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Lyme-Borreliose (Hund)

Synonyme: Lyme-Krankheit, Borreliose
Englisch: lyme disease

1 Definition

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Spirochäten der Gattung Borrelia hervorgerufene und durch Vektoren übertragene Infektionskrankheit beim Hund.

2 Ätiologie

Die Lyme-Borreliose wird durch Borrelia burgdorferi, ein gramnegatives und charakteristisch unregelmäßig gewundenes Bakterium, ausgelöst. Die Erreger werden vorrangig von der Zecke Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) während der Blutmahlzeit (Hämatophagie) auf den Wirt übertragen.

3 Epidemiologie

In Deutschland (Thüringen) sind ca. 11 % der Zecken mit Borrelien infiziert (Borrelia garinii, Borrelia burgdorferi, Borrelia afzelii und Borellia valisiana). In endemischen Regionen weisen rund 95 % aller Hunde Antikörper gegen Borrelien auf, von denen jedoch nur wenige Symptome entwickelt hatten.

Erregerreservoir der Borrelien sind wild lebende Säugetiere sowie Vögel, über die sich die juvenilen Zeckenstadien bei ihrer ersten Blutmahlzeit mit Borrelien infizieren. Bei der darauf folgenden Blutmahlzeit können die Nymphen bereits infektiöse Borrelien auf den Wirt übertragen.

4 Pathogenese

Die Bakterien halten sich zu Beginn im Darm der Zecke auf, um dann über die Hämolymphe zur Speicheldrüse zu wandern. Diese Wanderphase dauert zwischen 24 und 48 Stunden, sodass der Höhepunkt der Erregerübertragung etwa nach 50 Stunden erfolgt. Aufgrund dessen kann durch eine frühzeitige Entfernung der Zecke und eine ausreichende Funktion des Immunsystems eine Infektion verhindert werden.

Nachdem die Zecke die Borrelien an den Wirt übergeben hat, entwickeln rund 5 bis 10 % der betroffenen Hunde klinische Symptome. Im Gegensatz dazu kommt es bei ca. 75 % der Tiere zur Ausbildung von Antikörpern. Hunde, die gleichzeitig an einer Infektion mit Anaplasmen, Ehrlichien und/oder Bartonellen leiden, entwickeln vermutlich häufiger eine klinisch manifeste Borreliose, als Hunde mit einer reinen Borreliose-Infektion. Bei einigen Hunden wiederum wandern die Bakterien aktiv von der Haut ins Gewebe und in Gelenke ein, während sie bei anderen Hunden lebenslänglich in der Haut persistieren, ohne sich auszubreiten und eine Antikörperreaktion hervorzurufen.

Mithilfe eines Glykosaminoglykan-Rezeptors ist es den Borrelien möglich, sich bevorzugt an Geweben mit einem hohen kollagenen Faseranteil (z.B. Gelenke, Herz, Perikard und Meningen) zu binden. Eine Disseminierung über den Blutweg erfolgt nur selten. Durch eine ausgeprägte Entzündungsreaktion kommt es letztendlich zur Ausbildung der spezifischen Symptome. Warum eine Infektion mit Borrelien bei einem Hund Symptome auslöst und bei einem anderen Hund nicht, ist bislang (2021) unklar. Die Pathogenität der Erreger hängt jedoch von der Borrelien-Spezies, von der Anzahl der festgesaugten infizierten Zecken sowie vom Alter und vom Immunstatus des betroffenen Hundes ab.

5 Klinik

Symptome treten in der Regel 2 bis 5 Monate nach der Infektion auf. Das für den Menschen typische Erythem an der Stelle des Zeckenbisses fehlt beim Hund. Gelegentlich kommt es zu einer leichten Rötung der Haut, Fieber, Anorexie, Lymphadenopathie, Gelenkschwellung und Lahmheit, wobei die Symptome wieder binnen einer Woche verschwinden können.

Der Grad der Lahmheit variiert zwischen gering- und hochgradig. Durch die Einwanderung in die Gelenke und der damit verbundenen Entzündungsreaktion kommt es zu einer nicht-erosiven Arthritis bzw. Polyarthritis. Die Gelenkveränderungen können auch bei antibiotisch abgedeckten Patienten entstehen. Zusätzlich sind weitere Krankheitsbilder beschrieben, die gehäuft bei bestimmten Rassen auftreten. So leiden v.a. Labradore, Golden Retriever und Berner Sennenhunde an Glomerulonephritis mit Proteinurie. Andere Hunde wiederum entwickeln eine milde fokale Meningitis, Enzephalitis und Perineuritis, die sich v.a. in Hyperästhesie, verminderter Propriozeption und Parese bzw. Paralyse zeigt.

6 Labormedizin

Bei Glomerulonephritis kommt es zu Proteinurie und in fortgeschrittenen Fällen zu Azotämie, Polyurie und einer Zylindrurie. Die Synovia vermehrt gefüllter Gelenke weist eine deutlich verminderte Viskosität, einen erhöhten Proteingehalt und eine erhöhte Zellzahl auf.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind andere nicht-erosive Polyarthritiden (immunbedingt vs. infektiös) sowie eine Glomerulonephritis anderer Genese auszuschließen.

8 Diagnose

Die Anamnese mit Exposition in einem endemischen Zeckengebiet und klinische Symptome geben erste Hinweise für eine Verdachtsdiagnose.

Die Diagnose lässt sich mittels indirektem (z.B. serologischer Schnelltest) oder direktem Erregernachweis (PCR aus Gewebe, Synovia, Liquor cerebrospinalis oder Urin) stellen. Da es öfters auch zu falsch-negativen Befunden kommt (keine Antikörperbildung, geringe Sensitivität des Testverfahrens u.ä.), wird auch eine therapeutische Diagnose mit Gabe von Antibiotika empfohlen.

9 Therapie

Aufgrund seiner Pharmakologie ist Doxycyclin (5 mg/kgKG BID p.o. für mind. 4 Wochen) das Mittel der Wahl. Zusätzlich ist eine symptomatische Behandlung anzuwenden, z.B. Meloxicam 0,1 mg/kgKG SID p.o. bei Schmerzen.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

10 Prognose

Bei frühzeitig eingesetzter Behandlung ist die Prognose als günstig einzustufen. Aufgrund der Persistenz muss auch nach einer Langzeittherapie mit Rezidiven gerechnet werden.

11 Prophylaxe

Hunde sollten in endemischen Gebieten mit repellierenden Wirkstoffen (z.B. Permethrin) behandelt und mechanisch von Zecken befreit werden. Gleichzeitig sind verschiedene Impfstoffe am Markt verfügbar.

12 Quellen

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3.
  • Littman MP, Gerber B, Goldstein RE, Labato MA, Lappin MR, Moore GE. 2018. ACVIM consensus update on Lyme borreliosis in dogs and cats. J Vet Intern Med 32(3):887-903. doi:10.1111/jvim.15085
  • Hildebrandt A, Schmidt KH, Wilske B, Dorn W, Straube E, Fingerle V. 2003. Prevalence of Four Species of Borrelia burgdorferi Sensu Lato and Coinfection with Anaplasma phagocytophila in Ixodes ricinus Ticks in Central Germany. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 22, 364–367. https://doi.org/10.1007/s10096-003-0926-2

Diese Seite wurde zuletzt am 30. Januar 2021 um 01:43 Uhr bearbeitet.

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