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Leishmaniose (Hund)

(Weitergeleitet von Leishmaniose des Hundes)

Synonym: Leishmanien-Infektion des Hundes

1 Definition

Bei der Leishmaniose des Hundes handelt es sich um eine durch intrazellulär parasitierende Trypanosomatiden verursachte parasitäre Erkrankung des Hundes. Es existieren weltweit verschiedene Leishmanienarten. In Südeuropa und den angrenzenden Ländern ist ebenso wie in Südamerika Leishmania infantum der Haupterreger für die Erkrankung von Hunden. Die im Weiteren beschriebenen Krankheitsformen und Therapiemaßnahmen beziehen sich auf den Erreger Leishmania infantum.

2 Erreger

Leishmanien sind im Wirbeltierwirt in ihrer amastigoten Form obligat intrazellulär parasitierende Trypanosomatiden. Sie vermehren sich in ihrer amastigoten Form in Makrophagen und durchlaufen während ihrer Entwicklung einen Wirtswechsel zwischen einem Sandmücken- und einem Wirbeltierwirt. Als Vektoren innerhalb der Endemiegebiete fungieren Sandmücken der Gattungen Phlebotomus (Europa, Asien, Afrika) oder Lutzomyia (Amerika). In der Sandmücke entwickeln und vermehren sich die Erreger extrazellulär in ihrer promastigoten Form. Außerhalb der Endemiegebiete (z.B. in Deutschland), wo der Vektor fehlt, kann es ausnahmsweise durch iatrogene Übertragung (Bluttransfusionen) zu Neuinfektionen kommen.

3 Epizootiologie

Der Erreger Leishmania infantum ist in tropischen und subtropischen Gebieten (mit der Ausnahme von Australien und Ozeanien) weltweit verbreitet. Durch zunehmenden Reiseverkehr mit Tieren steigt die Zahl erkrankter Hunde in Deutschland in den letzten Jahren.

4 Pathogenese

Nach der Infektion entsteht eine lokale Entzündung der Haut, die meist unbemerkt bleibt. Von diesem Infektionsort aus verbreiten sich befallene Makrophagen in verschiedene Organe (z.B. Milz, Leber, Lymphknoten, Knochenmark, Haut, Darm). Schlussendlich entstehen multiple Organschäden wie Schädigungen des Endothels, Glomerulonephritiden und Amyloidosen.

Die Inkubationszeit kann bis zu einigen Jahren betragen.

5 Klinik

Es werden latente Formen der Krankheit, die jahrelang unbemerkt bleiben können, und disseminierte symptomatische Formen unterschieden. Disseminierte symptomatische Formen können sich entweder als kutane oder viszerale Leishmaniose manifestieren. Auch Mischformen sind möglich. Symptome können oft schubweise auftreten und beispielsweise Fieber, Epistaxis, Abmagerung, Lethargie, Durchfall, Hepatomegalie und Splenomegalie umfassen. Stark verdächtig ist eine chronische, nicht juckende Dermatitis mit konsekutiver Alopezie um die Augen und am Nasenrücken. Hautveränderungen können sich auf Hals, Rücken und Extremitäten ausbreiten. Durch eine chronische Entzündung des Krallenbetts kann es zu verstärktem Krallenwachstum kommen.

6 Therapie

Zur veterinärmedizinischen Therapie der Leishmaniose werden Leishmanizide (töten die Erreger ab) und Leishmanostatika (unterbinden die Vermehrung der Erreger) verwendet.

Allopurinol ist ein Leishmanostatikum, das sowohl für eine Monotherapie wie auch für eine Kombinationstherapie mit einem Leishmanizid (z.B. Meglumin-Antimonat oder Miltefosin) eingesetzt werden kann.

Allopurinol hemmt die Proteinsynthese des Erregers. Bei der Monotherapie, die vorrangig außerhalb von Endemiegebieten eingesetzt werden sollte, werden für die Dauer von 6 Monaten täglich oral 20 mg/kgKG appliziert, mit Präferenz in 2 Dosen zu 10 mg/kgKG in 12-stündigem Abstand. Vielfach kann das Immunsystem des Hundes danach mit den verbliebenen Erregern fertigwerden.[1]

Ist diese Therapie nicht erfolgreich, treten Rezidive auf oder ist die Krankheit weiter fortgeschritten, kann eine Kombinationstherapie von Allopurinol und auf pentavalentem Antimon basierenden Präparaten mit dem Wirkstoff Meglumin-Antimonat eingeleitet werden. Über 28 Tage werden 100 mg/kgKG Meglumin-Antimonat (entsprechend 27 mg/kgKG Antimon oder 0,33 ml/kgKG der Injektionslösung Glucantime®), mit Präferenz in 2 Dosen zu 50 mg/kgKG in 12-stündigem Abstand, subkutan oder intravenös appliziert. Gleichzeitig werden 2-mal täglich 10 mg/kgKG Allopurinol in 12-stündigem Abstand oral verabreicht. Bei Bedarf und bei Verträglichkeit kann die Therapiezeit notfalls verdoppelt werden. Im Anschluss an die Kombinationstherapie ist eine mindestens 6 monatige Allopurinol-Monotherapie in der o.a. Dosierung erforderlich.[1]

