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Phlebotomus perniciosus

1 Definition

Phlebotomus perniciosus ist eine vor allem im Mittelmeerraum beheimatete Sandmücke der Gattung Phlebotomus. In verschiedenen Regionen ist Phlebotomus perniciosus dort die meistverbreitete Sandmücke.

2 Vektoreigenschaft

2.1 Kanine Leishmaniose

Phlebotomus perniciosus gilt zunächst als einer der Hauptüberträger von Leishmania infantum von Hund zu Hund im gesamten Mittelmeerraum. Die Sandmücke ist somit in erheblichem Umfang für die Ausbreitung kaniner Leishmaniose an den Mittelmeerküsten und in Portugal mitverantwortlich. In verschiedenen Regionen (auch Südeuropas) sind ca. 50% aller Hunde mit Leishmania infantum infiziert. Werden klinische Symptome manifest, endet die viszerale und oft zusätzlich kutane Leishmaniose für Hunde nach langer Leidenszeit meist tödlich. Eine wirksame Behandlung wird nur selten durchgeführt.

2.2 Leishmaniose des Menschen

Gemäß WHO ist Phlebotomus perniciosus in Algerien, Frankreich, Italien, Malta, Marokko, Portugal, Spanien und Tunesien als Vektor an der zoonotischen Übertragung von Leishmania infantum auf den Menschen beteiligt. Reservoirwirt ist der Hund, in Südeuropa zusätzlich der Rotfuchs.[1] Leishmania infantum kann bei Kindern bis zu 4 oder 5 Jahren eine viszerale Leishmaniose verursachen, die ohne Behandlung mehrheitlich tödlich verläuft. Für immunkompetente Erwachsene ist eine Infektion mit Leishmania infantum im Allgemeinen asymptomatisch. Durch die Verbreitung von AIDS und Immunsuppression wird die Krankheit allerdings heute in Europa ungefähr zur Hälfte bei Erwachsenen manifest. Im gesamten Ausbreitungsgebiet von Leishmania infantum ist außerdem, wenn auch seltener, eine von der viszeralen hauptsächlichen Erkrankungsform unabhängige kutane Leishmaniose durch Leishmania infantum möglich.

2.3 Phleboviren

Außerdem ist Phlebotomus perniciosus gemäß dem Sandmückenregister[2] Vektor für Serotypen verschiedener Phleboviren.

3 Vektorkontrolle

Die im Mittelmeerraum aktiven Sandmückenarten der Phlebotomus-Untergattungen Larroussius (zu der auch Phlebotomus perniciosus gehört) und Adlerius ruhen und stechen sowohl in umschlossenen Räumen wie auch im Freien[1], sind also zugleich endophil und exophil. Aufgrund der auch exophilen Lebensweise ist eine Vektorkontrolle mittels Insektiziden nur schwierig zu bewerkstelligen und im Mittelmeerraum nicht weit verbreitet.

4 Ausbreitung nördlich der Alpen

Phlebotomus perniciosus wurde bereits um die Jahrtausendwende nördlich der Alpen in Süddeutschland, in Straßburg und auf der Kanalinsel Jersey gesichtet.[3] Sollten sich durch die Klimaerwärmung die 10°C-Jahresthermen (siehe [3], Karten S. 65-66), die als untere Sandmücken-Ausbreitungsgrenze gelten, weiter nach Norden verschieben, so ist eine zunehmende Ausbreitung von Phlebotomus perniciosus nach Norden möglich. Da zugleich in Deutschland ca. 5% der Hunde ursprünglich aus dem Mittelmeeraum stammen, sind vollständige autochthone Infektionszyklen des Erregers Leishmania infantum von Hund zu Hund oder vom Hund auf den Menschen via den Vektor Phlebotomus perniciosus in Deutschland (und anderen Ländern nördlich der Alpen) in Zukunft nicht mehr auszuschließen, wobei zunächst nur Einzelfälle zu erwarten sind. Von einer durch Leishmania infantum ausgelösten Endemie im üblichen Verständnis ist man jedoch noch weit entfernt. Erwähnt werden sollte allerdings, dass der Nachweis eines vollständigen Infektionszyklus vom Hund via Vektor auf den Menschen von der WHO als endemisch tituliert würde.

5 Quellen

  1. 1,0 1,1 Control of the leishmaniases WHO Technical Report 949, WHO 2010
  2. Phlebotomus (Lar.) perniciosus Auszug aus dem Sandmückenregister, aufgerufen 19.11.2017
  3. 3,0 3,1 I. Steinhausen Untersuchung zur Verbreitung von Sandmücken (Phlebotomen) in Deutschland mit Hilfe geographischer Informationssysteme (GIS), Diplomarbeit Bonn 2005

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