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Psoriasis

Synonym: Schuppenflechte
Englisch: Psoriasis

1 Definition

Die Psoriasis, deutsch Schuppenflechte, ist eine chronische, schubweise verlaufende, gutartige Hauterkrankung, die mit verstärkter Schuppung der Haut einhergeht. Sie gehört zum Kreis der pustulösen und erythematosquamösen Dermatosen.

2 Epidemiologie

Die Psoriasis ist mit einer geschätzten Prävalenz von 2-2,5% der deutschen Bevölkerung und etwa 125 Mio. Patienten weltweit eine der häufigsten Hauterkrankungen.[1] Die Psoriasis kann grundsätzlich in jedem Lebensabschnitt auftreten, jedoch gibt es deutliche Alterspräferenzen. Der verbreitetere Typ 1 (Frühtyp) tritt überwiegend im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt auf. Seltener ist der im 5. Lebensjahrzehnt auftretende Typ 2. Die Prävalenz bei unter 20jährigen beträgt nur 0,8%. Es ist keine klare Geschlechterpräferenz erkennbar.

Bei HLA-B27-positiven Patienten mit Psoriasis besteht auch eine erhöhte Disposition, eine Spondylarthritis zu entwickeln.

3 Ätiopathogenese

Der Grund für die Entstehung der Psoriasis ist nicht vollständig geklärt. Die Krankheit tritt meist familiär gehäuft auf. Sie wird polygen bzw. multifaktoriell vererbt. Pathophysiologisch nimmt man an, dass eine Dysregulation von Immunzellen eine zentrale Rolle spielt.

Klinische Studien konnten zeigen, dass es bei Psoriasis-Patienten zu einer vermehrten Stimulation von T-Helferzellen durch dendritische Zellen kommt. Die T-Helferzellen (Th17 und Th1) produzieren Zytokine wie IL-17, IL-22, TNF-α und IFN-γ.[2] Diese Entzündungsreaktion ist wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass der Zellzyklus der Keratinozyten stark verkürzt ist. Die Keratinozyten, die normalerweise ca. 28 Tage zur Reifung und Wanderung von der Basalschicht in die Hornschicht der Haut benötigen, tun dies bei der Psoriasis in nur ca. 3-5 Tagen.[3] Die Produktion der epidermalen Zellen kann sogar bis aufs 30-fache erhöht sein. Es kommt also zu einer rasanten Neubildung der Epidermis. Bei histologischer Betrachtung zeigen sich eine Parakeratose, Akanthose, Hyperparakeratose und Papillomatose.

Neuere Forschungen (2016) weisen darauf hin, dass nicht die Keratinozyten selbst, sondern Melanozyten-Proteine der eigentliche Auslöser der Autoimmunreaktion sein könnten. Demnach reagieren die T-Zellen auf das Protein ADAMTSL5, das von Melanozyten mit dem Oberflächenantigen HLA-C*06:02 gebildet wird. ADAMTSL5 wird - möglicherweise als Folge einer früheren Infektion - als fremd erkannt und setzt die typische Entzündungskaskade der Psoriasis in Gang.[4]

3.1 Triggerfaktoren

Es wurden zahlreiche Triggerfaktoren identifiziert, die zum einen die Erkrankung selbst oder zum anderen einen Psoriasis-Schub auslösen können.[5] Dazu zählen u.a.:

4 Symptome

Die Psoriasis macht sich durch scharf begrenzte, erythematöse Herde bemerkbar, die mit weißen bis silberfarbenen Schuppen überzogen sind. Meist sind ein oder mehrere abgegrenzte Hautareale betroffen.[5] Prädilektionsstellen sind v.a. die Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen, Knie), das Kreuzbein und der behaarte Kopf (Psoriasis capitis) sowie Handflächen und Fußsohlen (Psoriasis palmoplantaris).

Desweiteren treten im Rahmen einer Psoriasis häufig Nagelveränderungen auf. Dazu gehören:

Die Erkrankung geht meist mit einem Juckreiz (Pruritus) einher. Die Patienten kratzen sich, was dazu führt, dass die Schuppen noch deutlicher hervortreten. Die lamelläre Schuppung erinnert an Kerzenwachs, daher auch Kerzenfleckphänomen genannt. Durch das Wegfallen der äußeren Hautschicht liegt nur noch eine dünne Schicht der Epidermis frei, das so genannte "letzte Häutchen". Wird dieses letzten Häutchen ebenfalls abgekratzt, so kommt es zu einer punktförmigen Blutung, die als Auspitzphänomen ("blutiger Tau") bezeichnet wird.

