Pseudomonadota
Synonyme: Proteobacteria, Proteobakterien
Englisch: pseudomonadota, proteobacteria
Definition
Pseudomonadota bezeichnen das größte und phänotypisch heterogenste Phylum innerhalb der Domäne Bakterien, das ausschließlich gramnegative Vertreter umfasst. Das Phylum beinhaltet zahlreiche klinisch relevante Krankheitserreger, aber auch wichtige Stickstofffixierer und photosynthetisch aktive Bakterien.
Terminologie
Der bis 2021 gebräuchliche Name Proteobacteria leitet sich vom griechischen Meeresgott Proteus ab, der der Mythologie zufolge seine äußere Gestalt nach Belieben verändern konnte. Der Name spielte auf die außerordentliche phänotypische Vielfalt innerhalb des Phylums an, das keine morphologische Einheitlichkeit aufweist.
2021 legte das International Committee on Systematics of Prokaryotes (ICSP) im Rahmen einer Revision des International Code of Nomenclature of Prokaryotes (ICNP) fest, dass Phylumnamen durch Anfügung des Suffixes -ota an den Stamm der Typusgattung zu bilden sind. Da die Typusgattung des Phylums Pseudomonas ist, ergibt sich daraus der formal gültige Name Pseudomonadota.[1] Der frühere Name Proteobacteria bleibt als gültiges Synonym bestehen und wird in der klinischen sowie wissenschaftlichen Literatur weiterhin überwiegend verwendet.
Morphologie
Die Zellwände der Pseudomonadota bestehen aus einer dünnen Schicht von Murein (Peptidoglykan), das von einer äußeren Membran mit Lipopolysacchariden (LPS) umgeben ist. Dieser Aufbau entspricht dem klassischen gramnegativen Zellwandtyp und erklärt das stets gramnegative Färbeergebnis aller Pseudomonadota in der Gramfärbung.
Die Fortbewegung ist innerhalb des Phylums heterogen: Einige Arten besitzen Geißeln (Flagellen), andere bewegen sich durch gleitende Bewegungen fort, und wieder andere sind nicht motil.
Taxonomie
Da Pseudomonadota keine gemeinsamen morphologischen Merkmale besitzen, erfolgt ihre Klassifikation vorrangig über Sequenzhomologien, insbesondere über das 16S-rRNA-Gen.
Zum Phylum Pseudomonadota gehören u.a. folgende Klassen:[2]
Vorkommen
Pseudomonadota gehören zu den häufigsten Bakterien im und auf dem menschlichen Körper und sind fester Bestandteil der normalen Mikrobiota verschiedener Körperstellen, darunter Gastrointestinaltrakt, Haut und Mundhöhle. Eine erhöhte relative Abundanz von Pseudomonadota im Darmmikrobiom gilt als möglicher Marker einer Dysbiose.[3]
Pathogene
Innerhalb der Pseudomonadota finden sich zahlreiche bedeutende humanpathogene Erreger. Eine Auswahl nach Klassen:
- Klasse Alphaproteobacteria
- Gattung Brucella: Brucella abortus, Brucella melitensis
- Gattung Rickettsia: Rickettsia prowazekii
- Klasse Betaproteobacteria
- Gattung Bordetella: Bordetella pertussis
- Gattung Neisseria: Neisseria gonorrhoeae, Neisseria meningitidis
- Klasse Gammaproteobacteria
- Gattung Escherichia: Escherichia coli
- Gattung Shigella: Shigella dysenteriae, Shigella sonnei, Shigella flexneri, Shigella boydii
- Gattung Salmonella: Salmonella typhi, Salmonella paratyphi, Salmonella typhimurium, Salmonella enteritidis
- Gattung Yersinia: Yersinia pestis, Yersinia enterocolitica, Yersinia pseudotuberculosis[4]
- Klasse Epsilonproteobacteria
- Gattung Helicobacter: Helicobacter pylori
Besonderheiten
- Einige bestimmte Untergruppen der Pseudomonadota (z.B. die Rhodospirillaceae, auch Purpurbakterien genannt) haben die besondere Eigenschaft, unter anoxischen Bedingungen anoxygene Photosynthese zu betreiben. Dabei verwenden die Bakterien Schwefel, Schwefelwasserstoff, Wasserstoff oder bestimmte organische Moleküle als Elektronendonatoren. Elementarer Sauerstoff wird bei dieser Reaktion nicht gebildet.
- Eine weitere Untergruppe der Pseudomonadota – die Myxobacteria – befinden sich biologisch betrachtet am direkten Übergangspunkt von einzelligen zu mehr- bzw. vielzelligen Lebewesen. Sie sind die bisher einzigen bekannten Vertreter aus dem Phylum Proteobacteria mit dieser Position. Myxobakterien sind in der Lage, mithilfe von Sporen vielzellige Fruchtkörper zu bilden, die in Konvergenz zu den Schleimpilzen stehen.
Quellen
- ↑ Oren und Garrity. Valid publication of the names of forty-two phyla of prokaryotes. International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. 71(10). 2021
- ↑ SeqCode Registry – Pseudomonadota, abgerufen am 08.05.2026
- ↑ Rivera-Chávez F, Lopez CA, Bäumler AJ. Oxygen as a driver of gut dysbiosis. Free Radic Biol Med. 2016;105:93-101.
- ↑ Barbieri R et al. Yersinia pestis: the Natural History of Plague. Clin Microbiol Rev. 2020;34(1).