Impfstoff
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Synonyme: Vakzine, Vakzin
Englisch: vaccine
Definition
Ein Impfstoff ist eine Substanz, die bei einer Schutzimpfung verabreicht wird und dazu dient, eine Immunität gegen Erreger von Infektionskrankheiten zu erreichen.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Impfstoffe sind in Deutschland apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig.[1][2] Ein direkter Versand durch den Hersteller oder den Großhandel an Krankenhäuser, Gesundheitsämter oder Ärzte ist laut Arzneimittelgesetz (AMG) nur zulässig für:
- Impfstoffe, die bei einer unentgeltlichen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes durchgeführten Schutzimpfung angewendet werden,
- Impfstoffe, die zur Abwendung einer Seuchen- oder Lebensgefahr erforderlich sind,
- Gelbfieberimpfstoffe, die an spezielle Gelbfieber-Impfstellen geliefert werden.[1]
Einteilung
...nach Vitalität
Als Impfstoffe können unter anderem abgeschwächte (attenuierte) oder abgetötete Erreger, Proteine oder Nukleinsäuren (z.B. mRNA oder DNA, die für ein Antigen codieren) verwendet werden. In diesem Zusammenhang werden grundsätzlich zwei Formen von Impfstoffen unterschieden:
- Lebendimpfstoffe: enthalten lebende, aber abgeschwächte (attenuierte) Erreger
- Totimpfstoffe: enthalten abgetötete Erreger oder Erregerpartikel. Sie lassen sich nach der Art der in ihnen enthaltenen Antigene weiter unterteilen (s.u.).
...nach Erregerprofil
Nach ihrem Erregerprofil werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Monokomponentenimpfstoffe enthalten Antigene eines Erregers.
- Kombinationsimpfstoffe enthalten Antigene mehrerer Erreger.
...nach Art der Antigene
Nach Art der Antigene werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- DNA-Impfstoffe
- Toxoidimpfstoffe
- Teilpartikelimpfstoffe (Spaltimpfstoffe)
- Subunit-Impfstoffe
- Ganzpartikelimpfstoffe
- RNA-Vakzinen
...nach Galenik
Nach ihrer Galenik werden folgende Impfstoffe unterschieden:
...nach Funktion
Nach ihrer Funktion werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Markerimpfstoff
- Prophylaktische Impfstoffe dienen der Vorbeugung von Infektionskrankheiten.
- Therapeutische Impfstoffe dienen der Behandlung bereits bestehender Erkrankungen.
Wirkmechanismus
Impfstoffe lösen eine angeborene Immunantwort aus und führen über die Aktivierung antigenpräsentierender Zellen zur Ausbildung einer spezifischen adaptiven Immunantwort mit B- und T-Zell-Aktivierung, Antikörperbildung und der Entstehung von Gedächtniszellen.[3] Lebendimpfstoffe imitieren eine natürliche Infektion meist stärker und erzeugen häufig eine ausgeprägte, lang anhaltende Immunität, während Totimpfstoffe, Subunit-, Konjugat- oder Nukleinsäureimpfstoffe in der Regel mehrere Dosen, Adjuvanzien oder Auffrischimpfungen benötigen, um einen vergleichbaren Schutz aufzubauen.[3]
Zusammensetzung
Impfstoffe enthalten als Wirkstoff das Impfantigen, also abgeschwächte oder abgetötete Erreger, deren Antigene, Toxoide oder genetische Information zur Bildung eines Antigens.[3] Je nach Präparat kommen Adjuvanzien zur Verstärkung der Immunantwort sowie Hilfsstoffe wie Stabilisatoren, Verdünnungsmittel, Antioxidanzien oder antimikrobielle Konservierungsmittel hinzu.[3] Bei mRNA-Impfstoffen ist die mRNA typischerweise in Lipidpartikel verpackt.[3]
Darreichungsformen und Applikationswege
Impfstoffe werden je nach Präparat als Injektionslösung, Suspension, gefriergetrocknetes Pulver zur Rekonstitution oder als orale Darreichungsform angewendet.[3] Üblich sind die intramuskuläre, subkutane und intradermale Applikation; einzelne Impfstoffe werden oral verabreicht.[3] Der Applikationsweg richtet sich nach Impfstofftyp und Fachinformation.[3]
Impfschema und Dosierung
