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Neisseria meningitidis

Synonym: Meningokokken
Englisch: Neisseria meningitidis, meningococcus

1 Definition

Neisseria meningitidis ist ein gramnegatives kugelförmiges Bakterium, das sich intrazellulär vermehrt. Es zählt zu den so genannten Kokken (Diplokokken) und verursacht unter anderem eine bakterielle Meningitis, vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen oder immunsupprimierten Patienten. Der einzige Wirt ist der Mensch.

2 Eigenschaften

Neisseria meningitidis wächst unter aeroben Bedingungen, kann sich aber auch in sauerstoffreduzierter Umgebung vermehren. Er passt dabei seine Enzymausstattung an die anaeroben Verhältnisse im infizierten Gewebe an.

Der Erreger ist auf den Menschen spezialisiert und konnte bislang (2020) nicht aus anderen Wirtstieren isoliert werden. Wahrscheinlich ist das darauf zurückzuführen, dass er das für sein Wachstum notwendige Eisen nur aus menschlichem Transferrin und Laktoferrin gewinnen kann. Neisseria meningitidis ist beim Menschen fakultativ pathogen. Das Bakterium lässt sich bei 5 bis 15% der Erwachsenen als Teil der residenten Flora des Nasopharynx nachweisen, ohne das Krankheitszeichen vorliegen.

Die Polysaccharidkapsel von Neisseria meningitidis verhindert die Phagozytose des Erregers und unterstützt die Immunevasion. Die äußere Membran von Neisseria meningitidis enthält darüber hinaus Lipooligosaccharide. Sie wirken als Endotoxin und können einen septischen Schock auslösen. Darüber hinaus führen sie zu einer Zerstörung der Erythrozyten.

3 Subtypen

Pathogene Meningokokken-Stämme unterscheiden sich bezüglich der Antigene in ihrer Polysaccharidkapsel. Unter den mehr als 10 verschiedenen Serotypen spielen vor allem die Varianten A, B, C, W135, X und Y eine Rolle.

4 Übertragung

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen. Darüber hinaus spielt die Kontaktinfektion, z.B. durch Küssen eine Rolle.

5 Diagnostik

Meningokokken erscheinen in der mikroskopischen Untersuchung als gramnegative Diplokokken. Der Nachweis erfolgt kulturell aus Liquor oder Blutkulturen oder mit Hilfe eines Latexpartikel-Agglutinationstests.

Das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken ist an der Universität Würzburg angesiedelt.

6 Therapie

Eine Meningokokkeninfektion kann mit Penicillin G behandelt werden. Da auch andere Bakterien Auslöser einer Meningitis sein können, wird in Akutsituationen in der Regel ein breiteres bakterielles Spektrum antibiotisch behandelt, beispielsweise durch Cephalosporine der 3. Generation (z.B. Ceftriaxon). Zusätzlich kann man Ampicillin geben, um auch eine Listerien-Meningitis abzudecken. Nach Vorliegen des mikrobiologischen Befundes sollte die Therapie deeskaliert werden.

7 Prävention

Es stehen Impfstoffe gegen diverse Serotypen von Neisseria meningitidis zur Verfügung. Weiterhin wird eine Umgebungsprophylaxe für alle Personen empfohlen, die 7 Tage vor bis 10 Tage nach Erkrankungsbeginn in engem Kontakt zu der erkrankten Person standen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Berliner Robert-Koch-Instituts empfiehlt folgende Impfungen:

7.1 Meningokokken C

Die Gabe einer einzigen Dosis des Konjugatimpfstoffs gegen Meningokokken der Serogruppe C wird für alle Kinder im Alter von 12 Monaten empfohlen. Eine fehlende Impfung sollte bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Eine Auffrischimpfung wird derzeit nicht empfohlen.

Weitere Indikationen bestehen für bestimmte Risikogruppen (siehe Meningokokken ACWY).

7.2 Meningokokken ACWY

Eine Impfung gegen Meningokokken der Serotypen A, C, W und Y ist empfohlen als:

  • Indikationsimpfung:
  • Berufsimpfung: Gefährdetes Laborpersonal
  • Reiseimpfung: Reise in Länder mit epidemischem Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, vor Pilgerreise nach Mekka und ggf. für Schüler und Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener Impfung.

Die ACWY-Konjugatimpfstoffe sind in Deutschland ab dem Alter von 6 Wochen (Nimenrix®) bzw. 2 Jahren (Menveo®) zugelassen.

7.3 Meningokokken B

In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppe B zugelassen: Bexsero® ab dem Alter von 2 Monaten und Trumenbra® ab dem Alter von 10 Jahren. Die Impfung kann für Personen mit spezifischen Grundkrankheiten (z.B. Immundefizienz) zusätzlich zur Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y erwogen werden. Daten zur Wirksamkeit liegen derzeit (2020) nicht vor.

8 Meldepflicht

Für eine Infektion mit Neisseria meningitidis besteht eine Meldepflicht nach dem IfSG §7, wenn der Erreger in Liquor, Blut oder anderen normalerweise sterilen Körperflüssigkeiten oder -geweben nachgewiesen wurde. Meldepflichtig ist nicht die fertige Erregeridentifizierung, sondern bereits der Nachweis von gramnegativen Diplokokken im Grampräparat.

9 Quellen

siehe auch: Meningokokken-Meningitis, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Oktober 2020 um 17:04 Uhr bearbeitet.

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