Evolocumab
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LoslegenHandelsname: Repatha®
Synonym: AMG 145
Englisch: evolocumab
Definition
Evolocumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper aus der Gruppe der PCSK9-Inhibitoren, der zu den Lipidsenkern gehört. Er wird zur Behandlung der Hypercholesterinämie eingesetzt.
Chemie
Bei Evolocumab handelt es sich um einen humanen monoklonalen Immunglobulin-G2-Antikörper, der mittels rekombinanter DNA-Technologie in CHO-Zellen hergestellt wird.
Wirkmechanismus
Evolocumab bindet selektiv an die Serinprotease Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9). Der Antikörper verhindert die Bindung von PCSK9 an den LDL-Rezeptor auf der Oberfläche von Leberzellen (Hepatozyten). Dadurch wird der PCSK9-vermittelte Abbau des LDL-Rezeptors gehemmt und so die Anzahl der LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Hepatozyten erhöht. Entsprechend wird auch mehr Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin (LDL-C) in der Leber aufgenommen. Die Folge ist eine Senkung des LDL-C im Serum.
Pharmakokinetik
Evolocumab weist eine Bioverfügbarkeit von 72 % auf. Das mittlere Verteilungsvolumen im Steady State wird auf 3,3 Liter geschätzt. Der Wirkstoff wird in kleine Peptide und einzelne Aminosäuren metabolisiert. Die effektive Halbwertszeit beträgt 11–17 Tage. Die mittlere systemische Clearance nach Gabe einer Dosis liegt bei 12 ml/h.
Indikationen
Evolocumab wird angewendet bei:
- Erwachsenen mit primärer Hypercholesterinämie (heterozygot familiär und nicht-familiär) oder gemischter Dyslipidämie sowie Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie zusätzlich zur diätetischen Therapie:[1]
- in Kombination mit einem oder mehreren lipidsenkenden Medikamenten, bei Patienten, die mit der maximal tolerierbaren Statindosis die Cholesterin-Zielwerte nicht erreichen
- allein oder in Kombination mit anderen lipidsenkenden Therapien bei Patienten mit Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber Statinen
- Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie in Kombination mit anderen lipidsenkenden Therapien[2]
- Erwachsenen mit bestehender atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder hohem Risiko dafür zur Senkung des kardiovaskulären Risikos durch LDL-C-Senkung, zusätzlich zur Behandlung anderer Risikofaktoren: zusammen mit der maximal verträglichen Statindosis, gegebenenfalls ergänzt durch weitere Lipidsenker; bei Statinintoleranz oder Statin-Kontraindikation auch als Monotherapie oder mit anderen Lipidsenkern[2]
Vor der Anwendung müssen sekundäre Ursachen der Hyperlipidämie bzw. gemischten Dyslipidämie (z.B. nephrotisches Syndrom, Hypothyreose) ausgeschlossen werden.
Bei koronarer Herzkrankheit (KHK) kann Evolocumab im Rahmen der Zielwertstrategie eingesetzt werden, wenn der vereinbarte LDL-C-Zielwert trotz maximal verträglicher Statindosis und Ezetimib nicht erreicht wird. Diese NVL-Empfehlung wird allerdings nicht von allen Fachgesellschaften befürwortet.[3] Nach Beginn oder Intensivierung der lipidsenkenden Therapie empfiehlt das DGK/ESC-Focused-Update 2025 eine LDL-C-Kontrolle nach 4 bis 6 Wochen.[4]
Darreichungsform
Evolocumab liegt als klare, farblose bis gelbliche Injektionslösung vor. Jede Fertigspritze bzw. jeder Fertigpen enthält 140 mg in 1 ml Lösung. Weiterhin existieren Patronen mit 420 mg in 3,5 ml Lösung (120 mg/ml). Der Wirkstoff wird subkutan in das Abdomen, den Oberschenkel oder den Oberarm injiziert.