Das Impfschema umfasst in der Regel eine Grundimmunisierung mit einer oder mehreren Dosen sowie je nach Impfstoff erforderliche Auffrischimpfungen.[4] Dosiszahl, Impfintervalle und die Notwendigkeit von Booster-Impfungen sind produktspezifisch festgelegt und richten sich nach Fachinformation und STIKO-Empfehlung.[3] Bei einigen Impfstoffen sind für die vollständige Immunisierung mehrere Teilimpfungen erforderlich.[3]
Wechselwirkungen
Immunsuppressiva können die Immunantwort auf Impfstoffe vermindern; bei Lebendimpfstoffen ist unter relevanter Immunsuppression besondere Vorsicht geboten.[5] Immunglobuline und bestimmte Blutprodukte können die Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen beeinträchtigen, weshalb zwischen diesen und der Impfung je nach Präparat definierte Abstände einzuhalten sind.[6] Mehrere Impfstoffe können am selben Termin verabreicht werden, sofern dies in der Fachinformation zugelassen ist; andernfalls sind Impfabstände zu beachten.[6]
Kontraindikationen
Allgemeine Kontraindikationen sind schwere akute Erkrankungen, fieberhafte Infekte und bekannte Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffs.[7][8] Lebendimpfstoffe sind bei bestimmten schweren Immundefekten und in der Schwangerschaft in der Regel kontraindiziert.[5] Vor einer Impfung ist bei Allergien, Immunsuppression und anderen Risikokonstellationen eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.[7]
Lagerung und Transport
Impfstoffe sind empfindliche biologische Produkte und müssen grundsätzlich unter Einhaltung der Kühlkette gelagert und transportiert werden.[9] In der Regel gilt eine Lagerung bei 2 bis 8 °C; zusätzlich sind produktspezifische Vorgaben zu Lichtschutz, Tiefkühlung oder Nicht-Gefrieren zu beachten.[10][3] Angebrochene oder rekonstituierte Impfstoffe sind nach Maßgabe der Fachinformation zeitnah zu verwenden oder zu verwerfen.[3]
Indikationen und Impfempfehlungen
Impfstoffe werden prophylaktisch zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten eingesetzt; einzelne Impfstoffe werden auch therapeutisch im Rahmen einer bestehenden Erkrankung oder als Teil einer spezifischen Immuntherapie entwickelt.[4] In Deutschland geben die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) den Rahmen für Standardimpfungen, Indikationsimpfungen und Auffrischimpfungen vor.[4] Reiseimpfungen werden zusätzlich nach Exposition, Reiseziel, Aufenthaltsdauer und individuellem Risiko erwogen.[4]
Anwendung
Impfungen können von jedem approbierten Arzt verordnet und durchgeführt werden. Da die meisten Impfungen im Kindesalter erfolgen, werden sie überwiegend von Kinderärzten vorgenommen. Für bestimmte Lebendimpfstoffe (z.B. Gelbfieberimpfstoff) ist eine spezielle Impfzulassung notwendig.
Nebenwirkungen
Häufige Impfreaktionen sind lokale Beschwerden wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle sowie vorübergehende Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen und Fieber.[8][11] Seltene schwerwiegende unerwünschte Wirkungen sind insbesondere anaphylaktische Reaktionen und, je nach Impfstoff, weitere spezifische Impfkomplikationen.[5]
Quiz
Bildquelle
- Bildquelle für Flexikon-Quiz: © Nataliya Vaitkevich / Pexels
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz – AMG), abgerufen am 26.10.2026
- ↑ Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 FAQ – Häufig gestellte Fragen: Impfstoffe - Paul-Ehrlich-Institut, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Empfehlungen der STIKO, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Wirksamkeit, Sicherheit und Kontraindikationen, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 6,0 6,1 STIKO-Empfehlungen 2025, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 7,0 7,1 Kontraindikationen bei der Durchführung von Impfungen - RKI, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ 8,0 8,1 COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ Epidemiologisches Bulletin 4/2022, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ Impfempfehlungen der STIKO am Robert Koch-Institut, abgerufen am 26.10.2026
- ↑ Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza, abgerufen am 26.10.2026