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Leishmania infantum

1 Definition

Leishmania infantum ist Erreger sowohl einer viszeralen wie auch einer kutanen Leishmaniose. Beide Krankheitsvarianten sind in Regionen der Alten Welt (Europa, Asien, Afrika) und der Neuen Welt (Amerika) endemisch.

2 Hintergrund

In Südamerika wurde der Erreger früher als Leishmania chagasi bezeichnet. Nach heute vorherrschender Auffassung handelt es sich jedoch bei "infantum" und "chagasi" um die gleiche Spezies. In WHO-Dokumenten (auch in PAHO-Dokumenten) ist heute auch für den südamerikanischen Erreger der Name "infantum" gebräuchlich, während südamerikanische Quellen zum Teil weiter den Namen "chagasi" verwenden.

3 Epidemiologie

Die Ausbildung der Krankheitssymptome hängt vor allem vom Erreger Leishmania infantum und vom Immunstatus der infizierten Individuen ab.

3.1 Viszerale Leishmaniasis

Die viszerale, durch Leishmania infantum bewirkte Infektionskrankheit ist besonders im Mittelmeerraum sowie in West- and Mittelasien, zusätzlich auch in Afghanistan und Pakistan endemisch. Neben Leishmania donovani ist Leishmania infantum zusätzlich im Jemen und in Ostafrika verbreitet. Weitere versprengte Endemiegebiete gibt es im übrigen Afrika, auf der arabischen Halbinsel sowie auch in China.

Früher waren fast ausschließlich Kinder (vor allem Kinder von 1-4 Jahren) von klinischen Symptomen der viszeralen Krankheit betroffen. Durch die Verbreitung von AIDS und Immunsuppression wird heute jedoch in Europa ungefähr die Hälfte der Erkrankungen bei Erwachsenen manifest.

In Süd- und Mittelamerika mit Brasilien als Schwerpunkt ist Leishmania infantum der alleinige Erreger für die viszerale Erkrankungsform. Betroffen sind vor allem Kinder bis zu 10 Jahren und Erwachsene mit schlechter Immunkompetenz, worunter vor allem Mangelernährung zu verstehen ist.

Insbesondere in den letzten beiden Dekaden haben in Süd- und Mittelamerika in der Folge großer Infrastrukturprojekte (Straßenbauten, Stauwerkbauten, Elektrifizierung, Erdgaspipelines) bedeutende Migrationsbewegungen von den früheren Primär- und Sekundärwäldern, Savannen und peridomestischen Siedlungsgebieten in neu erschaffene, ungeplant wachsende suburbane und urbane Räume am Rande früherer städtischer Gebiete stattgefunden. Die häufig armen Migranten wurden von Hunden und auch von mitgewanderten Sandmücken der Spezies Lutzomyia longipalpis in ihre neue sozioökonomisch meist ebenfalls ärmliche Umgebung begleitet. Viszerale Leishmaniasis gilt in Süd- und Mittelamerika als Krankheit der Armen und ist heute auch in den Slums verschiedener urbaner und suburbaner Gebiete verbreitet. In diesen neu erschlossenen Siedlungsgebieten tritt die viszerale Leishmaniose auch vermehrt bei Erwachsenen ohne spezifische Immundefizite auf.

Bei der ganz großen Mehrheit der infizierten Erwachsenen ist die Infektion jedoch subklinisch, kann aber im Falle einer späteren Immunschwäche noch die klinischen Symptome entwickeln.

Die Inkubationszeit beträgt im Allgemeinen 3-6 Monate. Nach Ablauf der Inkubationszeit tritt meist ein langanhaltendes Fieber auf, weiter werden Blutbildveränderungen wie Blutarmut oder Blutplättchenmangel manifest. Zudem machen sich häufig Blutgerinnungsstörungen bemerkbar. Milz und Leber (Hepatosplenomegalie) sind oft angeschwollen, was vor allem bei erkrankten Kindern deutlich an einem aufgetriebenen Bauch erkennbar ist. Geschwollene Lymphknoten, Bauchschmerzen und Durchfälle sind häufige Begleiterscheinungen. Im Laufe der Zeit kommt es zu Auszehrung, Apathie und allgemeiner Immunschwäche. Bedingt durch die Immunschwäche wird der Körper fast immer von weiteren Infektionskrankheiten befallen. Vor allem durch den Einfluss dieser Sekundärinfektionen nimmt die viszerale Erkrankung ohne Behandlung sehr häufig einen tödlichen Verlauf.

