomen)
3.3 Forschung [bearbeiten]
Auch in der Forschung werden monoklonale Antikörper häufig eingesetzt, da sie mit einer hohen Spezifität eine Vielzahl an Molekülen binden können. Beispiele sind Western Blots, FACS und Magnetic Bead Assays.
4 Klassifikation [bearbeiten]
Therapeutisch eingesetzte monoklonale Antikörper werden nach einer internationalen Terminologie eingeteilt. Dabei bezeichnen die einzelnen Silben ihres Namens u. a. den Zweck des Antikörpers und die Spezies, der er entstammt:
| Präfix | Ziel-Infix | Herkunfs-Infix | Suffix |
|---|---|---|---|
| Variabel | -o(s)-: Knochen | -u-: human | -mab |
| -vi(r)-: Viren | -o-: Maus | ||
| -ba(c)-: Bakterien | -a-: Ratte | ||
| -li(m)-: Immunsystem | -e-: Hamster | ||
| -le(s)-: Infektiöse Läsionen | -i-: Primat | ||
| -ci(r)-: Kardiovaskuläres System | -xi-: Chimär (z. B. Maus-Mensch oder Hamster-Mensch) | ||
| -mu(l)-: Muskuloskelettales System | -zu-: Humanisiert | ||
| -ki(n)-: Interleukin | -axo-: Hybrid (Ratte-Maus) | ||
| -co(l)-: Kolon-Tumor | |||
| -me(l)-: Melanom | |||
| -ma(r)-: Mamma-Tumor | |||
| -go(t)-: Hoden-Tumor | |||
| -go(v)-: Ovarial-Tumor | |||
| -pr(o)-: Prostata-Tumor | |||
| -tu(m)-: Tumor (allgemein) | |||
| -neu(r)-: Nervensystem | |||
| -tox(a)-: Toxin | |||
| -fu(ng)-: Pilze |
Beispiele:
- Ri-tu-xi-mab: Chimärer Antikörper für die Behandlung von Tumoren
- Ada-lim-u-mab: Humaner immunotroper Antikörper
- Ab-ci-xi-mab: Chimärer Antikörper mit kardiovaskulärem Ziel
5 Quellen und Literaturhinweise [bearbeiten]
- A. F. Ochsenbein. "Monoklonale Antikörper als therapeutische Substanzen", Schweiz Med Forum. 2008;8(8):140–143
- Access Excellence: Monoclonal Antibody Technology - The Basics
- Wikipedia-Artikel zu monoklonalen Antikörpern
- Flash-Animation zu monoklonalen Antikörpern
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