Lipidsenker
Synonym: Antilipidämikum
Definition
Als Lipidsenker bezeichnet man Arzneistoffe, die bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt werden, um den Plasmaspiegel von Cholesterin und/oder Triglyceriden zu reduzieren.
Einteilung
Lipidsenker sind eine chemisch und pharmakodynamisch sehr heterogene Gruppe von Wirkstoffen.
Standardtherapien
- HMG-CoA-Reduktasehemmer bzw. Statine (z.B. Atorvastatin): hemmen das Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese. Dies führt zur vermehrten hepatischen LDL-Rezeptor-Aktivität und beschleunigten Elimination von LDL-Cholesterin aus dem Blut. Sie können bei allen mit Atherosklerose einhergehenden Erkrankungen eingesetzt werden. Sie vermindern die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität bei der Sekundärprävention. Bei der Primärprävention senken sie langfristig die Zahl kardiovaskulärer Ereignisse.
- Cholesterinresorptionshemmer (Ezetimib): Hemmung der intestinalen Cholesterinresorption im Bürstensaum über Bindung an den Cholesterintransporter NPC1L1; reduziert das LDL-Cholesterin um bis zu 20 %.
- PCSK9-Inhibitoren (z.B. Alirocumab, Evolocumab): Hemmung des Enzyms PCSK9 mit sehr effektiver LDL-Senkung um bis zu 60 %, jedoch aktuell (2026) hohe Therapiekosten
Weitere etablierte Lipidsenker
- Fibrate (z.B. Fenofibrat, Gemfibrozil): Komplexer, teils ungeklärter Wirkmechanismus (u.a. PPAR-Agonist), senken insbesondere die Triglyceridkonzentrationen, jedoch auch das LDL-Cholesterin, Einsatz v.a. bei Hypertriglyzeridämie
- Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) senken in Dosen von 3 bis 4 g/d die Triglyceridwerte, können jedoch zu einem Anstieg von LDL-Cholesterin führen.[1]
- ACL-Inhibitoren (z.B. Bempedoinsäure): Hemmung der ATP-Citrat-Lyase
- Anionenaustauscherharze bzw. Gallensäurebinder (z.B. Colestyramin, Colesevelam): binden Gallensäuren und entziehen diese dem enterohepatischen Kreislauf. Dadurch wird die LDL-Rezeptoraktivität stimuliert, sodass es zur Reduktion des LDL-Cholesterins um ca. 25 % kommt. Sie können jedoch die Triglyceridwerte erhöhen. Der Einsatz erfolgt v.a. bei Kindern und Frauen in der Schwangerschaft bzw. Stillzeit.
- siRNA gegen PCSK9 (z.B. Inclisiran): Wenn das LDL-Ziel mit Standardtherapien nicht erreicht wird oder als Monotherapie, wenn Statine kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden
- Antisense-Oligonukleotide gegen ApoC-III (z.B. Volanesorsen, Olezarsen) bei familiärer Hyperchylomikronämie
Obsolete bzw. selten eingesetzte Lipidsenker
Weitere Lipidsenker, die entweder in Europa nicht mehr erhältlich sind oder nur eine untergeordnete therapeutische Bedeutung haben, sind:
- MTP-Inhibitoren: Hemmung des mikrosomalen Triglycerid-Transferproteins (MTP), z.B. Lomitapid (außer Handel)
- Nicotinsäure und ihre Derivate: Niacin, Acipimox (in Deutschland nicht zugelassen)
- Antisense-Oligonukleotid gegen ApoB-100: Mipomersen (in Deutschland nicht zugelassen)
- virales Gentherapeutikum: Alipogen-Tiparvovec (Entwicklung eingestellt)
- DGAT1-Inhibitoren: Pradigastat (Entwicklung eingestellt)
Phytopharmaka
Indikationen
Das primäre Therapieziel ist die Senkung des LDL-Cholesterins entsprechend dem individuellen kardiovaskulären Risiko. Lipidsenker dienen der Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen und/oder Pankreatitiden.
Podcast
FlexTalk - Lipoproteine
Einzelnachweis
- ↑ BfArM Omega-3-Fettsäuren Risikobewertungsverfahren, 18.06.2019, abgerufen am 17.10.2019
Quelle
- Gelbe Liste, Bempedoinsäure, abgerufen am 31.3.26
Bildquelle
- Bildquelle Podcast: ChatGPT (DocCheck)
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Fachgebiete:
Pharmakologie
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