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Koronararterie

von lateinisch: corona - Kranz, Krone
Synonyme: Arteria coronaria, Koronarie, Herzkranzgefäß, Koronargefäß
Englisch: coronary artery

1 Definition

Die Koronararterien sind die beiden Arterien, die kranzförmig das Herz umgeben und den Herzmuskel mit Blut versorgen - einschließlich der von diesen Gefäßen abgehenden Äste.

2 Anatomie

2.1 Arteria coronaria dextra

Abkürzungen: RCA, ACD
Die rechte Koronararterie entspringt aus dem aufsteigenden Ast der Aorta, genauer gesagt aus dem Sinus aortae dexter, direkt hinter der Aortenklappe. Sie läuft zwischen dem Conus arteriosus und dem rechten Herzohr zum rechten Abschnitt des Sulcus coronarius. Diesem folgt sie und gelangt im weiteren Verlauf auf die Facies diaphragmatica der dorsalen Herzfläche. Dort teilt sie sich an der Crux cordis (CC) in 2 Äste. Der Hauptast zieht in den Sulcus interventricularis posterior und gelangt als Ramus interventricularis posterior (RIVP, RPD) fast bis zur Herzspitze (Apex cordis), der kleinere Ramus posterolateralis dexter folgt weiter dem Sulcus coronarius.

Zum Versorgungsgebiet der rechten Koronararterie zählt die Wand des rechten Ventrikels, die Wand des linken Ventrikels in der Nähe des Sulcus interventricularis posterior und der hintere Abschnitt des Ventrikelseptums. Wichtige Nebenäste sind der Ramus nodi sinuatrialis und der Ramus nodi atrioventricularis. Sie versorgen den rechten Vorhof und die für Erregungsbildung bzw.-leitung wichtigen Sinus- und Atrioventrikularknoten.

2.2 Arteria coronaria sinistra

Abkürzungen: LCA, LMCA, ACS
Die linke Koronararterie ist größer als die rechte. Sie entspringt im Sinus aortae sinister, direkt hinter dem Ansatz der Aortenklappe, und verläuft ein kurzes Stück zwischen dem Conus arteriosus und dem linken Herzohr, um sich unmittelbar danach in 2 Äste zu teilen:

  • Der Ramus interventricularis anterior (RIVA, LAD) verläuft im Sulcus interventricularis anterior nach kaudal, zieht um die Herzspitze (Incisura apicis cordis) herum und anastomosiert im Sulcus interventricularis posterior mit dem Ramus interventricularis posterior der rechten Herzkranzarterie. Der Ramus interventricularis anterior versorgt die Vorderwand des rechten Ventrikels, den vorderen und mittleren Abschnitt des Ventrikelseptums, und die dort lokalisierten Teile des Erregungsleitungssystems (His-Bündel). Des Weiteren gibt er Äste zur Versorgung der anteroapikalen Anteile des linken Ventrikels ab.
  • Der Ramus circumflexus (RCX, LCx) folgt der linken Seite des Sulcus coronarius nach dorsal bis zur Facies diaphragmatica. Seine Äste versorgen den linken Vorhof und die Wand des linken Ventrikels mit Ausnahme der Umgebung des Sulcus interventricularis posterior.

Bei dem sogenannten Bland-White-Garland-Syndrom entspringt die LCA nicht im Sinus aortae sinster sondern aus der linken Pulmonalarterie.

2.3 Äste im Überblick

  • Arteria coronaria dextra
    • Ramus nodi sinuatrialis (zum Sinusknoten)
    • Ramus coni arteriosi (zum Conus arteriosus)
    • Ramus atrialis
    • Ramus marginalis dexter
    • Rami atrioventriculares
    • Ramus interventricularis posterior (bildet häufig Anastomosen mit dem Ramus interventricularis anterior)
    • Ramus posterolateralis dexter
  • Arteria coronaria sinistra
    • Ramus circumflexus
      • Ramus marginalis sinister (Ramus marginalis)
      • Ramus atrialis
      • Rami posteriores ventriculi sinistri
    • Ramus interventricularis anterior
      • Rami laterales (Rami diagonales)
      • Rami interventriculares septales (zum Herzseptum)

Die o.a. Aufteilung gibt nur eine mögliche Aufteilung der Herzkranzgefäße wieder, da die individuelle Anatomie je nach Versorgungstyp sehr häufig Variationen aufweist.

