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Rickettsien

(Weitergeleitet von Rickettsiaceae)

Englisch: Rickettsia

1 Definition

Rickettsien sind kleine gram-negative Stäbchenbakterien die ca. 0,3-2 Mikrometer groß sind und sich obligat intrazellulär vermehren.

2 Taxonomie

Nahe verwandte Familien sind Anaplasmataceae (Gattungen Anaplasma, Ehrlichia, Neorickettsia) und Coxiellaceae (Genus Coxiella). Sie lösen Erkrankungen aus, die meist zu den Rickettsiosen im erweiterten Sinne gezählt werden.

3 Morphologie

Rickettsien besitzen mit 1,12 - 1,6 Mio. Basenpaaren eines der kleinsten bekannten Bakteriengenome. Ihnen fehlen viele Gene für den Abbau von Zuckern und für die Synthese von Lipiden, Nukleotiden und Aminosäuren. Entsprechend sind sie auf die Versorgung durch die Wirtszelle angewiesen.

Die Zellwand beinhaltet Peptidoglykane sowie Lipopolysaccharide (LPS) und ähnelt der von gramnegativen Bakterien. Eine Ausnahme bildet Orientia tsutsugamushi, bei dem LPS und die Zucker- und Fettsäurekomponenten der Peptidoglykane fehlt. Dies erklärt die extreme Fragilität und relative Penicillinresistenz des Erregers.

Rickettsien gelten grundsätzlich als umweltempfindlich und werden durch gebräuchliche Desinfektionsmittel rasch abgetötet. Einige Arten wie Rickettsia prowazekii können jedoch im Kot von Läusen längere Zeit infektiös bleiben.

4 Vorkommen

Als Reservoir kommen insbesondere Arthropoden und verschiedene Tiere in Betracht. Mit Ausnahme des epidemischen Fleckfiebers ist der Mensch nur gelegentlich Wirt dieser Erreger. Sie sind weltweit verbreitet. In Deutschland handelt es sich jedoch oft um importierte Infektionen.

5 Übertragung

Rickettsien werden meist durch Läuse, Zecken, Milben oder Flöhe auf den Menschen übertragen. Die Bakterien befinden sich hierbei in Zellen des Speichels oder des Kots der Vektoren. Für eine Infektion kann auch schon das Inhalieren von getrocknetem Flohkot beim Betten machen ausreichen.

6 Klassifikation

Die Einteilung der Rickettsiaceae erfolgt inzwischen nach serologischen und phylogenetischen Kriterien. Dabei werden sie insbesondere in der angloamerikanischen Literatur in vier Gruppen eingeteilt:

7 Klinik

Rickettsien rufen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen hervor, die als Rickettsiosen bezeichnet werden. Coxiella burnetii, Rickettsia prowazekii, Rickettsia typhi und Rickettsia rickettsii sind besonders wichtig, da sie länger außerhalb ihres Vektors überleben können und extrem infektiös sind. Sie gelten als potenzielle Erreger für bioterroristische Anschläge.

siehe Hauptartikel: Rickettsiose

7.1 Symptome

Bei allen akuten Krankheitsverläufen ähneln sich die anfänglichen Symptome:

Im Verlauf kann es zu Exanthemen, Escharbildung (umschriebene Hautentzündung mit zentraler Nekrose), Pneumonie, Meningoenzephalitis oder fortschreitender Hypotonie mit Multiorganversagen kommen.

Nur bei Coxiella burnetii kann eine chronische Erkrankung entstehen. Einige Arten, wie R. prowazekii, können jedoch eine latente Infektion hervorrufen, die nach Jahren zur Brill-Zinsser-Krankheit reaktiviert werden kann.

7.2 Diagnose

Zur Diagnose einer Rickettsieninfektion dient der zweifache Nachweis von IgM bzw. IgG-Antikörper mittels ELISA oder indirekter Immunfluoreszenz aus dem Serum im Abstand von 3 Wochen. Rickettsien zeigen zwar einen gramnegativen Zellwandaufbau, lassen sich aber diagnostisch durch eine Gramfärbung nicht darstellen.

7.3 Therapie

Bereits bei klinisch begründetem Verdacht sollte eine kalkulierte Therapie mit Doxycyclin in einer Dosierung von 2 x 100 mg pro Tag per os für 7 bis 10 Tage eingeleitet werden.

7.4 Prophylaxe

Aktuell (2020) ist die Expositionsprophylaxe die einzige Möglichkeit um Fleckfieber-Erkrankungen zu vermeiden. Insbesondere bei Auslandsaufenthalten sollte auf einen Schutz vor Ektoparasiten geachtet werden. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit einer Chemoprophylaxe mit Doxycyclin. Dieses Verfahren wird nur in Ausnahmefällen bei hohem Expositionsrisiko eingesetzt.

Der direkte und indirekte Nachweis von R. prowazekii ist meldepflichtig (§ 7 IfSG).

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Juni 2020 um 08:26 Uhr bearbeitet.

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