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Gallensäure

Englisch: bile acid

1 Definition

Gallensäuren sind in der Leber produzierte Abkömmlinge des Cholesterins, die wichtig für die Resorption von Fetten sind, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Sie liegen in der Galle überwiegend konjugiert in Form von Anionen als Gallensalze vor.

2 Synthese

In der Leber wird Cholesterin zu den primären Gallensäuren Cholsäure oder Chenodesoxycholsäure umgebaut und anschließend mit Glycin oder Taurin konjugiert. Die dabei entstehenden Produkte werden als Glyko- bzw. Taurocholsäure oder Glyko- bzw. Taurocholat bezeichnet und sind die Gallensalze der Cholsäure. Nach Zwischenlagerung in der Gallenblase werden die Gallensäuren pulsatil über die Gallengänge und die Vater-Papille in das Duodenum abgegeben.

Durch bakterielle Prozesse im Darm wird das zuvor angelagerte Glycin bzw. Taurin wieder abgespalten und die Hydroxylgruppe an C7 des Cholatmoleküls entfernt, man spricht nun von den sekundären Gallensäuren, dazu gehören die Desoxycholsäuren und Lithocholsäuren. Sowohl primäre als auch sekundäre Gallensäuren unterliegen dem sogenannten enterohepatischen Kreislauf und werden fast komplett im terminalen Ileum rückresorbiert.

3 Funktion

Da Gallensäuren stark amphiphil sind, wirken sie im Darmlumen emulgierend auf mit der Nahrung aufgenommene Fette. Dadurch wird die Zersetzung der Fette durch Lipasen ermöglicht.

Gallensäuren stellen auch die einzige Möglichkeit des Körpers dar, überschüssiges Cholesterin auszuscheiden. Ein pharmakologischer Ansatz bei Hypercholesterinämie besteht darin, durch Anionenaustauscherharze (z.B. Colestyramin) Gallensäuren zu binden, sie dem enterohepatischen Kreislauf zu entziehen und somit auszuscheiden.

4 Pathophysiologie

Wenn Gallensäuren zum Beispiel auf Grund eines veränderten pH-Werts in den Gallengängen Cholesterin nicht mehr in Lösung halten können, fällt dieses aus und es bilden sich Gallensteine.

Sekundäre Gallensäuren wirken darüber hinaus zytotoxisch und begünstigen die Entstehung von kolorektalen Karzinomen. Sie induzieren eine gesteigerte Proliferation der Colonschleimhaut und führen in den Epithelzellen zu einer DNA-Fragmentierung und zum Abbau des Tumorsuppressorproteins P53.[1]

5 Labormedizin

Im Rahmen einiger Lebererkrankungen können Gallensäuren im Blut erhöht sein.

5.1 Material

Zum Nachweis der Gallensäuren im Blut benötigt man 1 ml Serum.

5.2 Referenzbereich

Der Gehalt an Gallensäuren sollte < 10 µmol/l Serum betragen.

5.3 Interpretation

Erhöhte Werte treten u.a. im Rahmen von Virushepatitiden, Cholestase, toxischen Leberschädigungen sowie chronischen Lebererkrankungen auf. Die Aussagekraft eines isolierten Befundes ist jedoch bei vielen Fragestellungen fraglich. Daher sollten immer weitere Parameter, beispielsweise direktes und indirektes Bilirubin sowie Transaminasen bestimmt werden.

siehe auch: Gallensäureverlust-Syndrom

6 Pharmakologie

Pharmakologisch kann man weitere Gallensäurenderivate herstellen, dazu gehören unter anderem die Ursodesoxycholsäure, Obeticholsäure sowie die Dehydrocholsäure. Sie werden zur Therapie verschiedener Lebererkrankungen eingesetzt.

7 Quellen

  1. Ocvirk S, O'Keefe SJD. Dietary fat, bile acid metabolism and colorectal cancer. Semin Cancer Biol. 2021 Aug;73:347-355. doi: 10.1016/j.semcancer.2020.10.003. Epub 2020 Oct 16. PMID: 33069873
  • Laborlexikon.de, abgerufen am 16.02.2021

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Fachgebiete: Biochemie, Pathologie

Diese Seite wurde zuletzt am 3. März 2022 um 09:45 Uhr bearbeitet.

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