Wie andere entzündliche Hautkrankheiten, kann sich die Psoriasis negativ auf die Psyche der betroffenen Patienten auswirken. Gesellschaftliche Ausgrenzung durch eigene Scham und unaufgeklärte Mitmenschen können beispielsweise einen sozialen Rückzug oder Benachteiligungen im Berufsleben auslösen.[6] Die WHO hat in ihrem "Globalen Bericht zur Schuppenflechte" (2016) die Psoriasis als eine zur Behinderung führende Erkrankung definiert, was die starke Belastung der Lebensqualität der Patienten zum Ausdruck bringen soll.[1]

5 Einteilung

5.1 ...nach Krankheitsbeginn

  • Typ I: früher Krankheitsbeginn (vor dem 40. Lebensjahr), familiär gehäuftes Auftreten (Assoziation mit den Human Leukocyte Antigenen HLA-Cw6, HLA-B13, HLA-B57 und HLA-DR7). Meist eher schwerer Verlauf und hohe Rate an Rezidiven.
  • Typ II: später Krankheitsbeginn (nach 40. Lebensjahr), meist eher mildere Verlaufsform.

5.2 ...nach klinischem Bild

6 Diagnostik

Das klinische Bild ist wegweisend. Differentialdiagnostisch kommen Kontaktekzeme (z.B. Allergisches Kontaktekzem), seborrhoisches , nummuläres Ekzem, Lues, Pityriasis, Tinea oder psoriasiforme Ekzeme (HIV, Arzneimittelallergie) in Betracht.

Die Krankheitslast der psoriatischen Hautveränderungen wird mit Hilfe des Psoriasis Area and Severity Index (PASI) erfasst. Dieser wird zum einen anhand des prozentualen Anteils der betroffenen Körperoberfläche (Body Surface Area, BSA) und zum anderen durch die Symptomstärke (Erythem, Schuppung, Dicke der Plaques) bestimmt.[7]

7 Therapie

Die Psoriasis wird abhängig von der Form und vom Schweregrad der Erkrankung therapiert. Dieser wird durch die Krankheitslast (PASI) und die Einschränkung der Lebensqualität - gespiegelt durch den Dermatology Life Quality Index (DLQI) - bestimmt.

7.1 Leichte Formen

Patienten, die an einer leichten Form der Psoriasis erkrankt sind, werden mittels topischer Therapien behandelt. Zur lokalen Behandlung gehören u.a. Dithranol (Cignolin), Tazaroten, Glukokortikoide, Teer und Vitamin-D3-Derivate (Calcipotriol, Tacalcitol). Ferner werden Salben mit hohem Harnstoff-Gehalt und Salicylsäure zur Entfernung der Schuppen eingesetzt.

Das Auftragen von Juckreiz unterdrückenden Gelen sollte vermieden werden, da diese in der Regel die Haut weiter austrocknen.

7.2 Mittelschwere und schwere Formen

Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis kommen Phototherapien, z.B. die selektive Ultraviolettphototherapie (SUP) oder die Balneo-Phototherapie sowie Photochemotherapien (PUVA) zum Einsatz.

Desweiteren erfolgt eine systemische antipsoriatische Therapie. Sie umfasst u.a. folgende Substanzen, die als Monotherapie sowie in Kombinationstherapien eingesetzt werden:

Zur Therapie von psoriatrischen Arthropathien sind NSAIDs, Methotrexat, Retinoide, Ciclosporin A und physikalische Therapie geeignet.

8 Quellen

  1. 1,0 1,1 WHO; Globaler Bericht zur Schuppenflechte; 2016. Abgerufen am 15.05.2018
  2. Ogawa et al.: Pathogenesis of psoriasis and development of treatment. J Dermatol. 2018
  3. Schön et al.: Psoriasis N Engl J Med 2005
  4. Arakawa A et al.: J Exp Med. 2015 Dec 14;212(13):2203-12. doi: 10.1084/jem.20151093. Epub 2015 Nov 30. Melanocyte antigen triggers autoimmunity in human psoriasis.
  5. 5,0 5,1 Goebeler et al. Basiswissen Dermatologie. 2017
  6. Pearce DJ1, Singh S, Balkrishnan R, Kulkarni A, Fleischer AB, Feldman SR: The negative impact of psoriasis on the workplace J Dermatolog Treat. 2006;17(1):24-8
  7. S3-Leitlinie 013-001 Therapie der Psoriasis vulgaris Update 2017. Abgerufen am 15.05.2018

9 Weblinks

  • Psoriasis-Netz [1]
  • Psoriasis Bund [2]
  • National Psoriasis Foundation [3]
  • DermIS [4]
  • Altmeyers Enzyklopädie [5]

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