Meloxicam
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Synonym: Meloxicamum
Englisch: meloxicam
Definition
Meloxicam ist ein verschreibungspflichtiges nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) aus der Gruppe der Oxicame. Es wirkt analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch. Eingesetzt wird es vor allem zur symptomatischen Behandlung von Arthrose und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
Chemie
Meloxicam besitzt die Summenformel C14H13N3O4S2 und eine molare Masse von 351,4 g/mol. Es liegt als gelbliches, in Wasser praktisch unlösliches Pulver mit einem Schmelzpunkt von etwa 254 °C vor.[1]
Wirkmechanismus
Meloxicam hemmt die Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 und vermindert dadurch die Bildung von Prostaglandinen. In therapeutischen Konzentrationen wird COX-2 bevorzugt gehemmt. Meloxicam ist jedoch kein selektiver COX-2-Hemmer im engeren Sinne.[2]
Pharmakokinetik
Nach oraler Gabe beträgt die Bioverfügbarkeit etwa 90 %. Maximale Plasmaspiegel werden bei festen Darreichungsformen nach fünf bis sechs Stunden erreicht, ein Steady State nach drei bis fünf Tagen. Meloxicam ist zu etwa 99 % an Plasmaproteine, vor allem Albumin, gebunden. In der Synovialflüssigkeit erreicht es etwa die Hälfte der Plasmakonzentration.
Der Abbau erfolgt weitgehend hepatisch, überwiegend über CYP2C9 und in geringerem Umfang über CYP3A4. Die inaktiven Metaboliten werden zu etwa gleichen Teilen renal und fäkal ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen 13 und 25 Stunden. Dies erlaubt die einmal tägliche Gabe.[3]
Indikationen
Meloxicam ist bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren zur symptomatischen Behandlung folgender Erkrankungen zugelassen:
- Kurzzeitbehandlung der aktivierten Arthrose
- Langzeitbehandlung der rheumatoiden Arthritis
- Langzeitbehandlung der röntgenologischen axialen Spondyloarthritis (r-axSpA), die in der Fachinformation noch als Spondylitis ankylosans bezeichnet wird.[4]
Darreichungsformen
In Deutschland ist Meloxicam überwiegend als Tablette zu 7,5 mg und 15 mg erhältlich. Die Tagesdosis wird einmal täglich während einer Mahlzeit eingenommen. In der Veterinärmedizin wird Meloxicam auch oral als Suspension und subkutan als Injektion angewendet.
Dosierung
Bei aktivierter Arthrose beträgt die Dosis 7,5 mg einmal täglich. Bei unzureichender Wirkung kann sie auf 15 mg erhöht werden. Bei rheumatoider Arthritis und r-axSpA werden 15 mg täglich gegeben. Je nach Therapieerfolg kann die Dosis auf 7,5 mg reduziert werden. Die Tageshöchstdosis beträgt 15 mg.
Ältere Patienten erhalten in der Langzeittherapie 7,5 mg täglich. Bei Patienten mit erhöhtem gastrointestinalem oder kardiovaskulärem Risiko soll die Behandlung mit 7,5 mg beginnen. Bei Hämodialysepatienten darf die Tagesdosis 7,5 mg nicht überschreiten. Bei einer Kreatinin-Clearance über 25 ml/min ist keine Dosisanpassung nötig.[3]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Grundsätzlich soll die niedrigste wirksame Dosis über den kürzestmöglichen Zeitraum angewendet werden. Meloxicam ist in der PRISCUS-2.0-Liste als potenziell inadäquate Medikation im Alter eingestuft.[5] Die S3-Leitlinie GeriPAIN versteht diese Einstufung als Entscheidungshilfe, nicht als generelle Kontraindikation.[6]
Nebenwirkungen
Am häufigsten treten gastrointestinale unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf. Dazu zählen Dyspepsie, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Diarrhö, Obstipation und Meteorismus. Gelegentlich kommt es zu gastrointestinalen Blutungen, selten zu Ulzera und sehr selten zu Perforationen.