3.2 Kutane Leishmaniasis

Kutane Leishmaniasis kann im gesamten Verbreitungsgebiet der viszeralen Erkrankung auftreten. Die kutan Erkrankten weisen normalerweise keine Symptome einer viszeralen Vorerkrankung auf. Die Läsionen sind mehrheitlich einfache, zum Teil leicht entzündete Knoten. Die von anderen Leishmaniosen bekannten Geschwüre mit erhabenen Rändern können jedoch auch auftreten. Die Läsionen heilen im Allgemeinen nach spätestens einen Jahr von allein ab. Die Heilung verleiht Immunität gegen ein erneutes Auftreten von kutanen Läsionen des gleichen Erregers.

Hauptverbreitungsgebiet in der Alten Welt ist der Mittelmeerraum.

In der Neuen Welt durch Leishmania infantum verursachte Läsionen sind fast nur in Mittelamerika verbreitet. Während kleine Kinder bis zu 5 Jahren viszeral erkranken, bilden sich bei älteren Kindern und jungen Erwachsenen dort eher die kutanen Merkmale aus.

4 Übertragung

Die Erreger werden in der Alten Welt durch den Stich von Sandmücken der Gattung Phlebotomus, in der Neuen Welt der Gattung Lutzomyia (vor allem die Spezies Lutzomyia longipalpis) übertragen. Hauptreservoirwirte der zoonotischen Infektionskrankheiten sind heute (zum Teil streunende oder verwilderte) Haushunde. Unter Wildtieren können auch andere Canidae, z.B. Füchse (vor allem Rotfüchse) und Schakale sowie südamerikanische Wildhunde, in Südamerika auch Opossums in die Übertragung des Erregers eingebunden sein. Leishmania infantum wurde auch in anderen Wildtieren, zum Beispiel Dachsen, Ratten und Katzen (inkl. Hauskatzen) aufgefunden. In wieweit diese anderen Tiere in den Infektionskreislauf des Menschen eingebunden sind, ist zum Teil unbekannt. In jedem Fall dürfte ihr Einfluss im Vergleich zu dem der Haushunde marginal sein.

5 Reise-Leishmaniosen

Der Erreger Leishmania infantum mit dem Hund als Reservoirwirt ist im südeuropäischen Mittelmeerraum endemisch und für die meisten viszeralen und kutanen Reise-Leishmaniosen in Deutschland verantwortlich. Beim Institut für Tropenmedizin in Berlin waren von den 130 in den Jahren 2000-2007 untersuchten Leishmaniosen 38 % der kutanen und 97 % der viszeralen Infektionen bei Reisenden durch Leishmania infantum verursacht. Neben Kindern waren vor allem AIDS-Kranke, immunsupprimierte Patienten sowie Reisende mit anderen Immunschwächen von der viszeralen Krankheitsvariante betroffen.

In bestimmten Regionen Italiens und Spaniens ist ungefähr die Hälfte der Hunde mit Leishmania infantum durchseucht (subklinische Fälle eingeschlossen). Auf Urlaubsreisen mitgenommene Hunde können sich in sehr geringem Umfang ebenfalls mit einer Reise-Leishmaniose infizieren. Gewichtiger dürften importierte Hunde sein - ungefähr 5% der in Deutschland gehaltenen Hunde stammen ursprünglich aus Südeuropa.

Sollten mit der Klimaerwähnung Sandmückenspezies wie zum Beispiel Phlebotomus perniciosus, die Menschen und Hunde mit Leishmania infantum infizieren, weiter nach Norden vordringen, so sind vereinzelte Infektionen nördlich der Alpen in Zukunft vorstellbar. Allerdings sind die heutigen Erregerreservoire bei Menschen und Hunden (subklinische Infektionen eingeschlossen) für eine Endemie nicht ausreichend.

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