Dosierung
Bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie beträgt die Anfangsdosis 420 mg einmal monatlich. Bei unzureichendem klinischem Ansprechen kann nach 12 Behandlungswochen auf 420 mg alle 2 Wochen intensiviert werden. Bei Apherese-Patienten ist dieses zweiwöchentliche Schema bereits initial möglich.[5]
In den anderen Indikationen wird Evolocumab in einer Dosis von 140 mg alle zwei Wochen oder 420 mg einmal monatlich verabreicht.[5]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Zu den häufigen Nebenwirkungen von Evolocumab zählen:
- Infektionen: Influenza, Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege
- Überempfindlichkeit, Hautausschlag, gelegentlich Urtikaria, selten Angioödem
- Übelkeit
- Rückenschmerzen, Arthralgien
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Hämatome, Erytheme, Hämorrhagien, Schmerzen, Schwellungen)
- Kopfschmerzen und Myalgien.[5]
Die Nadelschutzkappe der Fertigspritze enthält getrockneten Naturkautschuk und kann schwere allergische Reaktionen auslösen.[5]
Kontraindikationen
Kontraindiziert ist Evolocumab bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile. In der Schwangerschaft ist die Anwendung nur bei klinischer Erforderlichkeit vorgesehen. Während der Stillzeit muss nach Nutzen-Risiko-Abwägung zwischen Stillen und Evolocumab-Therapie entschieden werden.[2]
Bei heterozygoter oder homozygoter familiärer Hypercholesterinämie fehlen Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweise bei Kindern unter 10 Jahren.[5]
Bei Patienten mit mäßiger Leberfunktionsstörung kann es zur verringerten Wirkung von Evolocumab kommen. Bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C) liegen keine Daten vor, sodass Evolocumab bei entsprechenden Patienten mit Vorsicht angewendet werden muss.
Zulassung
Evolocumab ist seit Juli 2015 als erster PCSK9-Inhibitor in der EU zugelassen. Die Zulassung in den USA erfolgte im August 2015.
Nutzenbewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht im Rahmen der Nutzenbewertung den Zusatznutzen von Evolocumab im Vergleich zu einer zweckmäßigen Vergleichstherapie weiterhin als nicht belegt an. Dies wurde zuletzt im Rahmen der erneuten Nutzenbewertung, die auch die Indikation zur kardiovaskulären Risikoreduktion einschloss, bestätigt.[6]
Kosten
Die Jahrestherapiekosten von Evolocumab werden für die Standard-Erhaltungstherapie mit 5.234 € pro Patient angegeben (Stand 2026).[7]
Podcast
Bildquelle
- Bildquelle Podcast: ChatGPT (DocCheck)
Quellen
- ↑ G-BA: Tragende Gründe zum Beschluss über Evolocumab, neues Anwendungsgebiet primäre Hypercholesterinämie, 10 bis 17 Jahre, vom 16.06.2022, abgerufen am 18.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Amgen: Fachinformation Repatha, Stand August 2026, abgerufen am 18.09.2026
- ↑ Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, S3, Version 7.0, 2024, abgerufen am 18.09.2026
- ↑ DGK/ESC: Pocket-Leitlinie Dyslipidämien, Focused Update 2025, abgerufen am 18.09.2026
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 EMA: Repatha – Produktinformation, abgerufen am 18.09.2026
- ↑ G-BA - Evolocumab (aktualisierter Beschluss von 2018), abgerufen am 21.09.2026
- ↑ Gemeinsame Arbeitsgruppe Arzneimittel Niedersachsen: Rezept-Info Lipidsenker, Stand Februar 2026, abgerufen am 18.09.2026
Literatur
- Evolocumab - Grünes Licht für ersten PCSK9-Antikörper Pharmazeutische Zeitung Online, abgerufen am 15.09.2016
- EMA - Fachinformation Repatha, Fachinfo, abgerufen am 21.09.2026