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Blutkultur

Englisch: blood culture

1 Definition

Unter einer Blutkultur versteht man die mikrobiologische Untersuchung des Blutes. Sie dient der kulturellen Anzucht im Blut befindlicher Krankheitserreger.

2 Durchführung

Für die Blutentnahme wird eine geeignete periphere Vene punktiert, wobei auf streng aseptisches Arbeiten geachtet werden muss, um eine Kontamination zu vermeiden:

Außer bei Verdacht auf eine katheterassoziierte Infektion sollte eine Entnahme aus liegenden Kathetersystemen vermieden werden. Außerdem sollte keine Venenpunktion durch eine entzündete bzw. ekzematös veränderte Haut erfolgen. Die Kontaminationsrate pro Blutkulturentnahme wird auf bis zu 6 % geschätzt.

Der ideale Entnahmezeitpunkt ist vor Beginn einer antibiotischen Therapie. Wurde diese bereits gestartet, sollte die Entnahme zu einem Zeitpunkt eines möglichst niedrigen Antibiotikaserumspiegels erfolgen, z.B. vor Gabe der nächsten Dosis. Entgegen früherer Annahme sollte nicht auf einen Fieberanstieg gewartet werden, da zu diesem Zeitpunkt bereits weniger Erreger im Blut zirkulieren. Theoretisch wäre ein Entnahmezeitpunkt vor dem Auftreten von Fieber ideal, was praktisch aber schwer realisierbar ist.

Für die Blutkultur werden spezielle, sterile Entnahmegefäße (Blutkulturflaschen) verwendet, die ein geeignetes Nährmedium enthalten. Dabei sollten jeweils zwei bis vier Blutkultursets aus verschiedenen Punktionsstellen inokuliert werden. Ein Blutkulturset besteht aus zwei Flaschen: Eine enthält ein Gasgemisch, das für aerobe Erreger ausgelegt ist, während die andere Flasche für anaerobe Erreger gedacht ist. Ob die Abnahme nur aus einer einzigen Punktionsstelle Vorteile erbringt, ist derzeit (2020) umstritten und noch Gegenstand von Studien.

Pro Blutkulturflasche sollte ein Blutvolumen von 10 ml abgenommen werden, bei Kindern unter 20 kgKG nur 1-5 ml. Mit der frischen sterilen und blutdurchspülten Kanüle sollte anschließend zuerst die anaerobe Flasche befüllt werden, bei geschlossenen Systemen zur Blutentnahme erst die aerobe Flasche.

Nach Beschriftung der Blutkulturflaschen und Ausfüllen des Anforderungsscheins werden die Blutproben im Inkubator bei 37 °C mehrere Tage lang bebrütet. Nach erfolgreicher Anzucht und Isolierung erfolgt im Labor die Erregeridentifizierung und Resistenztestung.

3 Indikationen

Blutkulturen dienen dem Erregernachweis vor Beginn einer kalkulierten Antibiotikatherapie bei

Auch bei einem systemischen Verlauf einer sonst lokalisierten Infektion (z.B. Pneumonie, Harnwegsinfekt, Osteomyelitis, Meningitis oder Katheterinfektionen) sollte eine Blutkultur angefertigt werden. Eine besonders großzügige Indikationsstellung erfolgt bei Risikopatienten. Dazu zählen:

4 Befund

Bei einem positiven Erregernachweis ist von einem richtig positiven Ergebnis auszugehen, wenn:

  • der nachgewiesene Keim als Verusacher der Infektion plausibel erscheint,
  • der gleiche Keim in Blutkultursets aus verschiedenen Punktionsstellen nachgewiesen wurde.

In diesem Fall wird anschließend nach Resistenzbestimmung eine gezielte Antibiotikatherapie ausgewählt.

5 Katheterassoziierte Infektionen

Bei katheterassoziierten Infektionen sollte ein Blutkulturset aus einer peripheren Vene und ein Set aus dem verdächtigen Katheter beimpft werden. Anschließend wird anhand der gepaarten Blutkultursets verglichen, wie lange es dauert, bis jeweils ein positiver Keimnachweis festzustellen ist (Differential Time to Positivity): Wenn im Katheter-Blutkulturset mehr als zwei Stunden vor dem periphervenösen Set ein Erregernachweis erfolgt, ist eine katheterassoziierte Infektion wahrscheinlich.

6 Quellen

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Mai 2020 um 17:47 Uhr bearbeitet.

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