Weitere klinisch bedeutsame Nebenwirkungen sind:
- Natrium- und Wasserretention, Ödeme, Blutdruckanstieg und Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
- Einschränkung der Nierenfunktion, Hyperkaliämie und sehr selten akutes Nierenversagen
- Überempfindlichkeitsreaktionen bis zur Anaphylaxie
- schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse, vor allem in den ersten vier Behandlungswochen
Auch ein fixes Arzneimittelexanthem ist beschrieben. Seine Häufigkeit ist nicht bekannt. Danach soll Meloxicam nicht erneut gegeben werden. Kreuzreaktionen mit anderen Oxicamen sind möglich.[7]
Wie bei anderen NSAR ist besonders eine hochdosierte Langzeitbehandlung mit einem leicht erhöhten Risiko arterieller thrombotischer Ereignisse wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall verbunden.[3]
Wechselwirkungen
Pharmakodynamisch erhöhen andere NSAR, Glukokortikoide, Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer und SSRI das Risiko gastrointestinaler Blutungen. Zusammen mit ACE-Hemmern, AT1-Rezeptorantagonisten, Diuretika und Calcineurin-Inhibitoren steigt das Risiko einer Nierenfunktionsstörung. Gleichzeitig kann die blutdrucksenkende Wirkung von Antihypertensiva abgeschwächt werden.
Pharmakokinetisch kann Meloxicam die Plasmaspiegel und die Toxizität von Lithium, Methotrexat und Pemetrexed erhöhen. Über CYP2C9 sind Wechselwirkungen mit Sulfonylharnstoffen und Nateglinid mit Hypoglykämierisiko möglich. Colestyramin unterbricht den enterohepatischen Kreislauf und beschleunigt so die Elimination von Meloxicam deutlich.[3]
Kontraindikationen
Meloxicam ist kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegen Meloxicam oder andere NSAR, einschließlich Asthma, Angioödem, Urtikaria oder Nasenpolypen nach Einnahme von Acetylsalicylsäure oder NSAR
- aktiven oder rezidivierenden peptischen Ulzera oder Blutungen (mindestens zwei Episoden) sowie NSAR-bedingter gastrointestinaler Blutung oder Perforation in der Anamnese
- gastrointestinaler Blutung, zerebrovaskulärer Blutung in der Anamnese oder anderen Blutungsstörungen
- schwerer Leberinsuffizienz, schwerer nicht dialysierter Niereninsuffizienz und schwerer Herzinsuffizienz
- Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren sowie im dritten Schwangerschaftstrimester[3]
Schwangerschaft und Stillzeit
Im ersten und zweiten Trimester soll Meloxicam nur bei zwingender Indikation angewendet werden. Ab der 20. Schwangerschaftswoche kann eine mehrtägige Einnahme ein Oligohydramnion oder eine Verengung des Ductus arteriosus verursachen. In diesem Fall sollte eine pränatale Überwachung erwogen werden. Im dritten Trimester ist Meloxicam kontraindiziert. In der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen. Meloxicam kann außerdem die weibliche Fertilität beeinträchtigen.[3]
Quellen
- ↑ National Center for Biotechnology Information. PubChem Compound Summary: Meloxicam, abgerufen am 09.10.2026
- ↑ Engelhardt G. Pharmacology of meloxicam, a new non-steroidal anti-inflammatory drug with preferential inhibition of COX-2. Br J Rheumatol. 1996;35 Suppl 1:4-12.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 ratiopharm GmbH. Fachinformation Meloxicam-ratiopharm® Tabletten, abgerufen am 09.10.2026
- ↑ van der Heijde et al. Goodbye to the term 'ankylosing spondylitis', hello 'axial spondyloarthritis': time to embrace the ASAS-defined nomenclature. Ann Rheum Dis. 2024;83(5):547-9.
- ↑ Mann et al. Potentially inadequate medications in the elderly: PRISCUS 2.0 – first update of the PRISCUS list. Dtsch Arztebl Int. 2023;120(1-2):3-10.
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN). AWMF-Registernummer 145-005. 2025.
- ↑ BfArM. CMDh-Position zu den regelmäßig aktualisierten Unbedenklichkeitsberichten (PSUSA) für Meloxicam, abgerufen am 09.10.2026