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Obeticholsäure

Abkürzung: OCA
Handelsname: Ocaliva®
Englisch: obeticholic acid

1 Definition

Obeticholsäure, kurz OCA, ist ein Arzneistoff, der bei der primären biliären Cholangitis (PBC) angewandt wird. Es handelt sich um den ersten Vertreter der selektiven Farnesoid-X-Rezeptor-Agonisten.

2 Chemie

Obeticholsäure ist ein synthetisches Gallensäure-Derivat, das in Position 3 und 7 eine Hydroxygruppe und in Position 6 eine Ethylgruppe trägt.

Die Summenformel lautet C26H44O4; das Molekulargewicht beträgt 420,6 g/mol.

3 Wirkmechanismus

Obeticholsäure ist ein selektiver Farnesoid-X-Rezeptor-Agonist (FXR-Agonist). FXR ist ein Kernrezeptor, der in Leber und Niere in hoher Konzentration exprimiert wird und den Gallensäurestoffwechsel sowie von ihn abhängige Entzündungs- und Fibroseprozesse beeinflusst. Eine Aktivierung von FXR führt zu einer Absenkung der Gallensäurekonzentration in den Hepatozyten, indem die Synthese und der Transport der Gallensäure aus den Zellen hinaus unterdrückt wird. Dadurch wird die Exposition der Leberzellen gegenüber Gallensäuren reduziert.[1]

4 Pharmakokinetik

Es dauert etwa 2 Stunden, bis die maximale Plasmakonzentration erreicht ist. Die Plasmaeiweißbindung beträgt 99%. Die Biotransformation erfolgt durch Konjugation mit Glycin oder Taurin. Die entstehenden Konjugate werden über die Galle ausgeschieden und im Dünndarm resorbiert - es liegt also ein enterohepatischer Kreislauf vor. Im Dünn- und Dickdarm wird das Konjugat durch Darmbakterien in die Ausgangssubstanzen gespalten. Auf diese Weise wird Obeticholsäure hauptsächlich (87%) über den Stuhl ausgeschieden.[1]

5 Indikation

  • Behandlung der primären biliären Cholangitis in Verbindung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen, die nicht auf UCDA ansprechen oder diese nicht tolerieren.

6 Darreichungsform

Darreichungsform ist die Filmtablette.

7 Dosierung

Zu Beginn der Behandlung ist der Leberstatus zu bestimmen. Dies kann mit dem Child-Pugh-Score erfolgen. Im Child-Pugh-Stadium A liegt die Anfangsdosis bei einmal täglich 5 mg, im Stadium B und C bei einmal wöchentlich 5 mg. Nach 6 bzw. 3 Monaten wird die Therapie bewertet (z.B. über die alkalische Phosphatase) und die Dosis ggf. angepasst.[1]

In einem Rote-Hand-Brief (02/2018) wurde die Bedeutung der Erfassung des Leberstatus explizit hervorgehoben, da es bei einer unzureichenden Dosisanpassung zu Todesfällen kommen kann.[2]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen sind bekannt:[1]

9 Wechselwirkungen

Folgende Nebenwirkungen sind bekannt:[1]

  • Warfarin: Bei der gleichzeitigen Gabe von Warfarin und Obeticholsäure ist der INR-Wert reduziert.
  • CYP1A2-Substrate mit geringer therapeutischer Breite (z.B. Theophyllin, Tizanidin): Obeticholsäure kann die Exposition gegenüber Arzneistoffen erhöhen, welche durch CYP1A2 verstoffwechselt werden. Haben diese eine geringe therapeutische Breite, wird eine Therapieüberwachung empfohlen.
  • Gallensäure-bindende Harze (z.B. Colestyramin, Colestipol oder Colesevelam) adsorbieren Gallensäuren und setzen die Wirkung der Obeticholsäure herab.

10 Kontraindikationen

Folgende Kontraindikationen sind bekannt:[1]

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • totaler Gallengangsverschluss

11 Nutzenbewertung

Da Obeticholsäure ein Orphan Drug ist, gilt der Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt.[3]

12 Kosten

Die Jahrestherapiekosten für eine Behandlung mit Obeticholsäure und Ursodesoxycholsäure (UDCA) liegen bei 49.215 € für Obeticholsäure und 703 bis 832 € bei UDCA bei einer ungefähren Patientenzahl von 1.960 bis 9.950 Patienten.[3]

13 Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Fachinformation zu OCALIVA® 5 mg Filmtabletten, Gelbe Liste, aufgerufen am 01.03.2019
  2. Rote-Hand-Brief vom 08. Februar 2018 zu Obeticholsäure, aufgerufen am 01.03.2019
  3. 3,0 3,1 Obeticholsäure (primäre biliäre Cholangitis) - Bewertung gemäß §35a Abs. 1 Satz 10 SGB V, durchgeführt durch das IQWiG im April 2017, aufgerufen am 01.03.2019

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Fachgebiete: Pharmakologie

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