Neben pentavalentem Antimon kann auch das oral applizierbare Miltefosin als Leishmanizid im Rahmen einer Kombinationstherapie mit Allopurinol eingesetzt werden. Pentaventes Antimon ist wirkungsintensiver, Miltefosin nebenwirkungsärmer.[1]

Auch Immuntherapien, beispielsweise mit Gamma-Interferon, sind in der Literatur diskutiert worden.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation. Ebenso sind die für die jeweiligen Wirkstoffe vorgeschriebenen Zulassungsregelungen zu beachten. Für Allopurinol (sowohl als Mono- als auch Kombinationstherapie) liegt in Europa keine Veterinärzulassung vor. Vor der Verwendung des Wirkstoffs aufgrund eines Therapienotstandes muss daher zwingend eine Umwidmung erfolgen.

7 Prognose

Besonders bei fortgeschrittenen Fällen muss die Prognose vorsichtig formuliert werden. Gemäß den meisten Studien sprechen ca. 10 % der Tiere schlecht oder gar nicht auf eine Therapie an. Ein etwaiger Therapieerfolg sollte in halbjährlichem Intervall serologisch verfolgt werden. Dabei gilt, dass ein Anstieg der Globulinwerte (auch ohne erneute klinische Symptome) ein frühes Zeichen für ein Rezidiv und eine sichere Indikation für einen erneuten Therapiebeginn ist. Ein negativ ausfallender Erregernachweis durch PCR des Knochenmarks nach oder während einer Therapie ist nicht beweisend für eine Elimination der Parasiten.

8 Prophylaxe

Da bislang keine geeignete Vakzine für Hunde verfügbar ist, beschränken sich prophylaktische Maßnahmen auf die Bekämpfung der Überträger durch Insektizide sowie auf die die Beseitigung ihrer Brutplätze.

Ein neuer und v.a. vielversprechender Ansatz für die Bekämpfung der Leishmaniose ist die Expositionsprophylaxe durch ein deltamethrinhaltiges Halsband, das die Befallsrate mit Sandmücken um rund 96 % reduzieren kann. Ein solches wasserresistentes Halsband gewährt einen bis zu 6-monatigen Schutz vor Stichen durch Sandmücken mit gleichzeitigem Schutz vor Flöhen und Zecken. Das Halsband muss 2 Wochen vor Reiseantritt angelegt werden, um seine volle Wirkung während der Expositionszeit entfalten zu können. Epidemiologische Untersuchungen zeigten, dass mit breiter Anwendung des Halsbandes - besonders in Endemiegebieten mit hohem Infektionsdruck - die Inzidenz bei Hunden stark (um 86 %) gesenkt werden kann. Kurzaufenthalte können mit deltamethrinhaltigen Badebehandlungen oder mit Permethrin als Spot-on-Präparat überbrückt werden.

9 Bedeutung für den Menschen

Beim Menschen unterscheidet man zwischen drei Hauptformen der Leishmaniose: die kutane, die mukokutane und die viszerale Form. Die für Hunde im Allgemeinen tödliche Infektion durch Leishmania infantum erzeugt nur bei Kindern bis zu 4 Jahren eine viszerale Leishmaniose, die unbehandelt ebenfalls einen tödlichen Ausgang nehmen kann. Bei immunkompetenten Erwachsenen bleibt die viszerale, durch Leishmania infantum bewirkte Erkrankung im Allgemeinen asymptomatisch. In geringerem Umfang kann Leishmania infantum beim Menschen auch eine kutane Leishmaniose auslösen.

In der Humanmedizin wird der Hund primär in seiner Rolle als Reservoirwirt für Leishmania infantum und andere Leishmanienarten betrachtet. Eine Therapie der Hunde wird dort, wo die Leishmaniose des Hundes weit verbreitet ist, mehrheitlich nicht wirklich durchgeführt. Nach Vorgaben der WHO sollen infizierte Hunde in Endemiegebieten menschlicher Infektionen gekeult werden. Versuche, diese Vorgabe durchzusetzen, sind in diesen Endemiegebieten aber fast überall gescheitert.

10 Literatur

  • Boch, Josef, Supperer, Rudolf. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey Verlag, 2005
  1. 1,0 1,1 1,2 U. Philippi Canine Leishmaniose Juli 2017 (Update August 2018)

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