Neisseria meningitidis
Synonym: Meningokokken
Englisch: Neisseria meningitidis, meningococcus
Definition
Neisseria meningitidis ist ein gramnegatives kugelförmiges Bakterium, das sich intrazellulär vermehrt. Es zählt zu den so genannten Kokken (Diplokokken) und verursacht unter anderem eine bakterielle Meningitis, vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen oder immunsupprimierten Patienten. Der einzige Wirt ist der Mensch.
Eigenschaften
Neisseria meningitidis wächst unter aeroben Bedingungen, kann sich aber auch in sauerstoffreduzierter Umgebung vermehren. Er passt dabei seine Enzymausstattung an die anaeroben Verhältnisse im infizierten Gewebe an.
Der Erreger ist auf den Menschen spezialisiert und konnte bislang (2026) nicht aus anderen Wirtstieren isoliert werden. Wahrscheinlich ist das darauf zurückzuführen, dass er das für sein Wachstum notwendige Eisen nur aus menschlichem Transferrin und Laktoferrin gewinnen kann. Neisseria meningitidis ist beim Menschen fakultativ pathogen. Das Bakterium lässt sich bei 5 bis 15% der Erwachsenen als Teil der residenten Flora des Nasopharynx nachweisen, ohne dass Krankheitszeichen vorliegen.
Die Polysaccharidkapsel von Neisseria meningitidis verhindert die Phagozytose des Erregers und unterstützt die Immunevasion. Die äußere Membran von Neisseria meningitidis enthält darüber hinaus Lipooligosaccharide. Sie wirken als Endotoxin und induzieren eine ausgeprägte proinflammatorische Zytokinantwort, die zu Endothelschädigung, Kapillarleck und Aktivierung der Gerinnung führt. In schweren Fällen kann es zu disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC), septischem Schock und mikroangiopathischen Veränderungen kommen, die sekundär mit einer Schädigung von Erythrozyten einhergehen.
Subtypen
Übertragung
Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen. Darüber hinaus spielt die Kontaktinfektion, z.B. durch Küssen eine Rolle.
Diagnostik
Meningokokken erscheinen in der mikroskopischen Untersuchung als gramnegative Diplokokken. Der Nachweis erfolgt kulturell aus Liquor oder Blutkulturen, mit Hilfe eines Latexpartikel-Agglutinationstests oder mittels PCR.
Das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken ist an der Universität Würzburg angesiedelt.
Therapie
Eine Meningokokkeninfektion kann mit Penicillin G behandelt werden. Da auch andere Bakterien Auslöser einer Meningitis sein können, wird in Akutsituationen in der Regel ein breiteres bakterielles Spektrum antibiotisch behandelt, beispielsweise durch Cephalosporine der 3. Generation (z.B. Ceftriaxon). Zusätzlich kann man Ampicillin geben, um auch eine Listerien-Meningitis abzudecken. Nach Vorliegen des mikrobiologischen Befundes sollte die Therapie deeskaliert werden.
Prävention
Zur Prävention einer Infektion mit Neisseria meningitidis dient die Meningokokkenimpfung. Es stehen Impfstoffe gegen diverse Serotypen von Neisseria meningitidis zur Verfügung. Weiterhin wird eine Umgebungsprophylaxe mit Rifampicin (alternativ Ciprofloxacin, Ceftriaxon und Azithromycin) für alle Personen empfohlen, die 7 Tage vor bis 10 Tage nach Erkrankungsbeginn in engem Kontakt mit der erkrankten Person standen.[1]
Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Berliner Robert-Koch-Instituts empfiehlt folgende Impfungen:
Meningokokken B
In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppe B zugelassen: Bexsero® ab dem Alter von 2 Monaten und Trumenbra® ab dem Alter von 10 Jahren. Die Impfung wird als Standardimpfung für alle Säuglinge mit 2, 4 und 12 Monaten empfohlen. Nachholimpfungen werden bis zum 5. Geburtstag empfohlen. Da der Impfstoff stark immunogen ist und regelhaft Impfreaktionen hervorruft, wird für Kinder unter 2 Jahren eine präventive Paracetamolgabe empfohlen.[2][3]
Zudem wird die Impfung für Personen mit spezifischen Grundkrankheiten (z.B. angeborener oder erworbener Immundefizienz) zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y empfohlen.[2]
Meningokokken C
Die Gabe einer einzigen Dosis eines Konjugatimpfstoffs gegen Meningokokken der Serogruppe C wird nicht mehr als Standardimpfung empfohlen. Eine Impfung gegen Meningokokken C erfolgt heute im Rahmen der quadrivalenten MenACWY-Impfung.[4]
Meningokokken ACWY
Eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y wird als Standardimpfung für alle Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren empfohlen.Verpasste Impfungen können bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden. Die Impfung ist zudem empfohlen als:[2]
- Indikationsimpfung:
- Gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz, insbesondere bei Komplementdefizienz, Therapie mit Eculizumab oder Ravulizumab, Hypogammaglobulinämie und Asplenie
- Bei gehäuftem Auftreten oder Ausbrüchen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden
- Berufsimpfung: Gefährdetes Laborpersonal
- Reiseimpfung: Reise in Länder mit epidemischem Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, vor Pilgerreise nach Mekka und ggf. für Schüler und Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener Impfung.
Die ACWY-Konjugatimpfstoffe sind in Deutschland ab dem Alter von 6 Wochen (Nimenrix®) bzw. 2 Jahren (Menveo®) zugelassen.
Meldepflicht
Meningokokkensepsis und -meningitis sind im Verdachts-, Erkrankung- oder Todesfall meldepflichtig nach §6 IfSG.[5]
Für eine Infektion mit Neisseria meningitidis besteht außerdem eine Meldepflicht nach §7 IfSG, wenn der Erreger in Liquor, Blut oder anderen normalerweise sterilen Körperflüssigkeiten oder -geweben nachgewiesen wurde. Meldepflichtig ist nicht die abgeschlossene Erregeridentifizierung, sondern bereits der Nachweis von gramnegativen Diplokokken im Grampräparat.
Literatur
- ↑ RKI – Meningokokken, invasive Erkrankungen (Neisseria meningitidis), abgerufen am 02.02.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/24 - Empfehlungen der STIKO beim RKI 2024. Aufgerufen am 30.08.2024.
- ↑ Robert-Koch-Institut, Schutzimpfung gegen Meningokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Stand 18.01.2024.
- ↑ RKI: Pressemitteilung der STIKO zur neuen Empfehlung der Meningokokken-Impfung. Zuletzt abgerufen am 02.02.2026
- ↑ IfSG §6, Gesetze im Internet, aufgerufen am 30.08.2024.
siehe auch: Meningokokken-Meningitis, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom