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Myokardszintigraphie

Synonym: Myokardperfusionsszintigraphie

1 Definition

Die Myokardszintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren zur Darstellung der Durchblutung des Myokards.

2 Indikationen

Die Myokardszintigraphie ist unter anderem indiziert bei:

3 Untersuchungstechnik

Bei einer Myokardszintigraphie wird ein mit 201Thallium markierter Tracer (alternativ Tc-99m-MIBI) intravenös injiziert. Thallium reichert sich nur in gesunden Herzmuskelzellen an, da es anstelle des Kaliums durch die Aktivität der Natrium-Kalium-ATPase in die Zelle befördert wird.

4 Durchführung

Vorbereitend sollten Medikamente, welche die Perfusion der Koronararterien beeinflussen (z.B. Calciumantagonisten, Betablocker) einige Tage zuvor abgesetzt werden. Der Patient sollte der Untersuchung nüchtern zugeführt werden, andernfalls kommt es zu störender gastrointestinaler Anreicherung des Radionuklids.

Der Patient wird zunächst durch eine Ergometrie oder pharmakologisch (z.B. Adenosin, Dipyridamol, Dobutamin) belastet. Kurz vor Ende der Belastung wird das Thallium injiziert.

Unmittelbar nach der Belastung wird mit einer Gammakamera, meistens in SPECT-Technik, eine Aufnahme der Herzregion gemacht. Nach drei bis vier Stunden folgt eine zweite Aufnahme mit der Gammakamera.

5 Interpretation

In ihrer Durchblutung eingeschränkte Bezirke des Myokards weisen Speicherdefekte auf. Durch die zeitlich gestaffelten Aufnahmen können Speicherdefekte bezüglich ihrer Ursache differenziert werden.

In beiden Aufnahmen nachweisbare Speicherdefekte weisen auf eine Narbe des Myokards, beispielsweise nach einem Myokardinfarkt hin.

Speicherdefekte, die in der zweiten Aufnahme nicht mehr nachzuweisen sind, weisen auf eine passagere Ischämie im Sinne einer Angina pectoris hin. Bei passageren Ischämien kommt es nach Beendigung der Mangeldurchblutung zur "Auswaschung" des Radionuklids aus dem betroffenen Myokard.

Durch Aufnahmen in SPECT-Technik kann das Myokard dreidimensional beurteilt werden. Ischämien können daher den Bezirken einzelner Koronararterien(-äste) zugeordnet werden. Zudem kann durch die Aufnahme von Videosequenzen die Myokardkontraktilität mitbeurteilt werden.

Siehe auch: Myokard-PET, Radionuklidventrikulographie

Fachgebiete: Kardiologie, Radiologie

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