2.4 Klinische Bezeichnungen

Englisch - kurz Lateinisch - kurz Langbezeichnungen
RCA ACD Right Coronary Artery
Arteria coronaria dextra
LCA, LMCA ACS Left Coronary Artery
Left Main Coronary Artery
Arteria coronaria sinistra
LAD RIVA Left Anterior Descending coronary artery
Ramus interventricularis anterior
LCx RCX Left Circumflex coronary artery
Ramus circumflexus
RPD RIVP Right Posterior Descending coronary artery
Ramus interventricularis posterior

3 Physiologie

Da das Herz aufgrund seiner hohen Leistung auf eine kontinuierliche Sauerstoffversorgung angewiesen ist, ist die Funktionsfähigkeit der Koronararterien entscheidend für die Funktion des Herzmuskels. Die Koronararterien bilden deshalb untereinander zahlreiche Anastomosen. Diese Anastomosen reichen jedoch nicht aus, um einen vollständigen Kollateralkreislauf zu bilden. Bei Verschluss eines Astes kommt es zu einer Ischämie des Versorgungsgebiets mit anschließender Nekrose des Herzmuskelgewebes. Bei gesteigerter Herzarbeit vermitteln überwiegend Metabolite (z.B. CO) des Endothels eine Vasodilatation der Koronargefäße.

3.1 Versorgungstypen

Die genauen Versorgungsgebiete der verschiedenen Koronararterien und ihrer jeweiligen Äste unterliegen zum Teil deutlichen Variationen. Wenn die Arteria coronaria sinistra auch die Herzhinterwand, bzw. den Sinusknoten und/oder den AV-Knoten mitversorgt, spricht man von einem Linksversorgertyp. Beim Rechtsversorgertyp wird die Herzhinterwand und das Kammerseptum hingegen durch die Arteria coronartia dextra versorgt. Der Normalfall der ausgeglichenen Versorgung des Herzens durch beide Koronararterien ist jedoch der häufigste und wird als Intermediärtyp bezeichnet.

4 Klinik

Die wichtigste Erkrankung der Koronararterien ist die Arteriosklerose. Sie führt zu Koronarstenosen bzw. zu einem allmählichen Verschluss der Koronararterien - ein Krankheitsbild, das man als koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet. Klinisch macht es sich als Angina pectoris oder Herzinfarkt bemerkbar. Das genaue Ausmaß der Verengung der Koronararterien kann röntgenologisch mit Hilfe der Koronarangiografie erhoben werden. Man unterscheidet nach der Anzahl der betroffenen Koronargefäße:

Neben der Bildgebung mittels Herzkatheteruntersuchung existieren auch nichtinvasive koronarangiografische Verfahren, wie das Kardio-CT oder das Kardio-MRT. Eine endoskopische Betrachtung der Gefäße von innen ermöglicht die Koronarangioskopie.

5 Literatur

  • Köllner, V. / Berg, G.: Verhaltensmedizin in der Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen. In: herzmedizin 26 (2009). H.2, S.69-75. Volltext abrufen
  • Herrmann-Lingen, C.: Depression und koronare Herzkrankheit. In: herzmedizin 26 (2009). H.2, S.76-81. Volltext abrufen

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Fachgebiete: Kardiologie

Gast
Zu 3.1.: Die meiste Literatur sagt aus, dass der Sinusknoten und AV-Knoten im Regelfall von der A. coronaria dextra versorgt werden. Finde ich hier nicht eindeutig genug beschrieben.
#2 am 16.01.2017 von Gast (Rettungssanitäter)
Gast
Weshalb wird bei PANAMA, dem Merkwort für den Ramus circumflexus (A. coronaria sinistra), bei N der R. nodi sinuatrialis genannt, weiter oben wird dieser der rechten Koronararterie zugeordnet?
#1 am 07.11.2016 von Gast (Student der Humanmedizin)

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